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Gesundheit& Medizin

Aktuelle Themen zu Gesundheit und Prävention, Zahngesundheit und Zahnästhetik, Sport, Beauty und ästhetische Medizin, Vitalstoffe und Ernährung sowie Anti-Aging – Alt werden, jung bleiben.

Die neuesten Gesundheitsdaten finden Sie immer oben gelistet. 

Gesundheit und Prävention

Wie wichtig auch vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie persönliche Kontakte sind, zeigt das Ergebnis einer aktuellen neurowissenschaftlichen Studie der Universität Jena. Die Wissenschaftler wollten herausfinden, unter welchen Bedingungen sich das menschliche Gehirn neue Gesichter am besten einprägen kann.

Denn die Fähigkeit, Gesichter wiederzuerkennen und deren Vertrautheit zu gewinnen, ist für uns Menschen überlebenswichtig. Ein persönlicher Umgang und ein gutes soziales Zusammenleben können nur funktionieren, wenn unser Gehirn vertraute Gesichter abspeichert und wieder abrufen kann. Allein während der Kinder- und Jugendjahre lernen wir im Durchschnitt 5.000 Gesichter kennen und können sie von neuen Gesichtern unterscheiden.

Die Forscher ermittelten nun, unter welchen Bedingungen unser Gehirn diese Vertrautheit durch die Gesichterwiedererkennung am besten aufbaut. Zu diesem Zweck wurde einem Drittel der Studienteilnehmer Fotos von prominenten Unbekannten vorgelegt. Einem weiteren Drittel wurde eine TV-Sendung mit ihnen noch unbekannten Darstellern gezeigt. Und bei dem letzten Drittel der Studienteilnehmer erfolgte ein persönliches Treffen mit unbekannten Personen.

Für eine spätere Auswertung wurden die Gehirnaktivitäten aller drei Gruppenmitglieder gemessen. Bei der Auswertung zeigte sich, dass es schon nach einer halben Sekunde zu den notwendigen Veränderungen in unserer Gehirnaktivität kommt, die Voraussetzung dafür ist, dass wir uns neue Gesichter gemerkt haben. Dieser wichtige Prozess als Bedingung dafür, dass neue Gesichter als bekannt wahrgenommen werden, funktioniert messbar besser, wenn uns der neue Kontakt persönlich von Angesicht zu Angesicht gegenübersteht.

Beim Sehen im TV erfolgte der Prozess etwas langsamer, während lediglich die Betrachtung von Fotos diesbezüglich am ineffektivsten war. Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass die persönlichen Kontakte vor dem Hintergrund einer gehaltvollen sozialen Kompetenz besonders wichtig sind. Sie sind nach wie vor die beste Voraussetzung, um eine gute und dauerhafte zwischenmenschliche Vertrautheit aufzubauen.

Ambrus, GG et al.
Getting to know you: emerging neural representations during face familiarization
Journal Neurosci 5/2021

Eine Neurodermitis beziehungsweise atopische Dermatitis führt bei den Betroffenen zu Hautveränderungen und -reizungen, die je nach Ausprägungsgrad sehr unangenehm sein können. Hinzu kommen nicht selten Schlafstörungen, Aufmerksamkeitsdefizite und Probleme in der Gedächtnisleistung. Vor allem bei Kindern mit einer atopischen Dermatitis kann sich mit einer bis zur dreifach erhöhten Wahrscheinlichkeit dadurch eine Lernstörung entwickeln.

Zu diesem Ergebnis kam eine US-amerikanische Studie, in deren Rahmen entsprechende Daten von über 2.400 Kindern im Alter von zwei bis 17 Jahren, die über einen Zeitraum von 10 Jahren gesammelt wurden, näher unter die Lupe genommen wurden.

Die Auswertung zeigte, dass sich bei den Betroffenen der Schweregrad einer atopischen Dermatitis nachweislich negativ auf die Entwicklung der schulischen Leistungen auswirkte. In Summe hatte sich bei 8,2 % der jungen Studienteilnehmer eine solche Lernschwäche während des Studienzeitraums ausgebildet. Vor allem bei Kindern mit einer schweren Form der Hauterkrankung wurde häufiger ein beeinträchtigtes Lernverhalten festgestellt als bei solchen mit einer leichten atopischen Dermatitis.

Aus den gesammelten Daten konnten die Studienverantwortlichen folgende Prognose errechnen: Bei Kindern mit einer leichten atopischen Dermatitis erhöhte sich das Risiko für eine Lernstörung um das 1,7-Fache, bei einem mittleren Erkrankungsgrad um das 2,1-Fache und bei den schwer betroffenen Kindern sogar um das 3,1-Fache im Vergleich zu solchen Kindern ohne entsprechendes Hautproblem.

Wichtige Einflussfaktoren wie beispielsweise Alter, Geschlecht und Elternhaus oder das Vorhandensein weiterer möglicher Erkrankungen fanden bei der Auswertung Berücksichtigung.

Wan, J. et al.
Association of Atopic Dermatitis Severity With Learning Disability in Children
JAMA Dermatol 4/2021

Laut Hinweisen der Weltgesundheitsorganisation finden derzeit zahlreiche wichtige Impfungen in vielen Ländern weltweit aufgrund der Coronapandemie nicht statt. Über 200 Millionen Menschen, insbesondere die heranwachsenden, verpassen daher die so wichtigen Impfkampagnen gegen Masern, Polio oder Gelbfieber und sind somit den teilweise lebensgefährlichen Erregern dieser Krankheiten ungeschützt ausgesetzt, so auch die Aussage des Kinderhilfswerks Unicef.

Insbesondere in den Schwellen- und Entwicklungsländern ist die Verteilung der Impfstoffe auch aufgrund von aktuell unterbrochenen Lieferungen erschwert, so dass weniger Impfungen durchgeführt werden können. In vielen Ländern wurde die Impfkampagne coronabedingt komplett gestoppt, und andernorts zeigen sich auch viele Eltern zurückhaltender bezüglich der Impfung ihrer Kinder. Folglich kam es beispielsweise in jüngster Vergangenheit bereits vermehrt zu Masernausbrüchen in entsprechenden Regionen.

Vor diesem besorgniserregenden Hintergrund rufen die Gesundheitsorganisationen dazu auf, zu den ursprünglichen Impfmustern zurückzukehren, damit nahezu alle Kinder und Jugendlichen die so wichtigen Impfungen tatsächlich erhalten. Damit auch die Zahl der Kinder ohne jeglichen Impfschutz effektiv reduziert wird, müssten Industrieländer und Pharmaunternehmen die notwendigen Impfkampagnen unterstützen.

WHO: Millionen Kinder verpassen wegen Corona wichtige Impfungen
Ärzteblatt 4/2021

Anlässlich der Schilddrüsenwoche im vergangenen April wurden Hinweise laut, dass viele Betroffene einer Diabetes-Erkrankung des Typs I gleichzeitig auch an einer speziellen Form der Schilddrüsenunterfunktion, der sogenannten Hashimoto-Thyreoiditis erkranken. Diese besondere Form einer Autoimmunerkrankung führt dazu, dass die Schilddrüse dauerhaft entzündet ist und folglich nicht ausreichend Hormone produziert. Als Folge ist der Stoffwechsel beeinträchtigt, die Leistungsfähigkeit eingeschränkt und es kann zu psychischen und kognitiven Einbußen kommen.

Da der Verlauf der Hashimoto-Schilddrüsenunterfunktion sehr schleichend ist, wird die Beeinträchtigung der Schilddrüsenfunktion nicht selten erst spät nachgewiesen, obwohl sich die Antikörper gegen die Schilddrüse bereits lange zuvor gebildet haben. Durch die tägliche Gabe des fehlenden Hormons
L-Tyroxin kann die Krankheit erfolgreich behandelt werden.

Laut Aussagen von Medizinern haben Diabetiker bekanntermaßen bereits ein höheres Risiko für psychische Erkrankungen, was unter anderem auf eine beeinträchtigte Durchblutung einzelner Gehirnregionen zurückzuführen ist. Kommt dann noch eine Hashimoto-Thyreoiditis hinzu, könnten die psychischen und kognitiven Probleme noch verstärkt werden. Entsprechend weist das Ergebnis einer aktuellen Studie darauf hin, dass Diabetes-Patienten, die auch von der speziellen Schilddrüsenunterfunktion betroffen waren, psychisch labiler waren als Typ-I-Diabetiker ohne eine Hashimoto-Thyreoiditis.

Vor diesem Hintergrund ist es besonders wichtig, bei solchen Patienten, die beide Krankheiten in Kombination zeigen, auch die psychische Gesundheit näher unter die Lupe zu nehmen. Es müsste in der Umkehr bei depressiv verstimmten Diabetikern auch die Möglichkeit in Betracht gezogen werden, dass eine parallel vorhandene Unterfunktion der Schilddrüse ein maßgeblicher Verstärker dafür sein könnte.

Eckert, A., et al.
Are psychiatric disorders associated with thyroid hormone therapy in adolescents and young adults with type 1 diabetes?
Journal of Diabetes 12/2020

Bereits das vergangene Jahr könnte man als Rekordjahr der Zecken bezeichnen. Wie Wissenschaftler der Universität Hohenheim berichten, stieg die Zahl der meldepflichtigen Hirnhautentzündung, der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), auf den höchsten Stand seit 2001 an. Es ist davon auszugehen, dass uns dieser Trend auch in diesem und in den kommenden Jahren begleiten wird.

Zurückzuführen sind diese Zecken-Rekordwerte auf die vorteilhaften Bedingungen, auf die die kleinen Sauger zunehmend treffen. Zum einen werden pandemiebedingt die Erholungsgebiete hierzulande vermehrt genutzt. Da finden die Zecken zunehmend Angriffsflächen, um an menschliches Blut zu gelangen. Zum anderen führt der Klimawandel dazu, dass sich die Zecken weiter ausbreiten werden. Wärmere Temperaturen auch im Winter geben den kleinen Krabbeltieren ein größeres Zeitfenster, um aktiv zu sein.

Besonders dramatisch ist die Lage südlich des sogenannten Zecken-Äquators nahe dem Deutschen Mittelgebirge. Im Vergleich zum nördlicheren Teil Deutschlands ist die Zahl dort extrem in die Höhe geschnellt. Baden-Württemberg verzeichnete 2020 damit vor Bayern die häufigsten FSME-Betroffenen. Je weiter man sich in den Süden bewegt, desto exponentieller ist der Anstieg der Fallzahlen. Im Norden in Richtung Skandinavien hingegen zeigen sich vergleichsweise unveränderte Daten zum Auftreten der Zecken. Die Wissenschaftler weisen darauf hin, dass man heute mehr oder weniger überall im Land mit Zecken rechnen muss.

Auch müsse man zunehmend neue Erkrankungsbilder annehmen. Neben FSME sind demnach auch weitere Krankheiten in Deutschland festgestellt worden, die über spezielle Zecken aus fernen Ländern durch die Zugvögel bei uns verbreitet wurden. Auch aufgrund der weiteren, hierzulande bereits lange bekannten Borreliose, die ebenfalls durch Zecken übertragen werden kann, sollten Naturliebhaber als wichtige Vorsorgemaßnahme auf entsprechende Kleidung achten und den Körper regelmäßig nach den kleinen Tieren absuchen. Gegen FSME bietet sich zudem die Schutzimpfung an, von der bisher lediglich 20 % der Deutschen Gebrauch machen.

Neuer FSME-Höchststand 2020: Experten befürchten langfristig steigenden Trend
Pressemitteilung 3/2021

Die im Fisch enthaltenen Omega-3-Fettsäuren sind aufgrund ihrer gesundheitsfördernden Wirksamkeit wohlbekannt, nicht zuletzt auch deshalb, weil sie entzündungshemmende Eigenschaften besitzen. Im Rahmen einer britischen Studie konnte belegt werden, dass diese Fettsäuren dazu beitragen könnten, das Asthmarisiko von Kindern zu reduzieren.

Bereits seit den 90er Jahren wurden von etwa 4.500 Kindern mittels Befragungen der Eltern und medizinischer Untersuchungen der Kinder wiederholend aufschlussreiche Daten zu den Ernährungsgewohnheiten bis zum siebten Lebensjahr und unter anderem zu den genetischen Voraussetzungen der Kinder gesammelt und ausgewertet. Diese Angaben wurden ins Verhältnis gesetzt zu einer möglicherweise aufgetretenen Asthmaerkrankung der Kinder im Alter von 11 oder 14 Jahren.

Bei der Auswertung zeigte sich, dass sich die Wahrscheinlichkeit, bis zu diesem Alter eine Asthmaerkrankung zu entwickeln, scheinbar reduzierte, wenn bei den Kindern in ihren frühen Lebensjahren regelmäßig Fisch auf dem Speiseplan stand. Interessanterweise trifft dieser wünschenswerte Zusammenhang nur für solche Kinder zu, bei denen ein bestimmtes genetisches Muster vorzufinden ist. Nach Aussage der Studienverantwortlichen ist dieses entscheidende Erbmaterial jedoch bei sehr vielen Heranwachsenden vorhanden.

Demnach nimmt ein spezielles Gen, das sogenannte FADS2, vor diesem Hintergrund eine dominierende Position ein. Bei mindestens 50 % der jungen Studienteilnehmer konnte es in einer speziellen Variante nachgewiesen werden. Es führt offensichtlich dazu, dass im Körper weniger Omega-3-Fettsäuren bereitgestellt werden. Dieses konnte über geringere Gehalte im Blut nachgewiesen werden.

Wer also diese ungünstige Genvariante in seinem Körper trage, für den sei es besonders hilfreich, eine möglicherweise nicht ausreichend vorhandene Menge an Omega-3-Fettsäuren durch einen frühzeitigen Fischverzehr auszugleichen. Denn bei einem Viertel der Kinder mit diesem zutreffenden Genmuster, die regelmäßig Fisch gegessen hatten, zeigte sich ein um die Hälfte reduziertes Asthmarisiko im Vergleich zu denjenigen, die kaum Fischmahlzeiten bekamen. Um dieses Studienergebnis zu festigen, sind nach Aussagen der Wissenschaftler weitere Studien notwendig.

Talaei, M. et al.
Intake of n-3 polyunsaturated fatty acids in childhood, FADS genotype, and incident asthm
European Respiratory Journal 1/2021

Man sieht sie immer häufiger, die Schutzscheiben, die nicht nur im Kassenbereich der Supermärkte, sondern in vielen anderen Bereichen des öffentlichen Lebens Einzug halten. Und da uns das Corona-Virus noch einige Zeit begleiten wird, werden die Trennwände zunehmend eingesetzt werden, so beispielsweise auch in Schulen und Besprechungsräumen.

Vor diesem Hintergrund hat die Deutsche Physikalische Gesellschaft untersucht, ob die Trennwände auch tatsächlich den Schutz vor einer Ansteckung mit dem Covid-19-Virus erhöhen können. In den aktuellen Forschungsergebnissen heißt es demnach, dass die Trennwände eine sehr verlässliche Hilfe im Kampf gegen das Virus sind und ihr Aufbau zukünftig in einem noch größeren Rahmen erfolgen sollte. Bei optimaler Ausrichtung der Schutzscheiben ermöglichten sie, dass sich zwei Personen ohne das Tragen der manchmal lästigen Masken für eine gewisse Zeit nebeneinander ohne Mindestabstand aufhalten könnten.

Dieses sei verständlicherweise dort sehr hilfreich, wo die Mimik einen wichtigen Beitrag zur verständnisvollen Kommunikation leiste, wie beispielsweise während des Schulunterrichts oder bei Verhandlungsgesprächen. Insbesondere in den Schulen könnten die Trennwände eine sehr gute Ergänzung darstellen, wenn zusätzlich die Empfehlungen zum regelmäßigen Lüften einbezogen würden.

Als besonders hilfreich erklärt die Deutsche Physikalische Gesellschaft, wenn zusätzlich zu den Schutzwänden der Einsatz von Raumluftreinigern und Ventilatoren in konsequenter und nachhaltiger Weise gefördert würde.

www.physikkonkret.de/zusatzinfosTrendwende durch Trennwände - Schutzscheiben vermindern das Risiko von Corona-Infektionen
Physikonkret 3/2021

Die vegane Ernährungsweise liegt im Trend. Immer mehr Menschen verzichten auf den Verzehr von tierischen Lebensmitteln, um das Tierwohl, die Umwelt und/oder die eigene Gesundheit zu schützen. Doch ob eine vegane Ernährungsweise auch tatsächlich als gesundheitsbewusst gilt, wird in der Wissenschaft immer wieder diskutiert. Eine aktuelle Studie, die vom Bundesinstitut für Risikobewertung in Auftrag gegeben wurde, gibt Hinweise darauf, dass durch eine vegane Ernährungsweise die Gesundheit und Stabilität der Knochen aufs Spiel gesetzt werden könnte.

An der Studie nahmen 72 Personen teil, von denen sich die Hälfte vegan ernährte. Weitere Parameter wie Alter, Nikotingenuss, Bildungsstand, Körpergewicht, körperliche Aktivität oder der Konsum von Alkohol wurden erfragt und bei der Auswertung berücksichtigt. Mithilfe von Ultraschalluntersuchungen sollte ermittelt werden, inwiefern sich die vegane Ernährungsweise auf die Knochendichte auswirkt. Im Ergebnis zeigte sich, dass die Ultraschallwerte bei den Veganern schlechter ausfielen als bei den Mischköstlern. Ein erster Hinweis auf eine herabgesetzte Knochengesundheit war damit gegeben.

In einem weiteren Schritt wurden wichtige Biomarker sowohl im Blut als auch im Urin gemessen, über die man Schlussfolgerungen über die Gesundheit der Knochen ziehen kann. Auch wurden damit wichtige Nährstoffe identifiziert, die für den Knochenstoffwechsel wichtig sind. Dabei machten sie 12 Biomarker ausfindig, die einen besonderen Einfluss auf die Knochengesundheit hatten, darunter beispielsweise die Aminosäure Lysin, Leucin, Omega-3-Fettsäure, die Vitamine A und B6 sowie Kalzium und Magnesium.

Bei diesen Vitalstoffen fielen die Werte im Vergleich zu den Mischköstlern etwas schlechter aus, was der Grund dafür sein könnte, dass die Knochengesundheit der Veganer messbar beeinträchtigt war. Auch frühere Studienergebnisse weisen darauf hin, dass bei einer rein pflanzlichen Ernährungsweise eine Unterversorgung mit einigen Vitalstoffen riskiert wird, die unter anderem wichtig für den Knochenaufbau sind. Weitere Studien zu diesem Thema sind geplant.

Menzel, J. et al.
Vegan Diet and Bone Health - Results from the Cross-Sectional RBVD Study
Nutrients 1/2021; 13(2): 685.

Auch wenn Erkrankte des COVID-19-Virus keine typischen Anzeichen mehr haben und eigentlich genesen zu sein scheinen, gibt es offensichtlich neurologische Symptome, die noch einige Zeit anhalten können. Dazu gehören das chronische Erschöpfungssyndrom, Störungen in der Konzentration und in der Gedächtnisleistung sowie Schmerzen und Schlafmangel. Sie können bis zu mehrere Monate andauern.

So zeigte beispielsweise eine Studie aus den Niederlanden, dass extreme Erschöpfungszustände, die sogenannte Fatigue, bei 87 % der Covid-19-Patienten auch noch drei Monate nach der Erkrankung auftrat. Weitere spätere Komplikationen scheinen laut erster Untersuchungsergebnisse zudem die Kurzatmigkeit, Schmerzen und Schlafstörungen zu sein. Interessanterweise traten diese Symptome lange nach der Erkrankung auch bei Patienten auf, die zuvor milde Krankheitsverläufe hatten, so ein Ergebnis einer britischen Studie.

Bei Patienten mit schwerem Verlauf der Krankheit scheinen die neurologischen Folgesymptome jedoch noch länger anzudauern und hartnäckiger zu sein. Aus diesem Grunde sei die Lebensqualität in den Folgemonaten einer Erkrankung besonders eingeschränkt. Gemäß einer französischen Studie berichteten 89 % der Covid-19-Patienten auch noch drei Monate später über Schmerzen, 47 % über eine andauernde Muskelschwäche und den daraus resultierenden Einbußen in der Mobilität und 42 % über Angstgefühle und massive depressive Verstimmungen.

Im Sinne einer möglichst schnellen Beschwerdefreiheit sei eine neurologische Nachbetreuung von ehemaligen Covid-19-Patienten somit unabdingbar, so die Deutsche Gesellschaft für Neurologie.

Albers, B.
Die fünf häufigsten neurologischen Folgen von COVID-19
idw-Informationsdienst Wissenschaft 1/2021

Kinderwunschbehandlungen nehmen trotz der Corona-Pandemie nicht ab. Der Wunsch nach einem Familiennachwuchs ist größer als die Angst vor einer Ansteckung mit dem Virus. Wie das Deutsche Register für Kinderwunschbehandlungen zeigt, waren entsprechende Behandlungen im vergangenen Jahr wieder auf Rekordniveau. Demnach war in Summe am Ende des Jahres 2020 eine Zunahme der Kinderwunschbehandlungen um 9,3 % erkennbar. Lag die Zahl der Behandlungen 2019 bei etwa 99.000, erzielte sie 2020 einen Wert von über 108.000 Behandlungen.

Wie es zu dieser positiven Entwicklung der Behandlungszahlen trotz Corona kommen konnte, lässt sich mit folgenden Fakten erklären. Zunächst scheinen die behandelnden Zentren das Vertrauen der Kinderwunschpatienten durch ihr überzeugendes Hygienekonzept gewonnen zu haben, sodass der Kinderwunsch eindeutig größer war als die Bedenken, sich mit dem Virus anzustecken.
Weiterhin scheinen die sonst häufig vorhandenen begrenzenden Faktoren wie Zeit und finanzielle Mittel aufgrund der Pandemie weggefallen zu sein. Die Investitionen in eine Kinderwunschbehandlung ließen sich für die Betroffenen daher leichter umsetzen.

Auch aus wissenschaftlicher Sicht scheint es derzeit keinen Anlass dafür zu geben, aufgrund der Pandemie auf eine Schwangerschaft zu verzichten, weil sich bisher keine Gründe zur entsprechenden Besorgnis aufzeigen lassen. Was die Frage bezüglich einer Impfempfehlung für Schwangere angeht, ist die aktuelle Datenlage noch nicht ausreichend aussagekräftig. Vom Robert-Koch-Institut gehen diesbezüglich weder belastbare Bewertungen noch Empfehlungen aus.

DIR Sonderauswertung Covid-19
Deutsches IVF-Register-Mitteilung 1/2021

Während in vielen Ländern dieser Erde die Schulkinder zu klein sind, bringen sie in anderen Ländern zu viele Pfunde auf die Körperwaage. Zurückzuführen ist dies auf eine mangelhafte Qualität und Quantität der Ernährung und die jeweils vorherrschenden Lebensbedigungen, die zwischen den ärmeren und den reicheren Nationen stark variieren. In einer groß angelegten Studie, an der über 65 Millionen Heranwachsende im Alter von 5 bis 19 Jahren aus etwa 200 Ländern teilnahmen, wurden Daten bezüglich der Körpergröße und des Gewichts ausgewertet, die ab 1985 bis 2019 gesammelt wurden.

Bei der Auswertung zeigte sich, dass sich die Körpergröße bei gleichaltrigen Teenagern der einzelnen untersuchten Länder um bis zu 20 Zentimeter unterscheiden kann. Als Beispiel können Mädchen aus Bangladesch im Alter von 19 Jahren genannt werden, deren Körpergröße lediglich die Maße von 11-jährigen Mädchen aus den Niederlanden erreichten.

Das Wachstum der Kinder ist demnach im extremsten Fall bei den Mädchen um acht Jahre und bei den Jungen um sechs Jahre verzögert. Bezüglich der Körpergröße lagen die Länder des nördlichen und mittleren Europas vorne. Die Länder im Süden und Südosten Asiens sowie in Ostafrika und Lateinamerika belegten vornehmlich die hintersten Plätze der Größentabelle, denn dort waren die 19-Jährigen am kleinsten.

Auch hinsichtlich des Körpergewichts gab es aufschlussreiche Erkenntnisse, denn die jungen Erwachsenen der pazifischen Inseln, des Nahen Ostens, der USA und Neuseelands zeigten den höchsten Körpermassenindex (BMI), während bei solchen aus den südasiatischen Staaten die geringsten BMI-Werte gemessen wurden. Der Durchschnitt der Kinder in den „reichsten“ Ländergruppen brachte im Extremfall circa 25 Kilogramm mehr Körpergewicht auf die Waage als der der „ärmeren“ Länder.

Interessanterweise entwickelten sich die großen Unterschiede bezüglich Körpergröße und Körpergewicht in einigen Ländern erst ab dem Schulalter von sechs Jahren. Zuvor zeigten die Kinder eine gesunde Entwicklung. Die Studienverantwortlichen schlussfolgern daraus, dass vor allem Schulkinder hinsichtlich einer ausgewogenen Ernährung mehr Unterstützung benötigen.

Demnach müssten in den Schuleinrichtungen mehr nahrhafte Lebensmittel, beispielsweise mit Hilfe von staatlich geförderten Essensgutscheinen und speziellen Ernährungsprogrammen, verfügbar sein. Auf der anderen Seite seien ernährungspädagogische Programme für die Eltern und Heranwachsenden der einkommensstärkeren Länder wichtig, um das andere Problem, nämlich das der vielen übergewichtigen Kinder, in den Griff zu bekommen.

Height and body-mass index trajectories of school-aged children and adolescents from 1985 to 2019 in 200 countries and territories: a pooled analysis of 2181 population-based studies with 65 million participants
Lancet 11/2020; 396: 1511–24.

Wie die Deutsche Hochdruckliga berichtet, wirkt sich ein Bluthochdruck, der nicht entsprechend therapiert wird, besonders nachteilig auf den Verlauf einer COVID-19-Erkrankung aus. Betroffene haben demnach ein erhöhtes Risiko, dass das Virus bei ihnen zu einem schweren Krankheitsverlauf führt.

Diese Aussage ist vor dem Hintergrund besorgniserregend, dass hierzulande etwa 33 % der Erwachsenen und sogar fast 50 % der Erwachsenen ab 60 Jahren von zu hohen Blutdruckwerten betroffen sind. Eine aktuelle Studie lässt nun den Schluss zu, dass diese Betroffenen allein aufgrund ihres Bluthochdrucks zur Risikogruppe gehören, sofern sie nichts mit Hilfe entsprechender Medikamente dagegen tun. 

Durch Abstriche bei Betroffenen und Nichtbetroffenen einer COVID-19-Erkrankung konnte dargelegt werden, dass bei Patienten einer arteriellen Hypertonie die immunologischen Entzündungsreaktionen ausgeprägter waren als bei den Nicht-Bluthochdruckpatienten. Dieses hat bei den Hypertonikern zur Folge, dass der Körper länger und intensiver gegen das Virus zu kämpfen hat, und dementsprechend das Risiko einer schweren Atemwegsinfektion stark erhöht ist.

Die Wissenschaftler kamen zu einem weiteren wichtigen Ergebnis, denn offensichtlich führte eine Therapie des Bluthochdrucks beispielsweise mit Hilfe der gängigen ACE-Hemmer nachweislich dazu, dass das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs eingedämmt werden konnte und nur wenig größer war als das der Menschen mit gesunden Blutdruckwerten.

Vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse ist es den Forschern besonders wichtig darauf hinzuweisen, dass aufgrund der aktuellen Corona-Pandemie ein möglicher Bluthochdruck nicht nur erkannt, sondern auch adäquat behandelt werden muss.

Trump, S. eta al.
Hypertension delays viral clearance and exacerbates airway hyperinflammation in patients with COVID-19.
Nature 12/2020

Die Atmung eines Menschen im Schlaf sagt viel über seinen Gesundheitszustand aus. Weicht die Atmungsfrequenz vom Normalwert von 12- bis 18-mal pro Minute stark ab, so kann das ein Hinweis auf gesundheitliche Beeinträchtigungen sein. Teilweise ist diese nächtliche Atemfrequenz in Bezug auf Herzprobleme sogar aussagekräftiger als ein veränderter Herzschlag.

Um sich dieser hohen Aussagekraft der Atmung bei der Früherkennung von Erkrankungen zunutzezumachen, versuchen Wissenschaftler andere Methoden als die des herkömmlichen Schlaflabors ausfindig zu machen. So könnte die Atemfrequenz ohne den entsprechend größeren Aufwand vielleicht sogar zuhause und in Eigenregie gemessen werden.

Ein Forscherteam untersuchte bei etwa 400 Patienten, die im Schlaflabor der Charité Berlin mit den herkömmlichen Geräten unter nächtlicher Beobachtung standen, ob ein parallel angelegtes Bewegungsarmband vergleichsweise aussagekräftig ist, um den Atemrhythmus zu bestimmen. Die Messungen funktionieren ebenso wie beim Fitnessarmband, nur sind die Ergebniswerte genauer und können direkt auf eine spezielle Software übertragen werden.

Bei der Auswertung zeigte sich, dass die auf diese Weise gemessenen nächtlichen Bewegungen sehr gute Angaben zur Atemfrequenz zuließen. Sobald die Bewegungen allerdings zu intensiv wurden, ließen sich keine zuverlässigen Werte bezüglich der Atmung messen. Für die Wissenschaftler ist das Studienergebnis Beleg genug, dass die Bewegungsarmbänder in bestimmten Nachtabschnitten ideal geeignet wären, um unkompliziert aber recht zuverlässig zur Früherkennung diverser Volkskrankheiten beizutragen.

Leube, J. et al.
Reconstruction of the respiratory signal through ECG and wrist accelerometer data.
Scientific Reports 9/2020

Immer mehr Menschen verzichten auf den Verzehr von Fleisch. Eine vegetarische oder gar vegane Ernährung ist gut für das Klima und für das Wohl der Tiere. Auch der Gesundheit tut der Fleischverzicht gut, wenn man es richtig macht und auf eine ausreichende Vitalstoffversorgung achtet, damit es nicht zur Mangelversorgung kommt.

Eine Langzeitstudie aus Großbritannien kommt nun zu dem Ergebnis, dass die untersuchten Veganer möglicherweise ein um etwa 40 % erhöhtes Risiko für Knochenbrüche haben. Untersucht wurden über einen Zeitraum von etwa 18 Jahren die Ernährungsgewohnheiten und einige gesundheitliche Parameter von über 55.000 Studienteilnehmern.

Insbesondere im Bereich der Hüfte kam es nicht nur bei den Veganern, sondern auch bei den Vegetariern zu häufigeren Knochenbrüchen im Vergleich zu Menschen, die nicht auf Fleisch verzichteten. Die Verantwortlichen räumen zwar ein, dass in der Studie nicht eingehend untersucht wurde, ob die betroffenen Personen häufiger stürzten und daher die Knochenbrüche rührten. Fest steht jedoch, dass unter bestimmten Umständen bei einer fleischlosen Ernährung die Festigkeit der Knochen eingebüßt wird.

So ist es bei einer überwiegend pflanzlichen Ernährungsweise wichtig, für alternative Protein- und Kalzium-Lieferanten zu sorgen. Wichtige Eiweiße können beispielsweise durch den Verzehr von Hülsenfrüchten, Sojaspeisen, bestimmten Getreidesorten, Nüssen und Samen aufgenommen werden. Zusätzlich bieten sich bei „Nicht-Veganern“ auch Milchprodukte und Eier an.

Die Calzium-Versorgung sollte durch Alternativen wie bestimmte Kohlsorten oder Rucolasalat, Tricksenfeigen und Mandeln, Nüsse und Samen und nicht zuletzt durch calziumreiches Mineralwasser gewährleistet werden. Auch weitere wichtige Vitalstoffe wie das Vitamin D oder die Omega-3-Fettsäuren sind für einen stabilen Knochenaufbau wichtig und sollten mit der täglichen Ernährung ausreichend aufgenommen werden.

Um keine gesundheitlichen Einschränkungen zu riskieren, sollten Interessierte sich also ausreichend mit den Hintergründen einer fleischlosen Ernährung beschäftigen und für eine ausreichende alternative Nährstoffzufuhr sorgen.

Tammy Y. N. Tong et al.
Vegetarian and vegan diets and risks of total and site-specific fractures: results from the prospective EPIC-Oxford study.
BMC Med 11/2020; 18(1): 353.

Auf dem Sofa sitzen und einen Film schauen, dabei den Laptop auf dem Schoß, um zu surfen und nebenbei noch Nachrichten per Handy verschicken... Für immer mehr Menschen gehört ein derartiges Medien-Multitasking zum Alltag dazu. Doch ist das gesund oder schadet dieses intensive Medienverhalten womöglich dem Gedächtnis?

Dieser Frage gingen US-amerikanische Wissenschaftler nach und führten mit 80 jungen Erwachsenen eine Studie durch. Zum einen wurde abgefragt, wie häufig die Studienteilnehmer entsprechendes Medien-Multitasking betrieben. Zum anderen wurden verschiedene Gedächtnisübungen durchgeführt und zeitgleich die Pupillenerweiterungen und Hirnwellen mittels eines Elektroenzephalogramms gemessen. Eine eingeschränkte Gedächtnisleistung wie beispielsweise eine mögliche Unachtsamkeit oder abschweifende Gedanken lassen sich mit dieser Messmethode gut wiedergeben. In weiteren Tests wurde das Aufmerksamkeitsvermögen der Teilnehmer gemessen.

Im Ergebnis zeigte sich, dass sich das auffällige Medien-Multitasking nachteilig auf die Aufmerksamkeit und die durchgeführten Gedächtnis-Tests auswirkt. Sicherlich seien weitere Studien in diesem Zusammenhang notwendig, doch bereits jetzt liegt diese Schlussfolgerung nahe. Die Wissenschaftler weisen darauf hin, dass unsere Gedächtnisleistung insbesondere davon abhänge, wie stark wir unsere Aufmerksamkeit auf ein Ziel fokussieren können und wie wenig wir uns von anderen Faktoren und Einflüssen ablenken lassen.

Unser Gedächtnis ist demnach besonders auf eine zielgerichtete Informationsverarbeitung angewiesen, um gut funktionieren zu können. Diese Grundvoraussetzung scheint beim Media-Multitasking wohl eher nicht gegeben zu sein.

Madore, C. et al.
Memory failure predicted by attention lapsing and media multitasking
Nature 10/2020; 587: 87–91

Schon lange wird das Leben oder der häufige Aufenthalt auf einem Bauernhof insbesondere für Kleinkinder mit Asthmarisiko empfohlen. Es ist erwiesen, dass Kinder vom Bauernhof ein geringeres Asthmarisiko haben als solche, deren Leben nicht vornehmlich zwischen den Tieren und Feldern stattfindet.


Ein Forscherteam in München ist der Frage nachgegangen, welche speziellen Mechanismen hinter dieser Schutzwirkung stehen. Sie untersuchten Stuhlproben von über 700 Kindern im Alter von zwei Monaten bis einem Jahr, die auf einem Bauernhof lebten. Sie setzten ihr Augenmerk somit auf die Zusammensetzung der Darmflora der Kleinen.


Da der Darm unser wichtigstes Immunorgan ist, kommt es maßgeblich darauf an, welche speziellen Bakterien angesiedelt sind. Insbesondere im ersten Lebensjahr reift dieses wichtige Darm-Mikrobiom heran und wird wichtiger Begleiter im gesamten Leben. Bei der Auswertung der Proben ergab sich, dass die bauernhofspezifischen Einflüsse wie beispielsweise der häufige Kontakt mit Tieren und deren Umfeld dazu führt, dass sich die Darmflora der Kleinkinder vorteilhafter entwickelt und deren Reifungsprozess effektiver ist.


Auf diese Weise wird eine bessere Voraussetzung für ein gut funktionierendes Immunsystems gegeben und damit ein gewünschter Schutzeffekt vor Asthma gefördert. Die Wissenschaftler geben zwar auch die Ernährung wie beispielsweise das Stillen des Nachwuchses als wichtigen Einflussfaktor für den Aufbau einer immunstarken Darmflora an, doch scheint die Umwelt, in der die Kleinkinder aufwachsen, mindestens ebenso einflussreich zu sein.
Im Rahmen der Studie konnten zudem vermehrt solche Bakterien im Stuhl der Bauernhof-Kleinkinder nachgewiesen werden, die aufgrund ihrer Produktion einer wichtigen Fettsäure den Schutz vor Asthma erhöhen könnten. Es zeigt sich somit wieder einmal, wie wichtig eine gesunde Darmflora für die allgemeine Gesundheit ist, und dass insbesondere im ersten Lebensjahr durch entsprechende Strategien auf deren gute Ausreifung geachtet werden sollte.
Depner, M. et al.


Maturation of the gut microbiome during the first year of life contributes to the protective farm effect on childhood asthma
Nature Medicine 11/2020

Bei einer Diabetes-Erkrankung ist es besonders wichtig, die Therapie- und Lebensstilempfehlungen umzusetzen, ansonsten könnten die Betroffenen einen Teil ihrer kostbaren Lebenszeit einbüßen. Zu diesem Ergebnis kamen Wissenschaftler der Universität in Manchester. Demnach kann ein Typ-1-Diabetes sieben bis achte Lebensjahre kosten, sofern der Stoffwechsel nicht durch entsprechende Maßnahmen unter Kontrolle gehalten wird.

Beim Typ-2-Diabetes können die Patienten bis zu zwei Lebensjahre verlieren. Eine Therapienachlässigkeit der Betroffenen wirkt sich folglich nachweislich negativ auf die verbleibenden Lebensjahre aus. Die Forscher werteten die Daten von nationalen Sterberegistern sowie die des Nationalen Diabetes-Audits des Jahres 2015 aus, um Aufschluss über die Mortalitätsrate von Diabetikern zu erhalten.

Diese Zahlen wurden mit den Sterbedaten von vergleichbaren „gesunden“ Personen in Bezug gesetzt, um die Anzahl der Lebensjahre zu errechnen, die Diabetiker infolge ihrer Erkrankung verloren haben. Im Ergebnis zeigte sich, dass die Sterberate beider Diabetes-Gruppen in Summe um etwa 32 % höher lag als die der Bevölkerungsgruppe ohne einen Diabetes.
Für einen fast 43-jährigen Mann mit Diabetes Typ 1 wurde beispielsweise eine weitere Lebenserwartung von etwa 33 Jahren errechnet, während ein gleichaltriger Nichtdiabetiker mit weiteren 40 Lebensjahren zu rechnen habe. Umgerechnet bedeutet dies, dass ein Diabetiker des Typs 1 von 7,6 weniger Lebensjahren ausgehen muss im Vergleich zu Nicht-Diabetikern. Beim Typ-2-Diabetiker reduzieren sich die zu erwartenden Restlebensjahre um durchschnittlich 1,7 Jahre im Vergleich zu den Nicht-Diabetikern.
Ausschlaggebend für diese alarmierenden Zahlen waren wohl die nachgewiesenen schlecht eingestellten Blutzuckerspiegel der betroffenen Patienten, die eigentlich aufgrund der Therapieempfehlungen besser sein könnten. Demnach haben es viele Diabetiker selbst in ihrer Hand, ob die Erkrankung lebensverkürzende Ausmaße annimmt, indem sie sich strikter an die Therapieempfehlungen halten und zusätzlich ihren Lebensstil entsprechend verändern. Therapiemuffel müssen also laut Studienergebnis nachweislich mit einer Lebensjahr-Einbuße zahlen.

Heald, A et al.
Estimating life years lost to diabetes: outcomes from analysis of National Diabetes Audit and Office of National Statistics data.
Cardiovascular Endocrinology & Metabolism 6/2020

In den vergangenen Monaten haben viele von uns zu spüren bekommen, wie ungünstig es teilweise ist, den beruflichen Alltag vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie mit dem Familienleben optimal zu vereinbaren. Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) berichtet, dass bei entsprechenden Arbeitsmodellen und beruflichen Überlastungen unzureichender Schlaf nahezu vorgegeben ist. Der Ruf nach weniger beruflicher Überlastung durch beispielsweise variierende Arbeitszeitmodelle wird daher auch seitens der Schlafwissenschaftler immer lauter.


Ansonsten geraten die Betroffenen schnell in einen Teufelskreis: Wer wenig schläft, ist körperlich und geistig nicht fit, macht Fehler und gleitet möglicherweise ab in ein Stimmungstief. Die Ergebnisse im Job sind dadurch ineffektiver und die Betroffenen geraten immer mehr unter Druck, was wiederum eine schlechte Schlafqualität zur Folge hat.


Die berufliche Überbelastung sei demnach mehr denn je eine ernst zu nehmende Ursache für schlechten Schlaf. Nicht zuletzt fordere auch die zunehmende Digitalisierung körperliche Ressourcen zu teilweise unmöglichen Tageszeiten ab, die häufig nicht zum natürlichen physiologischen Tagesrhythmus der Arbeitnehmer passe, so die DGSM. Schlafstörungen seien nicht selten die Folge.


Neben neuartigen Arbeitszeitmodellen sollte zusätzlich von den Arbeitnehmern auf zwischenzeitliche Erholungsphasen geachtet werden, in denen zum Beispiel kurze Entspannungsübungen oder eine einfache Auszeit den Druck nehmen können.


Auf unnötige Lichtbelästigungen zu Nachtzeiten und auf eine ausgewogene nährstoffreiche Ernährung sei ebenfalls zu achten, um die innere Uhr möglichst im Gleichgewicht zu halten und damit besser gegen den Alltagsstress gewappnet zu sein. Es gibt viele Ansatzpunkte, um einen besseren Schlaf garantieren zu können, aktuell scheint aber die veränderte und angehobene berufliche Belastung ein wichtiger Verursacher für Schlafmangel zu sein.
Bei schlechtem und zu kurzem Schlaf sollte man immer auf eine berufliche Überlastung schauen


Pressemitteilung DGSM 9/2020

Coronabedingt kennen wir alle mittlerweile den Begriff „Aerosole“, die kleinsten Tröpfchen in unserem Atem, die durch den Raum fliegen und möglicherweise Überträger des Virus sein können. Jetzt gerade im Herbst stellt sich die Frage, wie sich die Aerosole bei trockener Raumluft verhalten. Sicher ist, dass sie sich draußen an der frischen Luft schnell verteilen und somit das Risiko einer möglichen Ansteckung unter freiem Himmel um das 18-Fache reduziert ist.

Deutsche und indische Wissenschaftler untersuchten vor diesem Hintergrund, welchen Einfluss die Luftfeuchtigkeit auf das Verhalten der Aerosole hat. Sie stützten ihre Untersuchungen auf zehn Studien, die sich bereits mit dieser Thematik befasst haben, und kamen zu dem Ergebnis, dass eine geringe Luftfeuchtigkeit zwar zu einer schnelleren Austrocknung der kleinen Atemtröpfchen führt, dieses aber nicht unbedingt zu einer Eindämmung der Viren führt.

Die Forscher beobachteten nämlich, dass sich die Viren bei trockener Luft, das heißt bei einer Luftfeuchtigkeit von weniger als 40 %, noch ungünstiger ausbreiten als bei hoher Luftfeuchtigkeit. Das liegt zum einen daran, dass die infizierten Tröpfchen zwar kleiner, aber auch leichter werden und sich damit weiter im Raum verbreiten könnten. Zum anderen beeinträchtigt eine trockene Luft den Abwehrmechanismus unserer Nasenschleimhäute und die Viren haben es leichter, diesen natürlichen Schutz zu passieren.
Im Gegenzug dazu nehmen die kleinen Atemtröpfchen bei einer hohen Luftfeuchtigkeit zusätzlich Wasser aus der Luft auf. Damit werden sie schwerer und sinken hinab auf den Boden, wo sie nicht so leicht eingeatmet werden.

Ahlawat, A. et al.
An Overview on the Role of Relative Humidity in Airborne Transmission of SARS-CoV-2 in Indoor Environments.
Aerosol Air Qual. Res. 7/2020; 20: 1856–1861.

Es ist nicht neu, dass Antibiotika nachteilige Nebenwirkungen für die Darmgesundheit, insbesondere für die Darmflora, haben können. Wie eine aktuelle Studie berichtet, könnte eine häufige Einnahme dieser Medikamentengruppe dafür mitverantwortlich sein, dass die Zahl der chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) so hoch ist.

 

Hierzulande sind etwa 320.000 Menschen von einer derartigen Darmerkrankung betroffen, wozu beispielsweise Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa gehören. Charakteristika sind dauerhafte oder phasenweise Entzündungen der Darmschleimhaut, welche sich unter anderem durch Bauchschmerzen oder Durchfall bemerkbar machen. Neben einer entsprechenden erblichen Vorbelastung, einer unausgewogenen Ernährung oder Nikotingenuss (Tabakkonsum) stehen nun auch Antibiotika als mögliche Verursacher im Visier der Wissenschaftler.


Ein schwedisches Forscherteam hatte die Daten von fast 24.000 Betroffenen einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung näher unter die Lupe genommen. Besonderes Augenmerk wurde dabei auch auf eine mögliche Einnahme von Antibiotika gelegt. Im Vergleich dazu wurden entsprechende Daten von fast 120.000 darmgesunden Menschen, unter anderem auch Geschwister der ersten Personengruppe herangezogen.


Im Ergebnis zeigte sich, dass die Studienteilnehmer mit einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung im Gegensatz zur gesunden Teilnehmergruppe in den Zeiten zuvor beinahe doppelt so häufig Antibiotika eingenommen hatten. Je zahlreicher demnach Antibiotika verschrieben wurden, desto höher war das Risiko, eine chronisch-entzündliche Darmkrankheit zu entwickeln.

Interessanterweise scheint sich die Einnahme von Breitbandantibiotika, also solche Medikamente, die gegen ein breites Spektrum an Bakterien aufgestellt sind, besonders nachteilig auf die Darmgesundheit auszuwirken.


Nguyen, L.H. et al:
Antibiotic use and the development of inflammatory bowel disease: a national case-control study in Sweden
The Lancet Gastroenterology & Hepatology 8/2020

Wechseljahresbeschwerden zeigen sich bei vielen Frauen durch Hitzewallungen. Es wird angenommen, dass diese unangenehmen Schweißausbrüche auf Fehlregulierungen des vegetativen Nervensystems zurückzuführen sind.

 

Im Rahmen einer Studie wurden Untersuchungsergebnisse von über 23.000 Frauen, dessen Herz-Kreislauf-System mit Beginn der Untersuchungen gesund war, näher unter die Lupe genommen, um mögliche gesundheitliche Auswirkungen der Hitzewallungen ausfindig zu machen.

 

Bei der Auswertung der Daten zeigte sich, dass solche Frauen mit starken Hitzewallungen unter einem um mindestens 50 % erhöhten Risiko für nicht tödlich verlaufende Herz-Kreislauf-Erkrankungen litten. Das heißt, Herz-Kreislauf-Probleme wie ein Herzinfarkt, ein Schlaganfall oder weitere Krankheiten der Herzkranzgefäße traten bei diesen Frauen sehr viel häufiger auf als bei denjenigen ohne derartige Wechseljahresbeschwerden. Dabei war es unerheblich, wie oft und wie lange die Hitzewallungen jeweils andauerten. Ausschlaggebender war die Intensität dieser Beschwerden.

 

Dieser unangenehme Nebeneffekt der Wechseljahresbeschwerden begründet sich darauf, dass die Fehlregulierungen im vegetativen Nervensystem auch einen nachteiligen Effekt auf die Regulation des Blutdrucks haben kann. Sobald dieser daraus folgend zu hoch wird, erhöht sich das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Außerdem nimmt in den Wechseljahren bekanntlich der Östrogenspiegel ab, dem wiederum ein schützender Effekt für die Herzgesundheit zugesprochen wird.


Zhu, D. et al.
Vasomotor Menopausal Symptoms and Risk of Cardiovascular Disease: A pooled analysis of six prospective studies.
AJOG. 6/2020

Immer mehr Menschen leiden unter der erworbenen Diabetes-Typ-2-Erkrankung. In vielen Fällen ist ein ungesunder Lebensstil die Ursache, die zu eindeutigem Übergewicht beziehungsweise einer Adipositas geführt hat. Der normale Stoffwechsel verändert sich folglich in der Form, dass auch der Insulinstoffwechsel fehlgeleitet und die Zuckerkrankheit erworben wird.

 

Um von einer solchen Diabetes-Erkrankung wieder in einen gesunden Normalzustand zu gelangen, scheint es hilfreich zu sein, sein Übergewicht massiv um einige Kilos zu reduzieren. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie mit fast 150 Teilnehmern, die übergewichtig waren (mit einem durchschnittlichen BMI von 35kg/m2) und bereits seit mindestens zwei Jahren an einem Diabetes erkrankt waren. Viele der Studienteilnehmer wurden bereits mit Antidiabetika medikamentös eingestellt.

Über den Zeitraum von einem Jahr wurde bei der Hälfte von ihnen das Körpergewicht drastisch reduziert, sie nahmen im Schnitt 12 kg pro Jahr mithilfe von speziellen Diätmaßnahmen ab. Die Kontrollgruppe wurde entsprechend vorgegebener Leitlinien behandelt und verlor am Ende jährlich durchschnittlich 4 kg an Körpergewicht.


Nach Untersuchung der Stoffwechselparameter konnten die Studienverantwortlichen feststellen, dass am Ende der Studie über 30 % der ersten Gruppe einen normalen Stoffwechsel zurückerlangt hatte und nicht mehr unter einer Diabetes-Erkrankung litt. Bei der Kontrollgruppe schafften es lediglich 4 %. Eine radikale Ernährungsumstellung unter ärztlicher Anleitung, die zu einer Gewichtsreduzierung um mindestens 10 kg führt, garantiert den betroffenen demnach eine um 50 % erhöhte Chance, ihren gesunden Blutzuckerspiegel wiederzuerlangen und damit ihren Diabetes wieder loszuwerden.


Taheri, S. et al.
Effect of intensive lifestyle intervention on bodyweight and glycaemia in early type 2 diabetes (DIADEM-I): an open-label, parallel-group, randomised controlled trial
Lancet 6/2020; 8: 477-489

Jeder fünfte Deutsche ist von Bluthochdruck, von erhöhten Werten der Blutfette und des Blutzuckers sowie von Übergewicht im Bereich des Bauchs betroffen. Bei einer Kombination dieser vier Gesundheitsrisiken spricht man von einem „Metabolischen Syndrom“. Diese weitverbreitete Zivilisationskrankheit ist hauptverantwortlich für Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems und lässt das Herzinfarkt- sowie das Schlaganfall-Risiko um das Doppelte bis Dreifache ansteigen.

Das Ergebnis einer international angelegten Ernährungsstudie mit über 150.000 Teilnehmern aus 21 Ländern kam jetzt zu dem Schluss, dass der Konsum von Milchprodukten möglicherweise vor dem metabolischen Syndrom und seinen negativen Folgen schützen könnte.

Etwa 40% der Studienteilnehmer waren von einem metabolischen Syndrom betroffen. Alle füllten ein Ernährungsprotokoll aus, um mögliche Rückschlüsse des Ernährungsverhaltens auf die Entstehung des metabolischen Syndroms ziehen zu können. Bereits schnell zeigte sich, dass dessen Betroffenheit auch davon abhing, wie viel Milchprodukte auf dem Speiseplan standen.

Ein täglicher Verzehr von zwei Portionen Milchprodukte, wie beispielsweise ein Glas Milch und ein 244 g-Joghurt oder eine 15 g-Scheibe Käse und ein Teelöffel Butter, reduzierten das Risiko für das Syndrom um 24 %. Interessanterweise scheint es dabei wichtig zu sein, auf vollfette Milchprodukte zurückzugreifen, so die Forscher.

Weitere Untersuchungsergebnisse legen den Schluss nahe, dass sich der Milchproduktkonsum auch direkt auf die Entstehung der Einzelkomponenten wie Bluthochdruck und erhöhte Blutzuckerwerte, also Diabetes, auswirken könnte. Personen, die diesbezüglich ursprünglich gesunde Werte hatten, entwickelten im Studienverlauf von neun Jahren erhöhte Blutdruck- und Blutzuckerwerte.

Sofern die Teilnehmer in diesem Zeitraum jedoch die zwei Portionen Milchprodukte verzehrten, verringerte sich das Erkrankungsrisiko um 11 bzw. 12 % im Vergleich zu Studienteilnehmern ohne Milchprodukte-Verzehr. Um Schlüsse für mögliche Vorsorgemaßnahmen gegen die steigende Rate an Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch einen entsprechenden Milchverzehr ziehen zu können, stehen weitere großangelegte Studie an.

Bhavadharini, B. et al.
Association of dairy consumption with metabolic syndrome, hypertension and diabetes in 147 812 individuals from 21 countries.
BMJ 5/2020

Wie das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) berichtet, wird jede fünfte Krebsneuerkrankung hierzulande durch das Rauchen von Tabak verursacht. Zwar ist die Anzahl der Raucher rückläufig, im internationalen Vergleich ist ihre Rate in Deutschland allerdings noch mit 26,4 % bei den Männern und 18,6 % bei den Frauen sehr hoch.

Auch sieht es bei uns hinsichtlich der Tabakkontrollmaßnahmen und eines längst überfälligen Werbeverbotes vergleichsweise schlecht aus, so dass immer noch viel zu viele Menschen in Deutschland tabakbedingt an Krebs erkranken. Laut Aussagen des DKFZs könnten drei wichtige Maßnahmen helfen, um viele Krebsfälle zu vermeiden.

Mit Hilfe von Modellrechnungen gelang den Forschern eine interessante, wegweisende Prognose:
Würde die derzeitige, lückenhafte Tabakkontrollpolitik so weiterlaufen wie bisher, gäbe es für 2050 eine Raucherquote von 14,8 (für die Männer) und von 10,2 (für die Frauen). Sollte es jedoch gelingen, den Tabakkonsum durch die drei Maßnahmen wie „jährliche Steuererhöhungen um 10 % über einen Zeitraum von zehn Jahren“, „ein umfassendes Tabakwerbeverbot“ sowie „eine einheitliche neutrale Verpackung für alle Zigarettenmarken“ zu reduzieren, so läge die Raucherquote in 30 Jahren nur noch bei 9,7 beziehungsweise 6,7 %!

Aus diesen Zahlen ließ sich weiterhin errechnen, dass es im Jahr 2050 bei den Männern 14 % und bei den Frauen 12 % weniger Krebsfälle geben würde, die durch Tabakgenuss verursacht sind. Auf Personenzahlen in Deutschland bezogen bedeutet das, dass die genannten drei Maßnahmen über eine Million Menschen innerhalb der nächsten 30 Jahre vor einer Krebserkrankung schützen könnten.

Zudem weisen die Studienverantwortlichen darauf hin, dass eine entsprechende Tabakkonsum-Reduzierung selbstverständlich einen weiteren sehr positiven Effekt auf zahlreiche andere Erkrankungen haben würde, die ebenso durch das Rauchen verursacht werden.

Gredner, T. et al.
Impact of tobacco control policies on smoking-related cancer incidence in Germany 2020 to 2050 – a simulation study Cancer Epidemiology 2020.
Biomarkers & Prevention 5/2020

Zahngesundheit

Die Ohrakupunktur ist eine alternative medizinische Methode, die ihren Ursprung unter anderem in der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) hat.

Speziell die Akupunkturtechnik (Synonym: Auriculotherapie) des Ohres wurde durch den französischen Arzt Dr. Paul Nogier etabliert. Er entdeckte das sogenannte Ohrsomatotop, das in Form eines auf dem Kopf stehenden Embryos den Elementen des menschlichen Körpers jeweils ein Äquivalent auf dem äußeren Ohr zuordnet. Dabei befindet sich zum Beispiel der Kopf am Ohrläppchen während die Wirbelsäule mit der Anthelix (Teil der Ohrmuschel) korrespondiert.

Bei Nogiers Auriculo-Therapie handelt es sich sowohl um ein therapeutisches als auch um ein diagnostisches Konzept. Seine ersten Erfahrungen sammelte er, indem er im Bereich der Anthelix (diejenige Windung beim äußeren Ohr, die dem Rand der Ohrmuschel (Helix) gegenüberliegt) sensible Punkte bei Beschwerden bzw. Schmerzen im Rahmen einer Lumboischialgie (lumbosakrales Wurzelreizsyndrom, bei dem Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule und im Versorgungsbereich des Nervus ischiadicus auftreten) mithilfe von Akupunktur mit Erfolg behandelte.

Die Ohrakupunktur erfreut sich besonderer Beliebtheit, da die Akupunkturpunkte gut zugänglich sind und auch Regionen, die durch eine Verletzung nicht zugängig sind, therapiert werden können. Der folgende Text gibt einen kurzen Überblick zur Verfahrenstechnik der Ohrakupunktur und ihren theoretischen Hintergründen.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

In der Zahnheilkunde wird die Ohrakupunktur sowohl für diagnostische als auch therapeutische Zwecke eingesetzt.

In der Diagnostik:

  • Auffinden von Herden
  • Feststellung von Allergien
  • Testung von Medikamenten

In der Therapie:

  • Analgesie (Schmerzlinderung)
  • Sedierend (Entspannung)
  • Anxiolytisch (Angstlinderung)
  • Heilungsförderung

Unter Interdentalraumhygiene versteht man Mundhygienetechniken, die auf die schwerer zu reinigenden Interdentalräume (Approximalräume, Zahnzwischenräume) abgestimmt sind, welche von der elektrischen oder Handzahnbürste nicht erfasst werden.

Um die Zähne lebenslang gesund und frei von Karies und Zahnfleischerkrankungen zu halten, sind die wesentlichen Faktoren einer optimalen Basis-Mundhygiene zunächst einmal:

  • zweimal täglich die Verwendung einer fluoridhaltigen Zahnpaste
  • die Wahl einer effizienten Zahnbürste
  • die richtige Anwendung einer effizienten Putztechnik im gesamten Gebiss, also auch an schwer zugänglichen Stellen wie den Zahnzwischenräumen und den Bereichen hinter den letzten Molaren (den großen Backenzähnen).

Im individuellen Fall reichen diese Basismaßnahmen meist nicht aus. Um der Entstehung von Approximalraumkaries (Zahnzwischenraumkaries) und parodontalen Taschen (krankhaft entzündeten Zahnfleischtaschen mit Knochenabbau) effektiv vorzubeugen, muss die Basishygiene um zusätzliche Hilfsmittel für die Interdentalraumhygiene erweitert werden.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

Der Einsatz von Mundhygienehilfsmitteln zur Ergänzung der Basismaßnahmen empfiehlt sich immer dann, wenn die Zähne ohne Lücken stehen. Da der Zahnbogen üblicherweise ohne Lücken ausgeformt ist, bedeutet dies, dass die überwiegende Mehrzahl der Menschen täglich zu Hilfsmitteln greifen sollte, die die Effektivität der Interdentalhygiene (Zahnzwischenraumhygiene) steigern.

Die moderne Phytotherapie (griech. phyton: Pflanze; therapeia: Pflege) beinhaltet die Prävention (Vorbeugung) und Behandlung von Erkrankungen sowie Befindensstörungen durch Verabreichung von Pflanzen bzw. deren Bestandteilen (z. B. Blüten, Blätter, Wurzeln, Früchte und Samen). Diese Pflanzen werden auch als Heilpflanzen bezeichnet. Man unterscheidet die rationale Phytotherapie (basiert auf naturwissenschaftlichen Erkenntnissen) von der Traditionellen Phytotherapie. Die traditionelle Pflanzenheilkunde gehört zu den ältesten medizinischen Systemen und umfasst zum Beispiel die chinesische oder die indisch-ayurvedische Medizin.

Sogenannte Phytotherapeutika oder auch Phytopharmaka unterscheiden sich von normalen schulmedizinischen Arzneimitteln. Die verwendeten Pflanzen werden in ihrer Gesamtheit als Stoffgemisch betrachtet, da sie nur so die gewünschte Wirkung entfalten. Isolierte Pflanzeninhaltsstoffe, die meist chemisch hergestellt werden, sind keine Phytopharmaka (z. B. Atropin oder Digitoxin). Die Phytotherapie ist keine "Alternative Medizin" und sie ist klar von der Homöopathie abzugrenzen. Je mehr pflanzliche Wirkstoffe gegeben werden, desto stärker ist die Wirkung. Bei der Homöopathie verhält es sich umgekehrt.

Phytotherapeutika werden meist bei leichten oder chronischen Erkrankungen angewendet. Die traditionelle Phytotherapie eignet sich auch für die Selbstanwendung durch den Patienten. Die Therapie ist nicht für die Behandlung von schweren Erkrankungen (insbesondere Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus) oder in Notfallsituationen geeignet. Die Möglichkeiten in der Anwendung der phytotherapeutischen Wirkstoffgemische sind sehr groß. Jede Pflanze besitzt ihre individuelle Heilkraft und kann in Kombination mit anderen Pflanzen verwendet werden. Die Phytotherapie zeichnet sich durch hohe Verträglichkeit und wenige Nebenwirkungen aus.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

In der Zahnheilkunde wird die Phytotherapie bevorzugt zur Behandlung von Erkrankungen des Mundes und des Rachens angewendet, meist in Form von Spülungen oder Lösungen.

Mit den unterschiedlichen Pflanzen lassen sich sowohl Viren als auch Bakterien wirkungsvoll bekämpfen.

Schmerzen können gelindert und Schwellungen zum Abklingen gebracht werden.


Einige Bespiele für Erkrankungen und Probleme, die phytotherapeutisch behandelt werden können, sind unter anderem:

  • Gingivitis (Zahnfleischentzündung)
  • Tonsillitis (Mandelentzündung)
  • Pharyngitis (Rachenentzündung)
  • Zahnschmerzen
  • Zahnfleischbluten

Bei einem Keramik-Inlay (Synonyme: Ceramikinlay; Keramikinlay;) handelt es sich um eine zahnfarbene, indirekt (außerhalb des Mundes) hergestellte Zahnfüllung, für die der zu versorgende Zahn in einer bestimmten Technik präpariert (beschliffen) wird und die mit speziellen, auf das keramische Material und die Zahnhartsubstanzen abgestimmten Materialien adhäsiv (durch Verklammerung in mikroskopisch feinen Poren) befestigt wird.

Die räumliche Ausdehnung eines Inlays ist in seltenen Fällen nur auf den Okklusalbereich (Kauflächenbereich) mit seinen Fissuren (Grübchen im Kauflächenrelief der Seitenzähne) begrenzt; in der Regel umfasst das Inlay zusätzlich einen oder beide Approximalraumflächen (den Nachbarzähnen zugewandte Zahnzwischenraumflächen).

Keramik besteht aus Quarzkristallen, die in eine Matrix (Basismasse) aus Feldspat eingebunden sind. Das Keramik-Inlay ist im Vergleich zum Kunststoff-Inlay zu sehen. Bis auf wenige Ausnahmen findet das Keramikmaterial häufiger Anwendung, u.a. weil es biologisch inert (reaktionsträge) ist und somit einen deutlichen Vorteil gegenüber dem Kunststoffmaterial aufweist, auf das sich Überempfindlichkeitsreaktionen entwickeln können. Allerdings werden auch Keramik-Inlays in aller Regel mit Befestigungsmaterial auf Kunststoffbasis adhäsiv mit dem Zahn verbunden, sodass man den Einsatz von Kunststoff nur quantitativ deutlich reduzieren kann.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

Die Indikationen zum Keramik-Inlay ergeben sich aus:

  • dem Wunsch des Patienten nach zahnfarbener, dauerhafter Ästhetik;
  • dem Zerstörungsgrad des zu versorgenden Zahns. Während bei kleineren bis mittleren Defekten das Legen einer direkten Füllung z. B. aus Komposit sinnvoll ist, um nicht unnötig Zahnsubstanz der Präparationstechnik (Beschleiftechnik) eines Inlays zu opfern, ist bei mittleren bis großen Defekten die Versorgung mit einem Inlay das Mittel der Wahl, wobei die Versorgung mit einem Keramik-Inlay einen größeren Zeitaufwand und erhebliche finanzielle Mehrkosten für den Patienten mit sich bringt und deshalb zuweilen Kompromisse zugunsten einer direkten Füllung eingegangen werden müssen;
  • einer nachgewiesenen Amalgamunverträglichkeit;
  • einer – sehr seltenen – nachgewiesenen Goldunverträglichkeit, die die Versorgung mit einem Goldguss-Inlay verbietet;
  • der Notwendigkeit, einen Seitenzahn zu versorgen. Schneide- und Eckzähne werden in aller Regel nicht mit Inlays versorgt.

Bei der transdentalen Fixation (Synonyme: Transfixation, endodontale Schienung) handelt es sich um ein operatives Verfahren der zahnärztlichen Chirurgie, das in speziellen Fällen dem Erhalt eines gelockerten Zahnes dient. Dabei wird ein Stift in die Zahnwurzel eingebracht, der über die Wurzelspitze des Zahnes hinausragt. Der Stift wird so im um die Wurzelspitze befindlichen Knochen verankert, die Zahnlockerung wird reduziert.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

Durch die künstliche Verlängerung der Zahnwurzel transdental (über die natürliche Wurzelspitze hinaus) kommt es bei einem gelockerten Zahn zu günstigeren Hebelverhältnissen zwischen Zahnkrone und Zahnwurzel. Ursachen für die Zahnlockerung können sein:

  • Parodontitis marginalis (Entzündung der oberen (Zahnhals nahen) Anteile des Zahnbetts mit weit fortgeschrittenem Abbau des den Zahn umgebenden Knochens: Zahnfleisch, Zahnwurzelhaut, Wurzelzement, Zahnfachknochen)
  • Parodontitis apicalis (Entzündung im Bereich der Wurzelspitze)
  • Wurzelquerfraktur (Wurzelquerbruch)

In allen Fällen ist die transdentale Fixation nicht die alleinige notwendige Therapie für den Erhalt des gelockerten Zahnes: im ersten Fall muss die marginale Parodontitis chirurgisch und durch häusliche Hygienemaßnahmen zur Ausheilung gebracht werden. Die apikale Parodontitis (Entzündung des Parodonts (Zahnhalteapparat) genau unterhalb der Zahnwurzel; apikal = "zahnwurzelwärts") erfordert eine Wurzelkanalbehandlung mit chirurgischer Wurzelspitzenresektion. Sollte der Bruchspalt einer quer frakturierten Wurzel sich im wurzelspitzennahen Drittel befinden, so wird dieser Anteil chirurgisch entfernt.

Die Mundakupunktur nach Gleditsch ist ein therapeutisches und diagnostisches Verfahren, das von dem deutschen Arzt und Akupunkteur J. M. Gleditsch etabliert wurde. Die traditionelle Akupunktur (lat. acus: Nadel; pungere: stechen) ist ein alternativ-medizinisches Verfahren, das sich von der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) ableitet. Es basiert auf der Annahme, dass durch das sanfte Einstechen feiner Nadeln die Dynamik des Energiesystems, die sogenannten Meridiane, zu Gunsten der Heilung beeinflusst werden kann.

Gleditsch entdeckte während seiner Studien an seinen Patienten, die er als Zahnarzt und Hals-Nasen-Ohren-Arzt behandelte, das sogenannte Somatotop der Mundhöhle. Als Somatotop wird hier die örtliche Projektion des Körpers und seiner Organe auf die Mundhöhle bezeichnet. Das Somatotop der Mundhöhle wird ebenso wie das Ohrsomatotop (Ohrakupunktur, Auricolotherapie) auch als Mikrosystem bezeichnet. Dies bedeutet, dass z. B. die Wirbelsäule des Patienten sich in speziellen Punkten (Mundakupunkturpunkte) einer bestimmen Region der Mundhöhle widerspiegelt. Dieser Zusammenhang ermöglicht eine therapeutische Behandlung z. B. einer erkrankten Wirbelsäule durch Stimulation der Akupunkturpunkte.

Der folgende Text stellt das Verfahren und die theoretischen Hintergründe der Mundakupunktur im Überblick dar.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

  • chronische Parodontitis (bakterielle Entzündung des Zahnhalteapparates/Parodont) – zur Stabilisierung der Schleimhautfunktionen
  • chronische Gingivitis (Zahnfleischentzündung) – zur Stabilisierung der Schleimhautfunktionen
  • Halbseitenkopfschmerz
  • Infektanfälligkeit
  • Migräne
  • psychosomatische Beschwerden
  • Spannungskopfschmerz
  • Trigeminusneuralgie – Schmerzen, die vom Nervus trigeminus (großer Gesichtsnerv) ausgehen
  • Schmerzen und Beschwerden im Bereich:
    • HWS (Halswirbelsäule)
    • BWS (Brustwirbelsäule)
    • LWS (Lendenwirbelsäule)
    • Iliosakralgelenk (ISG; Kreuzdarmbeingelenk)
    • Hüft-, Knie-, Sprung-, Schulter- und Ellenbogengelenk
    • Kiefergelenk

Ein Tetracyclinfaden ist ein mit dem Antibiotikum Tetracyclin getränkter Faden zur lokalen Anwendung in den Parodontaltaschen (Zahnfleischtaschen, die von bakterieller Plaque besiedelt sind). Tetracyclin ist ein Breitbandantibiotikum, welches von Streptomyceten (Streptomyces aureofaciens) produziert wird und gegen zahlreiche bakterielle Infektionen eingesetzt wird. Die Fäden geben kontinuierlich für mehr als sieben Tage Tetracyclin in die erkrankte Parodontaltasche ab.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

  • Behandlung parodontaler Taschen bei Erwachsenen

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

  • Überempfindlichkeit gegenüber Tetracyclin
  • Schwangerschaft und Stillzeit

Tetracyclin verursacht bei oraler Gabe bleibende Verfärbungen an den Zähnen des Kindes und geht in die Muttermilch über. Es wird daher von der Anwendung der Fäden, obgleich nicht sicher ist, inwieweit dieser Effekt auch bei lokaler Applikation auftritt, während Schwangerschaft und Stillzeit abgeraten.

Die Zähne bis ins hohe Alter hinein vor Karies (Zahnfäule) und Parodontitis (Entzündung des Zahnhalteapparats) zu schützen ist ein realisierbares Ziel, wenn prophylaktische (vorbeugende) Maßnahmen wie eine konsequente häusliche Zahnpflege und regelmäßige professionelle Zahnreinigung (PZR) beim Zahnarzt Hand in Hand gehen.

Durch die häusliche Mundhygiene werden Bereiche wie die Interdentalräume (Zahnzwischenräume) und die retromolaren Räume (hinter den letzten Backenzähnen) deutlich schwerer erfasst als die Kau-, Außen- und Innenflächen der Zähne.

Sammelt sich aber Plaque (mikrobieller Zahnbelag) über mehrere Tage hinweg an, ist eine Gingivitis (Zahnfleischentzündung) die Folge, die bei längerem chronischen Verlauf wiederum in eine Parodontitis übergehen kann. Außerdem gefährden kariogene Bakterien in der Plaque die Zahngesundheit durch Karies.

Während eine Gingivitis durch verbesserte und ambitionierte Putztechnik wieder rückgängig gemacht werden kann, hilft dies jedoch nicht mehr weiter, wenn sich Zahnbeläge durch Einlagerung von Mineralstoffen erst einmal zu Zahnstein (oberhalb des Zahnfleischrandes) oder gar Konkrementen (Zahnstein unterhalb des Zahnfleischrandes) verfestigt haben.

Auch feste Farbauflagerungen, die beim Genuss von Kaffee, Tee, Nikotin o. ä. entstehen, sind mit der häuslichen Mundhygienetechnik nur schwer zu beseitigen. Hier setzt die professionelle Zahnreinigung (PZR) an, welche in der Zahnarztpraxis in der Regel von fortgebildetem Fachpersonal (Zahnmedizinische Prophylaxehelferin, Zahnmedizinische Fachassistentin, Dentalhygienikerin) durchgeführt wird.

Durch die Kombination von guter Zahnpflege und PZR lassen sich Karies (Zahnfäule, bakterielle Zerstörung der Zahnhartsubstanzen), Gingivitis (Zahnfleischentzündung) und Parodontitis (Zahnbettentzündung) effektiv und lebenslang verhindern.

Die professionelle Zahnreinigung (PZR) umfasst:

  • das Entfernen von weichen und harten Belägen auf dem Zahnschmelz und evtl. freiliegenden Zahnwurzeln supragingival bzw. gingival (oberhalb des bzw. im Bereich des Zahnfleischsaums)
  • die Reinigung der Interdentalräume (Zahnzwischenräume)
  • das Entfernen des Biofilms (der Plaque, der mikrobiellen Beläge)
  • die Oberflächenpolitur der Zähne
  • geeignete lokale (örtliche) Fluoridierungsmaßnahmen zum Kariesschutz
  • Schulungen/Übungen zur Mundhygiene und/oder Verwendung von Mundhygiene-Hilfsmitteln

Indikationen (Anwendungsgebiete)

Die PZR wird eingesetzt:

  • zur Entfernung von supragingivalem Zahnstein (oberhalb des Zahnfleischsaums) und Konkrementen im klinisch erreichbaren Subgingivalbereich (im oberen Bereich der Zahnfleischtasche)
  • zur Therapie einer bakteriellen Gingivitis
  • zur Entfernung aufgelagerter Zahnverfärbungen
  • bei Halitosis (Mundgeruch)
  • als Bestandteil einer parodontalen Initialbehandlung (vor weitergehenden Maßnahmen zur Behandlung einer Zahnbettentzündung)
  • zur Erhaltungstherapie nach Behandlung einer Parodontitis (Zahnbettentzündung)
  • im Rahmen eines Recalls (einer Vor- bzw. Nachsorgebehandlung)

Die Abstände eines Recalls (der Nachsorgetermine) sind für jeden Patienten individuell festzulegen und liegen in der Regel bei drei bis sechs Monaten.

Insbesondere wenn eine unterstützende Parodontaltherapie zur Langzeiterhaltung (UPT) nach einer erfolgreichen Parodontitistherapie (Behandlung einer Zahnbettentzündung,  z.B. chirurgisch oder mit der Vector®-Methode) erforderlich ist, werden engmaschige Recalls indiziert sein, um das erneute Anhaften von subgingivalen Konkrementen (Zahnstein unterhalb des Zahnfleischrandes in den Zahnfleischtaschen) von vornherein zu verhindern und im Biofilm eine Verschiebung der Keimzusammensetzung hin zu apathogenen Keimen (ohne Krankheitswert) zu begünstigen.

Bei einer Kunststoff-Teilprothese (Synonym: partielle Kunststoffprothese) handelt es sich um eine einfache, herausnehmbare partielle Prothese (Teilprothese) zum Ersatz fehlender Zähne. Ihre Nutzungsdauer ist auf die Wundheilungsphase nach einem chirurgischen Eingriff bis zur Anfertigung einer definitiven (endgültigen) Versorgung begrenzt.

In der Wundheilungsphase nach einer Zahnextraktion (Zahnentfernung) regenerieren nicht nur die den Kieferknochen bedeckenden Weichgewebe. Vielmehr wird auch die Alveole (das knöcherne Zahnfach) des extrahierten Zahnes umstrukturiert, so dass der Kieferkamm eine Formveränderung erfährt.

Es ist daher in der Regel wenig sinnvoll, unmittelbar nach einem chirurgischen Eingriff definitiven (endgültigen) Zahnersatz anzufertigen. Eine Kunststoff-Teilprothese überbrückt den für die Wundheilung notwendigen Zeitraum von etwa zwei Monaten.

In aller Regel handelt es sich bei Kunststoff-Teilprothesen also um sogenannte Interimsprothesen (von lat.: unterdessen, einstweilen). Auf Grund der kurzen Nutzungsdauer werden sie kostengünstig aus Kunststoff auf PMMA-Basis (Polymethylmethacrylat) gefertigt, wobei der Halt am Restgebiss durch von Hand gebogene Drahtklammern erreicht wird.

Anders als eine Modellgussprothese, die als definitive Versorgung geplant wird, besitzt eine Kunststoff-Teilprothese kein stabilisierendes, gegossenes Metallgerüst. Sie dient der Wiederherstellung der Kaufunktion und Ästhetik für einen begrenzten Zeitraum.

Die Kunststoff-Teilprothese ist, ohne sich auf den verbliebenen Zähnen abzustützen, eine rein mukosal bzw. gingival (auf Schleimhaut bzw. Zahnfleisch) gelagerte Versorgung, die den Kaudruck an den Kieferkamm abgibt. Dieser reagiert darauf langfristig mit Atrophie (Rückbildung des Knochens). Darüber hinaus sind die gebogenen Klammern auf Dauer wenig schonend für den Zahnhalsbereich des Klammerzahns. Aus diesen Gründen sollte die Nutzungsdauer der partiellen Kunststoffprothese nicht über Gebühr verlängert werden.

Definitionen: Interimsprothese – Immediatprothese

Nach Krankenkassenrichtlinien muss zwischen einer Interimsprothese und einer Immediatprothese (von lat.: sofort) unterschieden werden. Während es sich bei letzterer um eine sofort nach dem chirurgischen Eingriff eingesetzte endgültige Versorgung handelt, dient die Interimsprothese, wie erläutert, lediglich der zeitlichen Überbrückung.

Es ist nur in Ausnahmefällen sinnvoll, einen definitiven Zahnersatz, der etliche Jahre in Funktion bleiben soll, einzugliedern, ohne die Umstrukturierungsprozesse der Wundheilung abzuwarten. Andererseits müssen Kaufunktion und Ästhetik sichergestellt und umfangreichere Wundgebiete ggf. vor mechanischen Reizen geschützt werden. Praktikabel ist daher das Verfahren einer sofort nach dem chirurgischen Eingriff eingesetzten Interimsversorgung.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

  • Vorübergehende Wiederherstellung der Kaufunktion, Phonetik und Ästhetik nach Zahnextraktionen oder Implantatinsertion (Setzen eines Implantats)
  • Erhalten der vertikalen Kieferrelation (Abstand von Ober- zu Unterkieferbasis)
  • Verhindern von Elongationen (Herauswachsen eines Zahnes aus dem Kieferknochen bei fehlender Gegenbezahnung)
  • Verhindern von Zahnwanderungen und- kippungen
  • Schutz der Operationswunde

Der Kariesschutz durch die Anwendung von Fluoriden, so auch durch Aminfluoride, hat in der zahnärztlichen Individualprophylaxe grundlegende Bedeutung.

Fluoride sind Salze der Flusssäure (Fluorwasserstoffsäure, HF) und sind in der Natur weit verbreitet. Sie kommen im Boden und in jedem Wasser vor, dabei finden sich besonders hohe Konzentrationen in Meeren und vulkanischen Böden. Fluorid ist als Spurenelement natürlicherweise im Zahnschmelz enthalten und ist in der Schmelzbildungsphase während der Zahnentwicklung erforderlich. Die Fluoridkonzentration nimmt in der Schmelzschicht zur Zahnoberfläche hin zu.
Je höher die Fluoridkonzentration in der oberflächlichen Schmelzschicht ist, desto resistenter ist der Schmelz gegen Säureeinwirkungen aus der Nahrung oder aus dem bakteriellen Stoffwechsel. Säuren führen zur Demineralisation (Erweichung) des Schmelzes und schließlich zur Kavitation (Entstehen eines Loches).

Zur Kariesprophylaxe werden dementsprechend verschiedene Fluoride eingesetzt, die im wässrigen Mundmilieu leicht Fluoridionen freisetzen, welche in die Schmelzoberfläche durch Ionenaustausch eingelagert werden können und dort eine Härtesteigerung bewirken.

Ein Anstieg der Fluoridkonzentration findet nicht nur im Schmelz, sondern auch in der mikrobiellen Plaque (dem Zahnbelag) statt. Fluoride greifen in den bakteriellen Stoffwechsel ein, indem sie Enzyme hemmen, die für die Verstoffwechselung von Zuckermolekülen erforderlich sind. Ein Abbauprodukt des Stoffwechsels sind organische Säuren. Wird der bakterielle Stoffwechsel gestört, ist der Zahnschmelz seltener der Säureeinwirkung ausgesetzt.

Chemisch kann unterschieden werden zwischen anorganischen Fluoridverbindungen:

  • Natriummonofluorphosphat
  • Natriumfluorid
  • Zinnfluorid

und der Stoffgruppe der organischen Aminfluoride, so z. B.

  • Olaflur
  • Dectaflur
  • Hetaflur

Alle diese zum Kariesschutz eingesetzten Fluoridverbindungen wirken:

  • karieshemmend durch Störung des Plaquestoffwechsels
  • fördernd auf die Remineralisation des Zahnschmelzes (Wiedereinlagerung von Fluorid und anderen Mineralstoffen in die Schmelzoberfläche), dadurch
  • härtesteigernd durch
  • Herabsetzen der Säurelöslichkeit des Schmelzes
  • als Fluoriddepot durch Bildung einer schwer löslichen Calciumfluorid-Deckschicht an der Zahnoberfläche. Aus dieser Deckschicht geht bei Säureeinwirkung Fluorid in Lösung, das zur Remineralisation zur Verfügung steht


Aminfluoride sind Hydrofluoride von Aminen. Die Moleküle verfügen sowohl über hydrophobe (wasserabstoßende) als auch hydrophile (wasseranziehende) Komponenten und wirken dadurch Oberflächen benetzend. Durch diese Tensidwirkung (Tenside sind Substanzen, die die Oberflächenspannung einer Flüssigkeit herabsetzen bzw. als Lösungsvermittler wirken) unterscheiden sie sich grundsätzlich von den anorganischen Fluoridverbindungen:

  • Zum einen dispergieren Tenside die Plaque (den Zahnbelag) und unterstützen dadurch die Reinigungswirkung von Zahnpasten. Aminfluoridhaltige Zahnpasten benötigen keinen weiteren Tensidzusatz.
  • Zum anderen lagern sich die Aminfluoride auf Grund ihrer Tensidwirkung leicht der gereinigten Zahnoberfläche an und bilden so eine fluoridhaltige Deckschicht.
  • In vitro (unter Laborbedingungen) wurde nachgewiesen, dass Aminfluoride die bakterielle Anhaftung an das Pellikel (Schmelzoberhäutchen) etwas besser hemmen als andere Fluoridverbindungen. Diese Anlagerung aber ist für die Ausreifung einer Plaqueschicht essentiell notwendig. So besitzen Aminfluoride eine leicht plaquereduzierende Wirkung.
  • In Lösung befindliche Aminfluoride haben einen niedrigeren pH-Wert als anorganisch gebundene Fluoride, d. h. die Lösung ist leicht sauer. Was auf den ersten Blick als Nachteil erscheint – schließlich greifen Säuren den Zahnschmelz an – ist tatsächlich von Vorteil, denn in die leicht demineralisierte (entkalkte, erweichte) Schmelzoberfläche ist die Fluorideinlagerung erleichtert. Aus diesem Grunde sind auch Zahnpasten mit anorganischen Fluoriden in der Regel leicht sauer eingestellt.
  • Aminfluoride durchdringen die bakterielle Zellmembran leichter als anorganische Fluoride und führen dadurch schneller zu einer Hemmung des Bakterienstoffwechsels als anorganische Fluoride.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

Aminfluoride werden zur Kariesprophylaxe (Kariesschutz, Vorsorge gegen Zahnfäule) angewendet:

  • In der täglichen Basisprophylaxe in Form von Zahnpasten in unterschiedlicher Dosierung für Kinder unter sechs Jahren bzw. ältere Kinder und Erwachsene
  • Zur erweiterten häuslichen Prophylaxe bei erhöhtem Kariesrisiko in Form von Mundspülungen oder Gelkonzentraten
  • Im Rahmen der Individualprophylaxe in der zahnärztlichen Praxis in Form von konzentrierten Touchierungen, Gelen und Lacken

Die Raucherentwöhnung ist eine notwendige Maßnahme zur Bekämpfung der Tabakabhängigkeit. Bereits im 16. Jahrhundert wurde der Pfeifentabak durch die spanischen Eroberer nach Europa gebracht. Damals als Privileg der Reichen, heute als Produkt der Massenindustrie und verfügbar für jedermann, ist die Abhängigkeit vom Zigarettengift Nikotin eine der häufigsten Suchterkrankungen im 21. Jahrhundert.


Die Nikotinsucht ist sowohl durch eine soziale bzw. psychische Komponente als auch durch eine biologische Komponente gekennzeichnet. Das Rauchverhalten wird sozial durch Gruppenakzeptanz verstärkt, während der Nikotinkonsum neurobiologisch über präsynaptische nikotinerge Acetylcholinrezeptoren die Ausschüttung des Neurotransmitters Dopamin im mesolimbischen System (Ausschüttung der Botenstoffe im Belohnungssystem des Gehirns) erhöht.


Dies erklärt die hohe Suchtpotenz des Rauchens und die Art der Suchtentstehung. Es begründet weiterhin die Komplexität der Verfahren zur Raucherentwöhnung. Die ICD-10 (Internationale Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme der Weltgesundheitsorganisation) definiert folgende Kriterien zur Diagnose der Tabakabhängigkeit, von denen mindestens drei erfüllt sein müssen:

 

  • I – zwanghafter Tabakkonsum
  • II – Toleranzentwicklung (Steigerung des Konsums, um Befriedigung zu erreichen)
  • III – körperliche Entzugssymptome bei Abstinenz
  • IV – anhaltender Tabakkonsum trotz Folgeschädigung
  • V – Veränderung der Lebensgewohnheiten, um den Tabakkonsum aufrechtzuerhalten
  • VI – eingeschränkte Kontrolle über das Rauchverhalten

 

Die Folgeschäden des Tabakkonsums sind immens. Jährlich sterben über 100.000 Menschen an den Folgen des Rauchens. Todesfälle durch Rauchen im Alter zwischen 35 und 69 Jahren sind:

 

  • 40-45 % aller Krebstode,
  • 90-95 % aller Bronchialkarzinome (Lungenkrebs)
  • 75 % aller chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen (chronische Bronchitis, chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD))
  • 35 % aller kardiovaskulären Todesfälle (z. B. Myokardinfarkte/Herzinfarkte)
    Auch rauchende, werdende Mütter und das Passivrauchen stellen ein großes Gesundheitsrisiko dar.


Auch in der Zahnheilkunde führt Rauchen zu Erkrankungen: Rauchen schädigt beispielsweise die natürliche Mundflora (Gefahr der Kariesbildung) und erhöht das Risiko für eine Parodontitis um das 2,5- bis 6-Fache.


Bei der Parodontitis handelt es sich um eine infektiöse Erkrankung, welche zu einem entzündlichen Abbau des Parodonts (Zahnhalteapparat) führt. Nach Karies stellt die Parodontitis die häufigste Erkrankung der Mundhöhle dar.

Als Implantate werden in der Zahnmedizin meist schrauben- oder zylinderförmige Systeme bezeichnet, welche dem Ersatz natürlicher Zahnwurzeln dienen und die in der Regel nach einer Einheilungsphase mit festsitzendem Zahnersatz in Form von Kronen oder Brücken versorgt werden oder den Halt von Prothesen verbessern.
Unter eine Reihe von alloplastischen Implantatmaterialien (Einsetzen von Fremdmaterial) erscheint Titan gegenwärtig als am besten geeignet, da es sich durch etliche werkstoffkundliche Vorteile von anderen Materialien absetzt:
• hohe mechanische Stabilität (Härte, Risszähigkeit, Biegefestigkeit)
• Röntgendichte
• Sterilisierbarkeit
Dicht gefolgt in seinen Materialeigenschaften wird Titan von yttriumverstärkter Zirkonoxidkeramik. Entscheidend ist aber, dass trotz minimaler Abgabe von Titanionen auf Titan und auch auf Zirkonoxid keine Gewebereaktionen stattfinden; beide sind also bioinert (d. h., dass es zu keiner chemischen bzw. biologischen Wechselwirkung zwischen dem Implantat und dem Gewebe kommt).
Der Knochen integriert das Implantat in direktem und engstem Oberflächenkontakt bis 10 nm ohne Ausbildung einer bindegewebigen Trennschicht: Kontaktosteogenese (Bildung eines individuellen Knochens durch Kontakt). Zwar gibt es durchaus auch schon bioaktive Implantatmaterialien, die in Form einer Verbundosteogenese sogar einen physikochemischen Verbund mit dem Knochen eingehen; allerdings reichen deren biomechanische Eigenschaften nicht an die des Titans und des Zirkonoxids heran.
Implantate werden in der Regel zweiteilig (Implantatkörper als Primärteil, Implantataufbau als Sekundärteil) verarbeitet. Als Material für Sekundärteile hat sich Zirkonoxid auf Grund seiner Zahnfarbe, die im Gegensatz zu Metall nicht durch eine keramische Kronenversorgung durchschimmert, und wegen weiterer Vorteile durchgesetzt.
Neben schraubenförmigen Implantaten werden auch die Zylinderform und sogenannte Extensionsimplantate angeboten. Extensionsimplantate sind blattförmige, flache Implantate, die entlang des Knochenverlaufes der Kiefer in einen dort hineinpräparierten Schlitz (1 mm Breite; 4-14 mm Länge) eingesenkt werden und dort festwachsen.
Indikationen (Anwendungsgebiete)
Die Indikation zur Implantatversorgung stellt sich je nach anatomischen Voraussetzungen und Umfang des Zahnverlusts mit unterschiedlicher Dringlichkeit:
• zahnloser Kiefer: während Totalprothesen durch die Saughaftung mit der breitflächigen Oberkieferschleimhaut in aller Regel guten Halt haben, lässt sich ein vergleichbarer Halt auf dem Unterkiefer selbst unter optimalen anatomischen Bedingungen in keinem Fall erreichen. Der zahnlose Unterkiefer stellt daher die wichtigste Indikation zur Implantatversorgung dar.
• Freiendsituation: die Zahnreihe ist ein- oder beidseitig durch Zahnverlust verkürzt und kann ohne Implantatversorgung nur durch herausnehmbaren Zahnersatz versorgt werden.
• Schaltlücken: Zahnlücken, die von Nachbarzähnen begrenzt sind; hier ist vom Restzahnbestand und der Größe der Lücke abhängig, inwieweit die Lücke ohne Implantat noch mit einer fest sitzenden Brücke geschlossen werden könnte oder ob die Versorgung mit herausnehmbarem Zahnersatz erfolgen müsste. Ein Implantat als strategischer zusätzlicher Brückenpfeiler in einer größeren Lücke vermeidet auch hier eine herausnehmbare Prothese.
• Einzelzahnersatz: hier wäre ohne Implantatversorgung in aller Regel eine festsitzende Brücke, im Frontzahnbereich ggf. auch als Klebebrücke indiziert. Ein Implantat schützt die Nachbarzähne vor Überkronung.
Unabhängig vom Wunsch des Patienten nach einem festsitzenden anstelle eines herausnehmbaren Zahnersatzes sollte eine weitere Tatsache berücksichtigt werden: Der alveolare Knochen (Knochenanteil der Kiefer, in dem die Zahnwurzeln verankert sind) hat zeitlebens die Tendenz, sich zurückzubilden, wenn er nicht durch Zähne funktionell belastet wird.
Hiermit bekommen Implantate eine zusätzliche Bedeutung: Denn Alveolarknochen, in den ein durch Kaufunktion belastetes Implantat integriert ist, reagiert nicht mit einem derartigen Rückgang. So dient ein Implantat, für das zunächst Knochensubstanz geopfert werden muss, im Idealfall dem Schutz des knöchernen Alveolarfortsatzes. Wangen und Lippen werden weiterhin gestützt. Dadurch kann beispielsweise eine Implantatversorgung im Frontzahnbereich ästhetischer wirken als eine Brücke.

Sport

Die coronabedingten Einschränkungen haben sich massiv auf das Bewegungsverhalten der Menschen ausgewirkt. Eine internationale Studie kommt zu dem Ergebnis, dass bereits im ersten Lockdown auffallend weniger Sport getrieben wurde und die körperliche Aktivität in Summe um über 40 % abgenommen hat.

Das wiederum führte zu einem herabgesetzten psychischen Wohlbefinden der Bevölkerung. Die Wissenschaftler aus den 14 beteiligten Ländern sprechen in diesem Zuge von einem dreifach erhöhten Risiko für depressive Erkrankungen und titulieren diese Entwicklung bereits mit der „Pandemie innerhalb der Pandemie“.

Etwa15.000 Menschen nahmen an einer entsprechenden Befragung zur körperlichen Betätigung und zum psychischen Wohlbefinden teil. Die Erhebung fand während des ersten Lockdowns im April und Mai des vergangenen Jahres statt. Die Auswertung ergab, dass sich der etwa 40%ige Rückgang sowohl bei mäßigen Aktivitäten wie Walken, Joggen, Radfahren und Gartenarbeit als auch bei intensiver sportlicher Bewegung zeigte.

Bei älteren Menschen ab 70 Jahren zeigte sich sogar eine Abnahme der körperlichen Bewegung um 56 bis 67 %. Dieser hohe Wert gibt zusätzlich Anlass zur Sorge, weil in dieser Altersklasse bereits eine zweiwöchige eingeschränkte körperliche Aktivität zu langanhaltenden Einschränkungen des Gesundheitszustandes führen kann, so die Studienverantwortlichen.

Vor der Pandemie erreichten etwa 80 % der befragten Personen die empfohlenen 150 Minuten körperlicher Aktivität, während sich diese Rate im Lockdown auf 63 % reduzierte. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass regelmäßige Bewegungseinheiten einen besonders positiven Einfluss auf die zu erwartende Lebenszeit hat, ist es jetzt zu den aktuellen Corona-Lockerungen notwendig, zu dem empfohlenen Mindestpensum an körperlicher Aktivität zurückzufinden und die vergangenen bewegungsträgen Monate aktiv wieder auszugleichen.

Dieses könne geschehen durch eine bessere Aufklärung der Öffentlichkeit über die negativen Folgen von Bewegungsmangel, um den Menschen nicht zuletzt neue Anreize zu geben, damit sie das erwünschte Bewegungsverhalten (wieder-)erlangen könnten.

Wilke. J. et al.
A Pandemic within the Pandemic? Physical Activity Levels Substantially Decreased in Countries Affected by COVID-19.
Int. J. Environ. Res. Public Health 5/2021

Die niedrigen Covid-19-Neuinfektionszahlen lassen auch in den Fitness-Studios zunehmende Öffnungen für immer mehr Sportwillige zu. Was jedoch erstmal bleibt, sind die auferlegten Hygienestandards, um das Virus auch weiterhin ich Schach zu halten. Wichtig dabei ist es, dass diese Regeln von den Sportlern auch eingehalten werden, was offensichtlich nicht immer der Fall zu sein scheint. Zu diesem Ergebnis kam eine verdeckte Beobachtungsstudie der Hochschule Heidelberg.

Während des letzten Lockdowns im vergangenen Jahr hatten Studentinnen in ihrer verdeckten Beobachtung ermittelt, inwieweit die Hygienevorgaben wie die Benutzung von Handdesinfektionsmitteln, die Bedeckung der Fitnessgeräte mit eigenem Handtuch, die anschließende Reinigung der Geräte sowie die Einhaltung des Mindestabstandes auch tatsächlich umgesetzt wurden.

Im Ergebnis zeigte sich, dass die Altersgruppe der unter 30-Jährigen scheinbar ein differenziertes Verständnis zur Einhaltung der Hygienestandards hat als die der über 30-Jährigen. Denn die Jüngeren befolgten im Durchschnitt lediglich zwei bis drei der festgelegten Hygienemaßnahmen, während die älteren Besucher mindestens drei wenn nicht sogar alle vier Regeln einhielten.

Besonders auffallend unterschiedlich verhielten sich die Fitness-Studio-Besucher bezüglich der Abdeckung der Sportgeräte mit einem Handtuch: Die über 30-Jährigen taten dies fast konsequent, während lediglich 75 % der unter 30-Jährigen diese Voraussetzung befolgten.

Der geforderte Mindestabstand zwischen zwei Besuchern konnte leider nur bei der Hälfte der Trainierenden beobachtet werden, in der jüngeren Gruppe waren es noch weniger. Dieses unterschiedliche Verhalten zwischen den beiden Altersgruppen könnte man darauf zurückführen, dass die Betroffenheit von der Covid-19-Erkrankung bei der jüngeren Generation niedriger ist, der Krankheitsverlauf bisher bei Ihnen meistens nicht so schlimm war und sie daher etwas leichtsinniger mit den Hygienestandards umgehen.

Damit es also auch zukünftig bei den niedrigen Corona-Inzidenzwerten bleibt, ist es wichtig, dass nicht nur in den Fitness-Studios, sondern überall, wo jetzt wieder trainiert werden darf, auf die geltenden Hygienevorschriften und den Mindestabstand geachtet wird, auch wenn das beim Sport nicht immer ganz so einfach ist, so die Studienverantwortlichen.

Greiffenstern, J.
Studie vor dem zweiten Lockdown: Mangelhafte Einhaltung des Mindestabstands während des Trainings im Fitnessstudio
idw-Informationsdienst Wissenschaft 5/2021

Auch noch lange nach ihrer Corona-Infektion haben Betroffene mit den gesundheitlichen Nachwirkungen in Form von körperlichen und psychischen Beeinträchtigungen zu tun. Eine aktuelle Studie berichtet in diesem Zusammenhang davon, dass auch Menschen mit milderem Krankheitsverlauf noch Monate später ein um bis zu 60 % erhöhtes Risiko haben, an den Folgen von Corona zu sterben als Nicht-Corona-Patienten.

Die Studienverantwortlichen weisen ebenfalls darauf hin, dass die Ursache dafür unter anderem darin liegen könnte, dass sich während der Pandemie ungesunde Ernährungsgewohnheiten und ein nicht ausreichendes Bewegungsverhalten eingeschlichen hat. In Anlehnung daran kann mittlerweile belegt werden, dass in dieser Zeit beispielsweise der Verzehr von Süßigkeiten und von alkoholischen Getränken angestiegen ist, während Obst und Gemüse seltener auf dem Speiseplan standen als noch vor der Pandemie. Auch gibt es Belege für die Abnahme von Sportaktivitäten und allgemein angestiegenem Bewegungsmangel.

Mit dieser Kombination befindet sich die Bevölkerung derzeit in einer äußerst schlechten gesundheitlichen Position. Zum einen, weil Sport nachweislich einen wichtigen Beitrag dazu leistet, um einem schweren Covid-19-Krankheitsverlauf vorzubeugen und zum anderen, weil Sport und eine ausgewogene Ernährungsweise wichtige Eckpfeiler sind, um die durch die Corona-Erkrankung hervorgerufenen Spätfolgen abzumildern. Nicht vergessen werden darf an dieser Stelle ebenso, dass Bewegungsmangel und schlechter Ernährungsstil grundsätzlich auch das Erkrankungsrisiko für Diabetes, Übergewicht und weitere Krankheiten erhöht.

Vor diesen aktuellen Erkenntnissen weisen Mediziner der Sporthochschule in einem aktuellen Appell darauf hin, den Genesungsprozess von Covid-Patienten möglichst schnell durch aktive sportliche Betätigung zu fördern und dafür nicht erst den Zeitpunkt abzuwarten, an dem die Patienten vollständig beschwerdefrei sind. Dieses aktive Handeln könnte eindeutig dazu beitragen, die Zahl der Long-Covid-Patienten zu reduzieren.

Ziyad, A. et al.
High-dimensional characterization of post-acute sequalae of COVID-19
Nature 4/2021

Betroffene einer Hauterkrankung, die sich äußerlich leicht erkennen lässt wie beispielsweise eine Schuppenflechte oder Neurodermitis, leiden häufig doppelt. Denn sie haben nicht nur mit ihrer Krankheit zu tun, sondern werden häufig auch von ihrem Mitmenschen stigmatisiert.

Eine Umfrage des Deutschen Psoriasis Bunds gemeinsam mit einem Selbsthilfeportal im Internet, dem Psoriasis-Netz, bringt es auf den Punkt: Über die Hälfte der Befragten berichteten darüber, dass ihr verändertes Hautbild immer noch dazu führe, dass sie Ausgrenzung und abwertende Gesten erfahren. Insbesondere in solchen Situationen, wo die Haut äußerlich mehr in Erscheinung tritt, sind abfällige Blicke sehr häufig.

Vor diesem Hintergrund fühlen sich die Betroffenen verständlicherweise bei sportlichen Aktivitäten besonders unwohl. Auch entsprechend unangenehme Situationen in Schwimmbädern werden von ihnen zunehmend gemieden. Da diese Ablehnung wiederholend eintritt, ziehen sich die Stigmatisierten nicht selten aus dem öffentlichen und vor allem dem sportlichen Leben und gemeinsamen Freizeitaktivitäten zurück.

Vor diesem Hintergrund wird die Gefahr verstärkt, dass sich die Betroffenen zusätzlich teilweise auch körperlich unausgeglichen fühlen, da ihnen die körperliche Bewegung, insbesondere in Gesellschaft oder als Mannschaftssport fehlt. Negative Auswirkungen auf die eigene Lebensqualität sind daher teilweise vorprogrammiert. Denn auf Dauer macht nicht nur die Hauterkrankung selbst, sondern auch die möglicherweise eingeschränkte sportliche Aktivität den Betroffenen zu schaffen.

Masahiro, K. et al.
Efficacy and Safety of Biologics for Psoriasis and Psoriatic Arthritis and Their Impact on Comorbidities: A Literature Review
Int J Mol Sci . 3/2020; 21(5): 1690.

Um die Rückengesundheit der Menschen hierzulande ist es nachweislich nicht gut bestellt: Laut eines aktuellen Berichts des Robert-Koch-Institutes (RKI) haben über 60 % der Bevölkerung innerhalb eines Jahres mit Rückenschmerzen zu tun. Bereits viele junge Erwachsene sind betroffen und mit zunehmendem Alter steigt die Anzahl der Menschen, die über Schmerzen im Nacken- und Rückenbereich klagen, stark an.

Im Rahmen der sogenannten Burden-Studie wurden entsprechende Daten mithilfe einer telefonischen Befragung im Zeitraum von Oktober 2019 bis März 2020 bei 5.000 erwachsenen Studienteilnehmern erhoben. Demnach gaben 61,3 % der Befragten an, im vorangegangenen Jahr Rückenschmerzen gehabt zu haben, bei 15,5 % handelte es sich dabei sogar um ein chronisches Rückenproblem.

Das Ergebnis zeigte weiterhin, dass in Summe die Frauen häufiger von einem schmerzenden Rücken oder Nacken betroffen waren. Das könnte zum einen daran liegen, dass die Anatomie des Rückenbereichs bei ihnen anders ausgeprägt ist als bei den Männern. Zum anderen zeigen sie grundsätzlich ein intensiveres Körperbewusstsein und damit eine ausgeprägtere Reaktion auf mögliche Schmerzen, so die Aussage des RKI.

Das Studienergebnis weist ebenfalls darauf hin, dass Schmerzen im unteren Rückenbereich etwa doppelt so häufig auftreten wie im oberen Bereich des Rückens. Über 38 % beschrieben zudem ein Ausstrahlen der Schmerzen bis in die Beine. Die jüngeren Befragten, also die 18- und 29-Jährigen, hatten im Durchschnitt 4,4 Tage im Monate schmerzende Rückenprobleme. Bei den über 70-Jährigen waren es 14,8 Tage, an denen ihnen der Rücken oder Nacken erhebliche Schmerzen bereitete. Im speziellen Nackenbereich nahm diese Häufigkeit von 3,3 Tage auf 11,5 Tage zu.

Die Studienverantwortlichen kommen aufgrund dieser besorgniserregenden Zahlen dazu, dass Maßnahmen zur Prävention von Rückenschmerzen bereits im jungen Erwachsenenalter ansetzen sollten. Dazu zählen insbesondere ein möglichst rückenschonender Arbeitsplatz und vor allem der Rat, frühzeitig und regelmäßig durch individuell angepasste sportliche Aktivitäten den Rückenbereich zu stärken. Es bestünde in diesem Bereich zwar bereits ein großes Trainingsangebot in Vereinen, Fitness-Studios oder im privaten Individualsport, doch diese Angebote werden offensichtlich nicht ausreichend angenommen.

Prävalenz von Rücken- und Nackenschmerzen in Deutschland. Ergebnisse der Krankheitslast-Studie BURDEN 2020
J of Health Monitoring 3/2021

Leistenschmerzen sind in der Welt des intensiven Sports nicht selten. Insbesondere solche Sportarten, in denen es zu wenig homogenen Bewegungsabläufen kommt, wo die Sportler also häufig und schnell abbremsen müssen und die Bewegungsrichtung ändern, wird die Leiste stark in Mitleidenschaft gezogen. So kann es vor allem beim Fußball, Rugby und Hockey aber auch nicht selten beim Tennisspielen oder beim Joggen dazu kommen, dass das Hüftgelenk äußerst stark belastet wird.

Stechende und ziehende Schmerzen sind bei einer Leistenverletzung sowohl im Ruhe- als auch im Bewegungsmodus klare Anzeichen. Häufig strahlen die Leistenschmerzen bis in die Innenseite des Oberschenkels aus. Nicht selten werden auch bestimmte Nervenbahnen in Mitleidenschaft gezogen, sodass Betroffene von einem stark brennenden Gefühl berichten.

Obwohl eine Leistenverletzung in der medizinischen Welt nicht neu ist, kann noch keine optimale allgemeingültige Therapie ausgesprochen werden. Es gelten jedoch zahlreiche unterschiedliche Ansätze, die je nach angenommener Ursache angewendet werden. Mediziner beklagen jedoch, dass es diesbezüglich an Studien mangelt, in denen die möglichen Therapiemethoden klar verglichen werden.

Grundsätzlich sollte von Betroffenen eine Schonfrist für die Leiste eingeräumt werden, damit möglichst keine weiteren Schmerz erzeugenden Reize erfolgen. Physiotherapeutische Maßnahmen ergänzen diesen Schonungsprozess sehr gut. Sind durch den permanenten Druck auch die Nerven bereits beschädigt, was durch die kribbelnden beziehungsweise teilweise elektrisierenden Schmerzen zu erkennen ist, könnte eine Operation notwendig werden.

Wichtig ist bei allen Therapieansätzen eine individuelle physiotherapeutische Nachbehandlung, in deren Rahmen die Betroffenen nicht zuletzt angewiesen werden, ruckartige Belastungen, die enormen Druck auf das Hüftgelenk ausüben, zu vermeiden.

Die verflixte Sportlerleiste
GOT Newsletter 3/2021

Ein vorhandenes erhöhtes Krebsrisiko ist nicht nur auf die genetische Veranlagung zurückzuführen, sondern orientiert sich vor allem an dem Lebensstil, den die einzelnen Menschen führen. Denn viele chronische Entzündungen, die durch eine ungesunde Ernährungsweise, durch Nikotinkonsum oder beispielsweise durch eine körperliche Bewegungsträgheit hervorgerufen werden, können die Entstehung von Krebs fördern.

Anlässlich des Weltkrebstages im Februar kam von Seiten der Wissenschaft wieder einmal klar zum Ausdruck, dass mindestens die Hälfte der Krebserkrankungen verhindert werden könnten, wenn eine ungesunde Lebensführung vermieden würde. Die Wissenschaft beobachtet zunehmend, dass die Organ- und Stoffwechselfunktionen von immer mehr jüngeren Menschen gestört sind, weil immer mehr Menschen ihrer Generation übergewichtig sind.

Hier kann der Sport einen sehr wichtigen Ansatz liefern, um die daraus resultierenden chronischen Entzündungen, die dauerhaft in einer Krebsentzündung enden können, herabzusetzen. Zum einen hilft regelmäßiger Ausdauersport, um das Körpergewicht zu reduzieren, zum anderen hilft er, die gefährlich hohen Entzündungswerte herabzusetzen.

Denn bei Übergewicht steigen die Gehalte von freien Fettsäuren, bestimmter Hormone und schädlicher Stoffwechselprodukte an. Es kommt zu einer Verschlechterung der Immunfunktion und Entzündungsreaktionen können dauerhaft folgen. Sport wirkt diesem gefährlichen Prozess entgegen, setzt die Entzündungswerte herab und steigert die Funktion des Immunsystems.

Da derartige chronische Entzündungen zu einer dauerhaften Schädigung und Veränderung der Zellen führen können, weil gefährliche Freie Radikale und weitere zellschädigende Stoffe freigesetzt werden, sind sie im Rahmen der Krebsprävention möglichst zu vermeiden. Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund ist es immer wieder wichtig zu betonen, dass regelmäßiger Sport ein sehr lohnenswerter Eckpfeiler ist, um der Entstehung von Krebserkrankungen vorzubeugen.

Bach, B.
Prävention - Wieso ein gesunder Lebensstil Krebs ausbremsen kann
Ärztezeitung 2/2021

Patienten mit einer Arthrose im Knie wird ein spezielles Krafttraining empfohlen, um einerseits die Schmerzen zu lindern und andererseits die Beweglichkeit durch Muskelstärkung und Knorpelaufbau zu fördern. Laut dem Ergebnis einer US-amerikanischen Studie scheint es nun jedoch Zweifel an dieser Theorie zu geben, die schon lange von den Fachgesellschaften für Rheumatologie gilt.

377 Personen im Alter von über 50 Jahren, die von einer Arthrose im Knie betroffen waren, wurden im Rahmen der Studie näher unter die Lupe genommen. Etwa ein Drittel von ihnen nahm daraufhin an einem intensiven Krafttraining teil, bei einem weiteren Drittel fiel das Krafttraining moderater aus und das letzte Drittel diente als Kontrollgruppe, die einen weniger anstrengenden Kniegesundheits-Workshop absolvierte.

Die Auswirkungen der einzelnen Bewegungsempfehlungen und -intensitäten wurden für die Dauer von 18 Monaten dokumentiert und verglichen. Besonderes Augenmerk legten die Wissenschaftler darauf, inwiefern sich die Intensität der Schmerzen und die Belastung der Gelenke veränderten und nahmen dazu mithilfe spezieller Messmethoden entsprechende Messwerte. Wichtige Parameter wie beispielsweise das Geschlecht und Körpergewicht wurden bei der Auswertung berücksichtigt.

Im Ergebnis zeigte sich, dass am Ende der Studie in allen drei Teilnehmergruppen die Schmerzwerte sowie die Werte bezüglich der Gelenkbelastung ähnlich waren. Man konnte also nicht herausstellen, ob eine Gruppe besonders von seinem Trainingsprogramm profitiert hat. Entgegen der Erwartungen zeigte sich bereits nach sechs Monaten, dass das moderate Training der zweiten Gruppe bessere Effekte erzielte als ein intensives Krafttraining.

Interessanterweise berichteten die Teilnehmer des intensiven Trainings davon, dass es bei ihnen zu Überlastungen einzelner Muskelgruppen und häufiger auch außerhalb des Kniegelenks zu Schmerzen gekommen war. Zusammenfassend weisen die Wissenschaftler darauf hin, dass mit einem leichten Krafttraining das Therapieziel bei einer Arthrose besser erreicht werden könne. Ein intensives Krafttraining sei bei einer entsprechenden Diagnose wohl eher nicht zu empfehlen. Weitere Studien in diesem Zusammenhang seien geplant, um diesbezüglich zu mehr Klarheit zu gelangen.

Messier, S. et al.
Effect of High-Intensity Strength Training on Knee Pain and Knee Joint Compressive Forces Among Adults With Knee Osteoarthritis: The START Randomized Clinical Trial
JAMA 1/2021; 16;325(7): 646-657.

Welche Folgen die Maßnahmen eines Corona-Lockdowns auf den Lebensstil haben, wird verständlicherweise zunehmend erforscht und diskutiert. Wissenschaftler der Universität in Hohenheim haben vor diesem Hintergrund eine Befragung bei Studierenden durchgeführt, um von dieser Zielgruppe entsprechend aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten.

Nach dem ersten Lockdown im Frühjahr wurden 800 Studenten im Alter zwischen 21 und 26 Jahren online befragt, zu welchen Lebensstil-Veränderungen die Kontakteinschränkungen geführt hatten. Besonderes Augenmerk legten die Wissenschaftler dabei auf Veränderungen im Ernährungs- und Bewegungsmuster und die damit einhergehenden Veränderungen des Körpergewichts.

Im Ergebnis zeigte sich, dass es sowohl zu positiven als auch zu negativen Veränderungen im Lebensstil gekommen war. Auffallend positiv war es, dass ein Großteil der Studierenden den Lockdown zum Anlass nahm, um sich selbst im frischen Zubereiten von teilweise neuen Speisen zu üben. In diesem Zuge verwendeten sie zunehmend Obst und Gemüse und aßen weniger Fleischprodukte und Wurstwaren. Bezüglich des Bewegungsverhaltens konnten die Studienverantwortlichen feststellen, dass alltägliche Bewegungen zu Veranstaltungen, Freundestreffen etc. verständlicherweise stark abnahmen. Dafür suchten sich viele junge Menschen zunehmend sportliche Aktivitäten. Etwa die Hälfte der Befragten gab an, während des Lockdowns mehr Sport getrieben zu haben als vorher.

Solche Studenten, die eher sorgenvoll durch den Lockdown gingen, zeigten eine Tendenz zur Gewichtszunahme. Während die Hälfte der Studenten häufiger Süßigkeiten und Kuchen verzehrten, griffen etwa 30 % zunehmend nach herzhaften Snacks und Kaffee. Der Alkoholkonsum nahm bei über 40 % ab.

Bezüglich des Körpergewichts lässt sich sagen, dass ein Drittel der Befragten am Ende des Lockdowns mehr Pfunde auf die Waage brachte als zuvor. Bei einem Fünftel hingegen kam es zu einem Gewichtsverlust. Vor allem bei den jungen Menschen mit einem erhöhten BMI traten Körpergewichts-Schwankungen auf. Der Gewichtsverlust während des Lockdowns ließ sich nachweislich darauf zurückführen, dass mehr Sport getrieben wurde als zuvor.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es unter den Studierenden eine große Gruppe gibt, die das heruntergefahrene Alltagsleben dafür nutzt, den Lebensstil durch eine ausgewogenere Ernährung und durch mehr sportliche Aktivitäten aufzuwerten, während die andere Gruppe, die den Lockdown eher sorgenvoll betrachtet, zu den negativen Auswirkungen auf das Ernährungs- und Bewegungsverhalten tendiert. Zwischen den beiden Geschlechtern gab es bezüglich der Verhaltensänderungen keine Unterschiede.

Klebs, F.
Corona-Lockdown: Studierende ändern ihr Ernährungs- und Bewegungsverhalten
idw-Informationsdienst Wissenschaft 2/2021

Unter den Teamsportarten steht das Fußballspielen sehr weit vorne. Wissenschaftler aus Deutschland haben untersucht, inwieweit dieser Sport helfen kann, um die Inklusion von Jugendlichen mit Migrationshintergrund zu fördern. Sie kamen zu dem Schluss, dass Fußball unter Beachtung bestimmter sportpsychologischer Regeln einen sehr positiven prägenden Einfluss auf die Entwicklung dieser jungen Menschen aus anderen Kulturen haben kann.

Wichtig dabei ist es, dass die Art des Fußballtrainings eher aufgabenorientiert als leistungs- und wettbewerbsorientiert ist. Es kommt also darauf an, wie der Trainer seine Mannschaft motiviert. Bei optimalem Gelingen eines entsprechend wünschenswerten Trainings kann dieser Sport entscheidend dazu beitragen, dass sich die Jugendlichen angenommen und dazugehörig fühlen. Diese Erkenntnis ist besonders wichtig, um die jungen Menschen positiv bezüglich ihrer Einstellungen und Haltungen für ihre Zukunft zu prägen.

Über 240 Jungen im Alter zwischen 10 und 16 Jahren, von denen 61 % einen Migrationshintergrund hatten, nahmen an einer entsprechenden Befragung teil. Alle Jugendlichen spielten in niederländischen Vereinen Fußball. Im Ergebnis zeigte sich, dass nicht die Zugehörigkeit zu einer Fußballmannschaft an sich dazu beiträgt, dass sich die jungen Spieler dazugehörig und akzeptiert fühlen.

Es kommt wohl mehr darauf an, mit welcher Motivation trainiert und gespielt wird. Wichtig ist es demnach vor allem, den Schwerpunkt darauf zu legen, die Fähigkeiten der einzelnen Spieler zu verbessern. Der zentrale Ansporn für das Training sollte sein, die Aufgabenstellung gut umzusetzen und zunehmend dazuzulernen.

Im Gegensatz dazu wirkt sich ein Trainingsklima, in dem es vor allem um den Wettbewerb innerhalb der eigenen Mannschaft geht, eher negativ auf das Inklusionsempfinden und das Dazugehörigkeitsgefühl aus. Mit dem Studienergebnis konnte wieder einmal klar belegt werden, dass aktiver Sport nicht nur der Gesundheitsförderung dient, sondern auch einen hohen psychologischen Wert hat, wenn das Trainingsklima und die Motivation entsprechend ausgerichtet sind.

Van Yperen, N.W. et al.
Perceived inclusion in youth soccer teams: The role of societal status and perceived motivational goal climate
Psychology of Sport and Exercise 1/2021

Eigentlich sollten wir alle wissen, wie wichtig regelmäßiges Bewegungstraining für unsere Gesundheit ist. Neben dem Ausdauersport ist ein ergänzendes muskelaufbauendes Training für Erwachsene eigentlich unabdingbar. Übungen wie Liegestütze, Kniebeugen, Gewichtstraining an Geräten oder zuhause mit Hanteln sollten mindestens zweimal auf dem Wochen-Trainingsplan stehen, um die Muskeln aufzubauen und auch zu erhalten. Ein regelmäßiges Muskelaufbau-Training wirkt sich unter anderem vorbeugend auf Diabetes, Depressionen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen aus.

Dennoch scheinen europaweit zu wenige Menschen diese Empfehlung umzusetzen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, in deren Rahmen der Trainingsumfang der Europäer unter die Lupe genommen wurde. Über 280.000 Daten, die in den Jahren 2013 und 2014 über EU-Bürger, Isländer und Norweger gesammelt wurden, lagen der Auswertung zugrunde. Daten von Belgiern und Niederländern flossen in die Studie nicht ein. Die Studienteilnehmer waren mindestens 18 Jahre alt.

Die Studie konnte aufdecken, dass höchstens 20 % der Menschen im europäischen Raum das empfohlene Mindestpensum an Krafttraining erreicht. Lediglich 17,3 % bestätigte, zweimal pro Woche oder häufiger muskelaufbauendes Training zu absolvieren.

Am sportlichsten ging es demnach in den nordischen Ländern wie Dänemark, Island und Schweden zu. Südöstliche Länder wie Rumänien, Zypern und Malta hingegen zeichneten sich durch extreme Bewegungsträgheit aus. Deutschland nahm in der „Krafttrainings-Häufigkeits-Rangliste“ den 6. Platz ein.

Für konkretere Ergebnisse sind weitere Studien notwendig, so die Studienverantwortlichen. Es könne jedoch bereits jetzt ausgesagt werden, dass Frauen weniger Krafttraining betreiben als Männer und die Trainingsbereitschaft mit zunehmendem Alter ebenso abnimmt. Auch das Maß an Bildung und ein niedrigeres Einkommen führen offensichtlich zu einer geringeren Bereitschaft, regelmäßiges Muskel-Aufbautraining durchzuführen.

Europäer trainieren ihre Muskeln zu wenig
Ärztezeitung 11/2020

Ausdauersport und allgemeine körperliche Bewegung tun dem Herz-Kreislaufsystem gut. Wie sich in diesem Zusammenhang aktiver Wintersport in Form von Skilanglauf auswirkt, zeigt das Ergebnis einer schwedischen Studie. Gesundheitsbezogene Daten von Freizeit-Skilangläufern, die zwischen den Jahren 1989 und 2011 an dem 30 bis 50 km langen Wasa-Ski-Volkslauf teilnahmen und durchschnittlich 39 Jahre alt waren, wurden mit denen von Nicht-Skilangläufern verglichen.

Bei den Daten handelte es sich um Hypertonie-Erkrankungsraten, die aus entsprechenden schwedischen Registern entnommen wurden. Insgesamt flossen somit die gesundheitsbezogenen Erhebungen von 206.000 Skilangläufern im Vergleich zu 505.000 Nicht-Wintersportlern in die Studie ein.

Im Ergebnis zeigte sich, dass im Laufe des Studienzeitraums bei etwa 15.000 Langläufern im Vergleich zu 70.000 Nicht-Läufern eine Bluthochdruck-Erkrankung aufgetreten war. Interessanterweise entwickelten diejenigen Sportler, die zu den 20 % der am besten abgeschnittenen Wasa-Lauf-Teilnehmer gehörten, noch seltener eine Hypertonie als die schlechtesten Teilnehmer.

Im Vergleich zu den Nicht-Langläufern zeigte sich bei den besten Läufern ein um etwa 60 % herabgesetztes Risiko für eine Bluthochdruck-Erkrankung. Bei den schlechtesten Langläufern war das Risiko noch um 25 % reduziert. Dieses Ergebnis zeigt klar auf, dass sich aktives Ausdauertraining gesundheitlich immer bezahlt macht, und durch ein intensiveres Training zusätzliche Bonuspunkte für die Gesundheit der Gefäße erzielt werden können.

Zurückzuführen ist diese positive Wirkung vermutlich auf eine durch den Sport herabgesetzte Ausschüttung von Stresshormonen und weiterer wichtiger Botenstoffe sowie auf eine daraus resultierende Funktionsverbesserung und Stärkung der Gefäßwände.

Sicherlich muss angenommen werden, dass weitere Faktoren wie beispielsweise die Art des Trainings sowie der Lebensstil, der Genussmittelkonsum und die Ernährungsweise auch einen wichtigen Einfluss auf eine mögliche Entwicklung einer Gefäßerkrankung haben. Dennoch zeigt das Ergebnis dieser Studie, wie eindeutig der positive Nutzen von regelmäßigem Ausdauersport für unser Herz-Kreislaufsystem ist.

Anderson, K. et al.
Long-Distance Skiing and Incidence of Hypertension
Circulation 1/2020

Sich regelmäßig aktiv körperlich zu bewegen, ist erwiesenermaßen wichtig für die Gesundheit, nicht nur, um diversen Krankheiten vorzubeugen, sondern auch weil es glücklich macht und der Psyche gut tut. Wissenschaftler aus Deutschland haben untersucht, welche Regionen unseres Gehirns für diesen Prozess maßgeblich verantwortlich sind.

Dabei erhielten sie die Erkenntnis, dass nicht nur intensive körperliche Betätigungen wichtig sind, sondern auch bereits tagtägliche Aktivitäten, wie beispielsweise das Treppensteigen oder das Zum-Einkaufen-Laufen. Vor allem Menschen, bei denen bereits erste Vorboten einer psychiatrischen Erkrankung vorliegen, sollten diesen positiven Nutzen für ihre Gesundheit erkennen und umsetzen.

Die Forscher bewerten ihr Studienergebnis insbesondere vor dem Hintergrund der derzeitigen Covid-19-Pandemie als sehr hilfreich, weil die aktuell empfohlenen Kontakteinschränkungen unser Wohlbefinden hart auf die Probe stellen. Da ist es gut, entsprechende wissenschaftlich belegte Empfehlungen für den Alltag geben zu können, so die Studienverantwortlichen.

Bei den Studienteilnehmern wurden mittels spezieller Erhebungsverfahren durch beispielsweise Bewegungssensoren oder Abfragen des Smartphones ermittelt, welche Auswirkungen deren Bewegungen und Aktivitäten im Laufe des Tages auf ihre Energiegeladenheit und Wachheit haben. Ein möglicher Zusammenhang zum psychischem Wohlbefinden wurde damit aufgestellt.

Bei einer weiteren Teilnehmergruppe konnte mittels Magnetresonanztomografie festgestellt werden, dass ein bestimmter Großhirnrinden-Bereich diesen positiven Einfluss auf die psychische Gesundheit ausübt. Gleichzeitig ist diese Hirnregion mitverantwortlich für unsere Unempfindlichkeit gegenüber Erkrankungen der Psyche. Menschen mit einem geringeren Anteil dieser entsprechenden Hirnsubstanz haben demnach ein höheres Risiko für Beeinträchtigungen der Psyche. Sofern sie sich jedoch im Alltag mehr bewegten, profitierten sie von einem deutlich besseren psychischen Wohlbefinden und von steigender Energie.

Reichert, M. et al.
A neural mechanism for affective well-being: Subgenual cingulate cortex mediates real-life effects of nonexercise activity on energy.
Science Advances 11/2020

Die Zahl der Menschen mit einem starken Übergewicht nimmt Jahr für Jahr zu. Betroffene einer entsprechenden Adipositas-Erkrankung riskieren gefährliche Folgeerkrankungen wie die Diabetes-Typ-2-Erkrankung, Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems oder auch Krebserkrankungen. Nicht zuletzt leidet ihre Fähigkeit, die täglichen Aufgaben in Beruf und Alltag zu meistern und damit auch die allgemeine Lebensqualität.

Zur Vorbeugung und Behandlung einer Adipositas sind sowohl eine ausgewogene Ernährungsweise als auch regelmäßige sportliche Betätigung wichtig. Doch leider setzen viel zu wenig Menschen diese elementaren Empfehlungen in die Praxis um. Nur wenige schaffen es, mindestens 150 Minuten wöchentlich aktiv zu sein. Die Adipösen haben es da noch schwerer, weil es ihnen wie allen anderen nicht nur an Zeit und Motivation mangelt, sondern weil sie durch ihre Erkrankung zusätzlich auch körperlich eingeschränkt sind.

Ein Wissenschaftler-Team des Adipositaszentrums am Universitätsklinikum Erlangen hat nun belegen können, dass insbesondere bei den gesundheitlich bereits stark eingeschränkten Menschen individuelle Konzepte helfen können, die zeitlich kürzer ausfallen, aber für bereits chronisch erkrankte Zielgruppen besonders effektiv sind. Demnach können bereits 30 Minuten eines speziellen Intervallausdauertrainings pro Woche helfen, um das Gewicht und die damit verbundenen gesundheitlichen Risiken zu reduzieren. In Kombination mit den kurzen intensiven Bewegungseinheiten sei es wichtig, den Ernährungsstil professionell zu verändern.

Gemäß des Studienergebnisses konnten auf diese Weise bereits nach drei Monaten entsprechender Trainingseinheiten und maßgeschneiderter Ernährungsumstellung eine signifikante Reduzierung des Körpergewichts erzielt und vor allem bessere Werte bezüglich der Herz-Kreislauf-Gesundheit gemessen werden. Die eigenen Bewertungen zur Arbeitsfähigkeit und zur allgemeinen Lebensqualität fielen zudem eindeutig besser aus als vor Beginn der Studie.

Das Ergebnis dieser Studie zeigt wieder einmal, dass bereits kleine Änderungen im aktiven Bewegungsverhalten einen positiven Effekt auf das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit von adipösen und auch normalgewichtigen Menschen haben.

Reljic, D. eta al.
Low-volume high-intensity interval training improves cardiometabolic health, work ability and well-being in severely obese individuals: a randomized-controlled trial sub-study
Journal of Translational Medicine 11/2020

Die Covid-19-Pandemie bringt auch in Pflegeeinrichtungen zahlreiche Probleme mit sich. Neben den massiv eingeschränkten Kontaktmöglichkeiten hapert es derzeit auch an den wichtigen Förderungsprojekten für körperliche Bewegung der Heimbewohner. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Sportwissenschaftsinstitutes der Universität Tübingen.
Sie untersuchte die Bewegungsmöglichkeiten und -angebote in acht Pflegeheim-Einrichtungen während des frühjährlichen Corona-Lockdowns. Bei der Auswertung zeigte sich beinahe erwartungsgemäß, dass wie auch bei den übrigen Bevölkerungsgruppen zu wenig Möglichkeiten zur körperlichen Bewegung angeboten wurden.

Interessanterweise lag die Ursache der eingeschränkten Angebote darin, dass diese vornehmlich von externen Anbietern durchgeführt werden und den Mitarbeitern infolge des Lockdowns kein Zutritt zu den Einrichtungen gewährt werden konnte. Wäre eine entsprechende Bewegungsförderung hingegen durch interne Leitlinien vorgeschrieben, so würde man nicht zwangsläufig auf externe Anbieter angewiesen sein.


Laut Aussage der Studienverantwortlichen sei es daher erstrebenswert, interne Bewegungsangebote, die von eigenen Angestellten durchgeführt werden, zu entwickeln und festzulegen. Hierfür sei es wichtig, interne Mitarbeiter für eine professionelle Bewegungsförderung der Bewohner zu qualifizieren, und das nicht nur in Pandemie-Zeiten. Die Bewegungsförderung sei in der Struktur und in den alltäglichen Heim-Abläufen nicht ausreichend verankert, obwohl die körperliche Aktivität ein wichtiger Eckpfeiler zum Erhalt der Mobilität und des Wohlbefindens der älteren Bevölkerung darstellt.

Frasha, A. eta al.

„I Trust in Staff’s Creativity“ – The Impact of COVID-19 Lockdowns on Physical Activity Promotion in Nursing Homes Through the Lenses of Organizational Sociology. Frontiers in Sports and Active Living,
Front. Sports Act. Living 10/2020

Der im Oktober dieses Jahres veröffentlichte Vierte Deutsche Kinder- und Jugendsportbericht bringt es wieder einmal an den Tag, dass es um die körperliche Aktivität der Heranwachsenden sehr schlecht bestellt ist. Demnach erreichen nur 20 % von ihnen das minimal empfohlene Pensum an intensiver körperlicher Bewegung, das heißt mindestens eine Stunde pro Tag, so wie es von der Weltgesundheitsorganisation empfohlen wird. Insbesondere Mädchen gehen aus dem Bericht als besonders bewegungsträge hervor.

Die besonders hohe Zahl an Bewegungsmuffeln bei den Kindern und Jugendlichen erhöht das Risiko für folgenschwere gesundheitliche Beeinträchtigungen, die aus körperlichem Übergewicht entstehen können. Aber auch ein weiteres Problem tut sich laut Aussagen der Sportwissenschaftler auf. Denn der zunehmende Medienkonsum ersetzt bei den Heranwachsenden die körperliche Aktivität.

Immer mehr Zeit wird sitzend vor TV, Handy und PC verbracht, statt sich im Freien oder in der Turnhalle aktiv zu bewegen. Als Folge reduziert sich der Energieumsatz und dadurch sind weitere ungünstige Voraussetzungen für die Entstehung von überflüssigem Körpergewicht gegeben.

Als Ursache für diese alarmierende Entwicklung sehen die Wissenschaftler auch die zunehmenden Betreuungszeiten in den Schulen, wodurch den Kindern und Jugendlichen immer weniger Zeit für Vereinssport und andere bewegungsreiche Freizeitaktivitäten bleibe.

Von einem weiteren interessanten Ergebnis wird berichtet: Die sportliche Aktivität in Vereinen scheint vom sozialen Status der Familie abzuhängen. Je sozial schwächer die familiären Hintergründe sind, desto seltener sind die Familienmitglieder im Verein sportlich aktiv.

Deutscher Kinder- und Jugendsportbericht. Von Kindern und Couchpotatos.
Ärztezeitung 10/2020

Warum fühlen sich viele Menschen der älteren Generation heute jünger als früher? Dieser Frage ging ein Forscherteam aus Finnland nach und untersuchte Menschen im Alter zwischen 75 bis 80 Jahren hinsichtlich ihrer Muskelstärke, ihrer Gehgeschwindigkeit und ihrer Reaktionsgeschwindigkeit.

Das Besondere daran: Die erste Gruppe der Studienteilnehmer war zwischen 1910 und 1914 geboren und die zweite zwischen 1938 und 1943. Mit dieser zeitversetzten Untersuchung wollten die Wissenschaftler Auskunft darüber erhalten, ob die körperliche und mentale Fitness der früheren 75- bis 80-Jährigen gegebenenfalls schlechter war als die der heutigen 75- bis 80-Jährigen.

Auf den ersten Blick bereits zeigte sich dabei, dass der Fitnessgrad der Senioren in der heutigen Zeit eindeutig höher eingestuft werden kann als in den 1980ern. Die gemessenen Werte der heutigen Seniorengruppe fielen eindeutig besser aus, das heißt, sie konnten ein durchschnittlich höheres Gehtempo halten, hatten einen kräftigeren Griff, zeigten eine bessere Muskelkraft und dominierten durch ein höheres Lungenvolumen.

Zurückzuführen sind diese Ergebnisse wohl zum einen auf die besseren Lebensumstände der heutigen Zeit. Dazu gehört beispielsweise der Umstand, dass heute ein gesünderer Lebensstil geführt wird, in dem einer ausgewogenen Ernährung und der sportlichen Aktivität mehr Raum gegeben werden kann.

Auf diese Weise erreichen die Menschen heute bekanntlich nicht nur ein höheres Lebensalter, sondern könnten die höheren Lebensjahre auch in einer besseren körperlichen Verfassung bestreiten als die Menschen vor 30 bis 40 Jahren. Andere positive Verbesserungen im Gesundheitswesen, im beruflichen Umfeld oder bereits in der Bildung würden außerdem zu dieser Entwicklung beitragen, so die Wissenschaftler.

Wer also von mehr gesunden Lebensjahren profitieren möchte, dem ist insbesondere anzuraten, auf eine regelmäßige sportliche beziehungsweise körperliche Aktivität zu achten, für die es übrigens nie zu spät ist.

Koivunen, K. et al.:
Cohort differences in maximal physical performance: a comparison of 75- and 80-year-old men and women born 28 years apart
The Journals of Gerontology 9/2020

Wer viel Sport treibt, der gerät öfter in die Situation, sich zu verletzen. Das geht nicht nur Freizeitsportlern so, sondern insbesondere den Profis. Wissenschaftler der Sport-Uni Bochum haben gemeinsam mit der gesetzlichen Unfallversicherung untersucht, welche Verletzungen beim professionellen Fußballsport dominieren.

Zunächst erfassten sie im Zeitraum von 2014 bis 2017 alle moderaten sowie schweren Verletzungen, die sich im Wettkampfspiel ergeben hatten und mindestens eine Woche Spielausfall zur Folge hatten. Sie griffen dabei unter anderem auf archivierte Filmausschnitte der Deutschen Fußballliga zurück. Parameter wie beispielsweise die Platzbeschaffenheit, die Position und Spielsituation oder die jeweilige Spielminute wurden dabei berücksichtigt. Es wurde festgehalten, um welche Art von Verletzung es sich handelte.

Bei der Auswertung zeigte sich, dass mit 24,3 % Kniegelenkverletzungen dominierten, gefolgt von Verletzungen am Oberschenkel. 19,1 % der Verletzungen betraf das Sprunggelenk, während Körperregionen wie Schulter mit 8,4 % und Kopf mit 7,8 % seltener in Mitleidenschaft gezogen wurden. Letztere ergaben sich verständlicherweise aus Zweikämpfen, bei denen beide Spieler während eines Kopfballs aneinander prallten. Die häufigen Verletzungen am Oberschenkel hingegen ereigneten sich eher kontaktlos.

Der Gegner war meistens nicht der Verursacher einer Verletzung, denn entsprechende Fouls konnten weniger damit in Verbindung gebracht werden. Nicht selten waren es die Betroffenen selber, die sich durch ein eigenes Foulspiel die Verletzung zuzogen. Interessanterweise konnte dem Tackling ein hohes Verletzungsrisiko zugeordnet werden, und zwar für denjenigen, der seinen Gegner mit dieser Methode attackiert hat.

Sehr viele Knieverletzungen sind auf das eigene Tackling zurückzuführen. Um dieses hohe Verletzungsrisiko während eines entsprechenden Zweikampfs zu reduzieren, sollten daher frühzeitig bereits im Jugendsport Vorsorgemaßnahmen im Rahmen eines besseren Techniktrainings geschaffen werden, so die Studienverantwortlichen.

Die Verletzungen, die ohne Körperkontakt eintreten, wie beispielsweise Zerrungen am Oberschenkel, werden häufig durch Überbelastungen verursacht. Hier wäre ein spezielles Lauftraining als Präventionsmaßnahme hilfreich, um den Körper noch besser auf die hohen Belastungen vorzubereiten.

Klein, C. et al.
Nine typical injury patterns in German professional male football (soccer): a systematic visual video analysis of 345 match injuries
British Journal of Sports Medicine 9/2020

Betroffene einer Arthrose leiden unter Schmerzen an den Gelenken, insbesondere im Knie- und im Hüftbereich. Es ist erwiesen, dass eine physiotherapeutische Therapie sehr hilfreich ist, um einerseits die Schmerzen zu lindern und andererseits dafür zu sorgen, dass die Beweglichkeit erhalten bleibt. Eine derartige Bewegungstherapie ist daher mittlerweile fester Bestandteil eines Arthrose-Therapiekonzeptes neben einer empfohlenen Gewichtsreduktion und einer speziellen medikamentösen Therapie.

Laut aktueller Erhebung der Barmer-Versicherung nimmt nur die Hälfte der Arthrosepatienten in Deutschland eine entsprechende Physiotherapie in Anspruch. Demnach haben im Jahr 2016 nur 50 % der 3.564 im Rahmen der Studie ermittelten Arthrosepatienten eine angebotene Physiotherapie umgesetzt. Insbesondere diejenigen, bei denen der Schweregrad der Erkrankung sehr hoch war, nutzten die hilfreiche Bewegungstherapie nicht. Frauen setzten die physiotherapeutischen Maßnahmen häufiger um als Männer.

Da vor allem auch die schwer betroffenen Patienten das Angebot einer Physiotherapie nicht wahrnahmen, sollte zukünftig seitens der Ärzte eine noch bessere Ermutigung erfolgen, damit die bedürftigen Patienten diesen wichtigen Therapieansatz auch tatsächlich nutzen.


Jacobs, H. et al.
Use of physiotherapy in patients with osteoarthritis in Germany– an analysis of a linkage of claims and survey data (from the PROCLAIR project)
Arthritis Care Res 7/2020

Nicht nur die Organe und die dazugehörigen Systeme des menschlichen Körpers werden mit zunehmenden Lebensjahren anfälliger für Krankheiten, sondern auch der Bewegungsapparat und vor allem die Muskulatur können ihre lebensnotwendigen Funktionen verlieren. An einen kritischen Verlust der Muskelmasse und die dazugehörigen Funktionen, einer sogenannten Sarkopenie, scheinen viele Menschen mit dem Älterwerden nicht unbedingt zu denken.

Dabei ist es so wichtig, diesem altersabhängigen Muskelabbau entgegenzuwirken. Erfolgt dieses nicht, bekommen die Betroffenen die Folgen des Muskelabbaus zu spüren: Die Leistungsgrenzen sind schnell erreicht, weil die Muskeln für eine volle Funktionalität nicht mehr so wie in jungen Jahren zur Verfügung stehen.

Sofern die Betroffenen dem Muskelabbau nicht früh genug durch regelmäßige körperliche Aktivität und eine ausgewogene Ernährung entgegenwirken, kann es bei älteren Menschen zu einem jährlichen Schwund der Muskelmasse um circa ein Prozent und einem damit einhergehenden Verlust der Muskelkraft um drei bis vier Prozent kommen. Dieses hat zur Folge, dass sich die Beweglichkeit sowie der allgemeine Gesundheitszustand weiter verschlechtern. Die Mobilität nimmt weiter ab und die Mortalität steigt.

Leider erhalten zu viele betagte Menschen diese Diagnose, die sich vermeiden ließe. Wie die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie berichtet, ist in jedem Alter eine effektvolle Prophylaxe möglich. Regelmäßige körperliche Bewegung und individuelle Trainingsprogramme beugen dem Verlust der Muskelmasse vor und können ihn auch aufhalten. Sobald die lebensnotwendigen Muskeln verloren gegangen sind, ist es sehr viel aufwendiger, diese wieder aufzubauen.

Altersmedizin: „Sarkopenie ist eine der wichtigsten Diagnosen in der Geriatrie“
DGG Pressemitteilung 8/2020

Eine Million Menschen hierzulande ist von der Glaukom-Erkrankung, dem sogenannten Grünen Star, betroffen. Da diese Augenerkrankung den Sehnerv schädigt, gilt sie als häufigste Ursache für das Erblinden der Menschen in Deutschland. Problematisch ist dabei vor allem der Augeninnendruck, welcher bei zu hohen Werten den Sehverlust voranschreiten lässt.

 

Im Rahmen einer sechsjährigen Studie wurden fast 10.000 Männer und Frauen im Alter von 40 bis 81 Jahren beobachtet, wie sich ihre regelmäßige sportliche Betätigung auf das Glaukom-Erkrankungsrisiko und auf den Verlauf des Grünen Stars auswirkt.

 

Im Ergebnis zeigte sich ein eindeutiger Zusammenhang zwischen sportlichen Aktivitäten und einem drohenden Sehverlust durch einen Grünen Star. Wer demnach regelmäßig sportlich aktiv war, konnte sein Erkrankungsrisiko im Vergleich zu inaktiven Menschen reduzieren. Weitere mögliche Einflussfaktoren wie die Ernährungsweise oder ein erhöhter Genuss von Alkohol und Tabak wurden bei der Studienauswertung berücksichtigt.

 

Die Studienverantwortlichen führen die positiven Wirkungen des Sports in diesem Zusammenhang darauf zurück, dass Ausdauersportarten wie das Radfahren oder Joggen kurzzeitig den Augeninnendruck herabsetzen können. Weiterhin führe Sport dazu, dass eine bessere Durchblutung des Sehnervkopfes erfolgt und wichtige Reparaturen von Gehirnnerven angeregt werden. All diese positiven Mechanismen können dazu beitragen, dass Sport der Entstehung eines Grünen Stars vorbeugen und eventuell auch eine bereits vorhandene Erkrankung verzögern kann. Um diese möglichen Hintergründe zu klären, stehen weitere Untersuchungen an.


DOG: Grüner Star und Lebensstil - Sportliche Menschen erkranken seltener an Glaukom
idw-Pressemitteilung 7/2020

Die Funktion unseres Gehirns basiert unter anderem darauf, dass unzählige Nervenzellen zwischen wichtigen und unwichtigen Informationen unterscheiden können. Durch gewisse Trainingstechniken kann eine ergiebige Informationsverarbeitung unterstützt werden. Wissenschaftler konnten jetzt herausfinden, dass sich Meditationsübungen in diesem Zusammenhang besonders förderlich auswirken. Im Rahmen des Meditierens werden die eigene Achtsamkeit und Aufmerksamkeit des eigenen Körpers trainiert.

 

Im Rahmen einer Studie wollten Wissenschaftler nähere Informationen dazu erhalten, welchen Einfluss die meditativen Übungen auf die Netzwerke der Nervenzellen im Gehirn haben. Sie verglichen mithilfe einer sogenannten Magnetencephalographie (MEG) die messbaren Hirnaktivitäten von Menschen, die eine Achtsamkeitsmeditation ausübten, mit solchen, die sich im Ruhezustand befanden. Sie stellten dabei fest, dass durch die Meditationsübungen zahlreiche Gehirnaktivitäten gemessen wurden, die bei den Studienteilnehmern in Ruhe nicht auftraten.

 

Sie kamen zu dem Ergebnis, dass regelmäßige Meditation dazu führt, dass die Nervenzellen die eingehenden Informationen besser verarbeiten können und der Körper sich über das Gehirn besser auf kritische Ereignisse aus der Umwelt einstellen kann. Mit anderen Worten, das Gehirn kann auf diese Weise lernen, eingehende Informationen besser und effektiver zugunsten der eigenen Achtsamkeit zu verarbeiten.


Dürschmid, S. et al.
Self-regulated critical brain dynamics originate from high frequency-band activity in the MEG.
Plos one 6/2020

Kinder und Jugendliche in Deutschland sind bewegungsträge. Die Mindestempfehlung an körperlicher Bewegung lautet eine Stunde pro Tag. Leider schaffen es nur 13 % unseres Nachwuchses, sich entsprechend ausreichend sportlich zu bewegen. Eine aktuelle Studie weist jetzt darauf hin, dass diese Rate bei Kindern mit angeborenem Herzfehler noch ungünstiger ausfällt. Hier sind es nur 8-9 %, die täglich mindestens eine Stunde Sport treiben.

Die Daten von 1.198 Kindern und Jugendlichen mit mehr oder weniger stark ausgeprägtem angeborenen Herzfehler wurden mit den Daten von 3.385 herzgesunden jungen Studienteilnehmern verglichen. Fragebögen zur sportlichen Aktivität, zum gesundheitlichen Zustand und zu den Sportempfehlungen, welche ihnen möglicherweise von den behandelnden Ärzten mit auf den Weg gegeben wurden, wurden näher unter die Lupe genommen.

Bei der Auswertung zeigte sich, dass die allgemeingültige Empfehlung des täglichen Sporttreibens von mindestens einer Stunde vor allem von den herzkranken Kindern nicht erreicht wurde, weil zum einen die Eltern es den Kindern aus Sorge um die Gesundheit nicht zumuten wollen. Zum anderen seien aber auch die übervorsichtigen Empfehlungen vieler betreuender Ärzte dafür mitverantwortlich, dass ihre jungen Patienten es aus Vorsicht vermeiden, ausreichend Sport zu treiben.

Dieser Rat sei laut Aussage der Studienverantwortlichen nicht richtig, weil auch für Kinder und Jugendliche mit angeborenem Herzfehler ein täglicher körperlicher Ausgleich notwendig ist, um das Wohlbefinden zu fördern, Muskeln, Knochen und Abwehrkräfte aufzubauen und die Konzentrationsfähigkeit zu festigen. Sport, allerdings immer in Rücksprache mit dem Arzt, könne sogar helfen, der Entstehung gefährlicher Folgeerkrankungen, die sich aus einem Herzfehler ausbilden können, entgegenzuwirken.

Urschitz, M. et al.
Physical Activity Among Children With Congenital Heart Defects in Germany: A Nationwide Survey
Frontiers in pediatrics 4/2020

Sport zu treiben, wird Menschen jeden Alters empfohlen. Wichtig dabei ist es, die individuell passende Sportart zu finden und diese je nach körperlicher Gesundheit regelmäßig und ausreichend, aber auch in angepasstem Maße durchzuführen. Immer wieder hört man, dass diese oder jene Sportart zu strapaziös für die Knochen und Gelenke sei. US-amerikanische Wissenschaftler wollten genauer wissen, was es mit diesem Gerücht auf sich hat.

Sie untersuchten in einer Langzeitstudie, ob Sportarten wie Joggen und Aerobic zur Schädigung der Kniegelenke führen. Sie stellten fest, dass diese sportlichen Aktivitäten keinen Verschleiß fördern, sondern durchaus von Nutzen sind auch für Freizeitsportler der älteren Generation. An der zehnjährigen Studie nahmen fast 1.200 Teilnehmer mit dem durchschnittlichen Alter von 58 Jahren teil.

Einige Teilnehmer hatten einen BMI (Body-Mass-Index; Körpermassen-Index) von 27 und waren damit etwas übergewichtig. Die meisten Teilnehmer wiesen zu Beginn der Studie ein erhöhtes Arthrose-Risiko auf, entsprechende Symptome an den Knien lagen aber nicht beziehungsweise in nur ganz geringem Maße vor. Die Studienteilnehmer wurden über ihre sportlichen Aktivitäten befragt, insbesondere interessierten die eher strapaziösen Sportarten wie Joggen, Radfahren, Aerobic oder Tennis.

Es zeigte sich, dass etwa 50 % von ihnen keinen Sport trieb. Sie bildeten damit die Referenzgruppe. Nach zehn Jahren nahmen die Wissenschaftler Untersuchungen vor, um einen möglichen Verschleiß der Kniegelenke oder eine eventuelle Arthrose-Entwicklung feststellen zu können.

Im Ergebnis zeigte sich, dass am Ende der Studie zwar 13 % der Probanden einen leichten Kniegelenksverschleiß zeigten, dieser aber nicht auf das Ausüben der genannten Sportarten zurückzuführen war. Diese Sportarten, egal in welcher Intensität, standen in keinem nachweisbaren Zusammenhang mit dem Abnutzen der Kniegelenke.

Auch bei bereits bestehenden Kniegelenkproblemen müsse demnach keinesfalls darauf verzichtet werden, auch dann nicht, wenn die Betroffenen ein paar Pfunde zu viel auf die Waage bringen. Es überwiegen die positiven Wirkungen des Sports auf die Gesundheit. Auch wenn bereits eine Kniegelenkarthrose vorliegt, ist auch langfristig keine zusätzliche Abnutzung der Gelenke zu erwarten. Wichtig ist es, die sportlichen Aktivitäten individuell angepasst und nicht übertreibend auszuüben – ein- bis zweimal pro Woche sollte eine sportliche Betätigung aber mindestens erfolgen, so die Studienverantwortlichen.

Chang, A.H. et al.
Association of Long-term Strenuous Physical Activity and Extensive Sitting With Incident Radiographic Knee Osteoarthritis
Jama Network Open 5/2020

Beauty und ästhetische Medizin

Laut Schätzungen des Bundesinstitutes für Risikobewertung hat jede fünfte Person hierzulande eine Tätowierung. Die unterschiedlichsten Schriftzüge und Ornamente auf der Haut sind nachgefragter denn je, doch sie können auch zu gesundheitlichen Risiken führen, und das nicht nur auf der Haut.

Die Deutsche Herzstiftung berichtet aktuell darüber, dass es bei 0,5 bis 6 % aller Tätowierungen zu einer Infektion kommt, die weitere gesundheitseinschränkende Folgen haben kann. Besonderes Augenmerk müsse dabei auf Patienten einer Herzerkrankung gelegt werden, vor allem, wenn die infektiösen Erreger von der Haut über das Blut in andere Organe gelangen. Problematisch kann es dabei werden, wenn die Keime auch das Herz erreichen.

Es gibt besonders anfällige Patienten, bei denen eine solche Infektion folgenschwer verlaufen könnte, wie beispielsweise Menschen mit einer kranken oder operierten Herzklappe. Eine Entzündung der Herzinnenhaut könnte also auf Umwegen einer Tätowierung folgen. Eine solche Infektion des Herzens muss nicht selten operiert werden und kann auch lebensgefährlich sein.

Verursacht wird die Infektion durch das Einritzen der Haut bei einer Tätowierung, sobald infektiöse Viren oder Bakterien über die kleinen Hautwunden eindringen. Die Erreger können über nicht sterile Tätowierfarben, über Lösungsmittel oder über Keim-belastete Nadeln übertragen werden.

Zwar bleibt eine auf diese Weise ausgelöste Entzündung in der Regel nur auf die Hautpartien um die Wunde begrenzt, doch sofern sie nicht behandelt wird, kann sie sich in Form einer eitrigen Entzündung in tiefere Hautschichten einnisten und über Blut- oder Lymphbahnen im Körper verteilt werden.

Neben der Gefahr einer Infektion riskieren Liebhaber von Tätowierungen auch häufig, dass durch die Farbpigmente und weitere Inhaltsstoffe der verwendeten Lösungen Unverträglichkeitsreaktionen oder Allergien ausgelöst werden. Bekanntermaßen können sich derartige Reaktionen unterschiedlich schwer bemerkbar machen. In schlimmeren Fällen kann es zu einem anaphylaktischen Schock mit verkrampften Atemwegen und erheblichen Beeinträchtigungen des Kreislaufs kommen.

Auch vor diesem Hintergrund wird Patienten mit Erkrankungen des Herzens sowie Allergikern und Personen mit Hauterkrankungen, wie beispielsweise die Schuppenflechte, von einer Tätowierung abgeraten beziehungsweise empfohlen, diese nur mit ganz besonderer Vorsicht und medizinischer Nachbetreuung durchführen zu lassen.

Zu bedenken ist auch die Gefahr, dass sich die kleinsten Pigmentpartikel in den Lymphknoten ablagern, wobei man nicht weiß, ob es dadurch zu Spätfolgen kommen kann. Außerdem verläuft auch die spätere Entfernung einer Tätowierung nicht immer unproblematisch, weil den auf diese Weise gelösten Pigmenten teilweise nachgesagt wird, giftig oder sogar krebsfördernd seien.

Tattoos bergen Risiken – auch fürs Herz
Pressemitteilung 4/2021

Bei vorhandenen rötlich-hautfarbenen, rauen Flecken auf der Hautoberfläche, insbesondere im Gesicht, auf Handrücken, auf den Unterarmen oder auf der kahlen Kopfhaut handelt es sich in den meisten Fällen um eine sogenannte „aktinische Keratose“. Derartige flächenhafte Veränderungen lassen sich nicht immer gut erkennen, doch sie fühlen sich an wie feines Schmirgelpapier.

Aktinische Keratosen werden als frühe Vorstufe eines Plattenepithelkarzinoms angesehen, die auf eine genetische Veränderung beziehungsweise eine Mutation eines bestimmten Gens in den Hautzellen basiert. Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, der Entstehung von derartigen praekanzerogenen Hautveränderungen frühzeitig vorzubeugen, wenn man die Ursachen dafür kennt. Zum größten Teil sind die UV-A- und UV-B Strahlen sowie die Infrarot- und UV-C-Strahlen der Sonne für aktinische Keratosen verantwortlich.

Diese werden von der abnehmenden Ozonschicht weniger resorbiert und prallen ungehindert auf die Hautoberfläche. Als zentrale Vorsorge versteht sich daher ein ausreichender Sonnenschutz in Form von Sonnenschutzcremes, schützender Kleidung und verständlicherweise das Vermeiden von exzessivem Sonnenbaden.

Wichtig ist es, die Aufenthaltsdauer unter direkter Sonneneinstrahlung zu kontrollieren und je nach Hauttyp in Maßen zu halten. Wer sich beruflich viel unter der freien Sonne aufhält, der muss unbedingt auf entsprechende Schutzmaßnahmen achten!

Eine weitere Ursache einer aktinischen Keratose ist eine genetische Vorbelastung – bestimmte Hauttypen und deren Empfindlichkeit sind bekanntermaßen vererbbar. Wenn sich die Betroffenen dann ungeschützt in der Sonne aufhalten, ist das Erkrankungsrisiko stark erhöht. Ebenso scheinen auch Luftverschmutzung, Zigarettenrauchen, eine ungesunde Ernährung sowie Dauerstress die Entstehung einer aktinischen Keratose zu begünstigen.

Um diese Hautveränderung frühzeitig erkennen zu können, sollte regelmäßig ein Hautkrebsscreening genutzt werden, und grundsätzlich sollte jeder seine eigene Haut immer gut im Blick behalten. Laut aktueller Aussagen der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft lässt sich derzeit nicht vorhersagen, inwiefern sich aus einer aktinischen Keratose ein Plattenepithelkarzinom bildet. Hierzu liegen noch keine aussagekräftigen Studienergebnisse vor. Daher sei es für Betroffene umso wichtiger, gemeinsam mit dem Arzt über eine mögliche Therapie zu entscheiden.

Bauer-Delto, A.
Prävention von aktinischen Keratosen intensivieren!
Ärztezeitung 5/2021

Jahr für Jahr liegt die Zahl der Neuerkrankungen für Hautkrebs hierzulande bei etwa 276.000, und über 40.000 dieser Menschen sind sogar von der besonders gefährlichen Variante, dem malignen Melanom, auch als schwarzer Hautkrebs bekannt, betroffen. Diese hohen Erkrankungszahlen sind nicht neu und es ist seit langem erwiesen, dass die Sonnenstrahlung der Hauptverursacher dafür ist.

Vor diesem Hintergrund geben die Deutsche Krebshilfe sowie die Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention e.V. erneut wichtige Hinweise, wie man die Haut vor den Sonnenstrahlen schützen sollte, denn offenbar ist bei vielen Bundesbürgern diesbezüglich immer noch kein verantwortungsvolles Verhalten vorhanden.

Wie in jedem Jahr muss die Haut nach den langen dunklen Monaten langsam wieder an die Sonne gewöhnt werden. Viele haben es vielleicht im vergangenen Monat erfahren müssen, wie sonnenempfindlich dieses Organ zu Beginn der Sonnensaison noch ist. Die Luft war noch relativ kühl und deshalb wurden die ersten Sonnenstrahlen mit ihrem gefährlichen Potential, die meist ungeschützte Haut verbrennen zu lassen, von vielen Sonnenhungrigen gar nicht so bewusst wahrgenommen.

Hier wäre ein körpereigenes Warnsystem notwendig, um die nicht spürbaren, hohen UV-Werte in der Sonnenstrahlung wahrzunehmen. Um dennoch vorbereitet zu sein, lohnt es sich immer, den UV-Index (UVI), also den sonnenbrandfördernden UV-Strahlungswert, beim Bundesamt für Strahlenschutz abzurufen.

Grundsätzlich sollten für einen guten Sonnenschutz die folgenden Grundregeln beherzigt werden. Gerade zu Beginn der Sommersaison und für besonders empfindliche hellhäutige Menschen wird zunächst eine Höchstdauer für ein Sonnenbad von 15 Minuten vorgegeben. Bereits nach dieser kurzen Zeit kann es zu Rötungen und zu schmerzendem Juckreiz der Haut kommen als Indikator für eine zu hohe UV-Dosis. Der eigene Pigmentschutz muss in jedem Frühjahr nach und nach von der Haut neu gebildet werden.

Auch deshalb ist die sonnenentwöhnte Haut jetzt besonders empfindlich. Hinzu kommt, dass in den Frühlingsmonaten die natürliche Ozonschicht in der Atmosphäre noch sehr dünn ist, so dass vermehrt UV-Strahlen den Zugang zu uns finden. Grundsätzlich gilt daher wie gehabt, die direkte Mittagssonne zu umgehen, möglichst schützende Kleidung zu tragen, den Kopf zu bedecken und die Augen mit einer UV-abschirmenden Sonnenbrille zu schützen. Nackte Haut sollte unbedingt mit einem geeigneten Sonnenschutzfaktor eingecremt werden.

S3-Leitlinie Hautkrebsprävention aktualisiert
Pressemitteilung 3/2021

Vor 15 Jahren gab es hierzulande noch erhebliche Mängel bei der Therapie einer Schuppenflechte beziehungsweise Psoriasis-Erkrankung. Bis heute scheint sich jedoch die Versorgung der betroffenen Patienten eindeutig gebessert zu haben, denn schwere Psoriasis-Erkrankungen treten mittlerweile seltener auf beziehungsweise lassen sich optimaler behandeln.

Zu diesem Ergebnis kamen mehrere Studien, in denen bis heute untersucht wurde, ob und inwiefern sich die Therapie und Versorgung der Psoriasis-Patienten verbessert hat. Um 2005 berichteten viele Betroffene noch über eine mangelnde medizinische Versorgung und über zu wenig systemische Therapien. Das scheint sich jedoch bis heute eindeutig gebessert zu haben. Denn Wissenschaftler des Universitätsklinikums Hamburg haben einen aktuellen Vergleich der neuesten Studie zu diesem Thema mit einem vorherigen Studienergebnis aufgestellt.

Über 1.800 Psoriasis-Patienten aus 93 dermatologischen Zentren haben an der letzten Befragung zu ihrem Krankheitsverlauf und zur Lebensqualität teilgenommen. Das sind ähnliche Teilnehmerzahlen wie in den vergangenen Studien. Das durchschnittliche Alter der Studienteilnehmer betrug 51 Jahre. Im Ergebnis zeigte sich, dass die Betroffenenzahl einer schweren Psoriasis-Erkrankung von 18 % auf 7 % abgenommen hat. Auch die Anzahl der Teilnahme an einer systemischen Therapie hat seit 2005 von 33 auf 58 % zugenommen, was zur Folge hatte, dass die Anzahl der stationären Behandlungen von Psoriasis-Patienten um 9 % reduziert werden konnte.

Zurückzuführen sei laut Aussagen der Studienverantwortlichen diese positive Entwicklung in der Psoriasis-Therapie unter anderem darauf, dass es mittlerweile ein erfolgreiches Psoriasis-Netzwerk gäbe, spezielle Behandlungs-Leitlinien aufgestellt wurden und es auch grundsätzlich mehr Einigkeit bezüglich möglicher Therapieansätze und Behandlungsziele gäbe. Wichtig sei es dabei, dass diese gemeinsamen Erkenntnisse dem Patienten auch effektiv angeboten würden.

Langenbruch, A. et al
Quality of psoriasis care in Germany – results from the nationwide health care studies PsoHealth 2004‐2017
JEADV 3/2021

Immer mehr Menschen reagieren auf bestimmte Einflüsse oder Verhaltensweisen mit einer juckenden, brennenden oder prickelnden Haut. Um herauszufinden, welche Faktoren dabei eine besondere Rolle spielen, hat ein französisches Forscherteam über 10.000 Menschen aus fünf verschiedenen Nationen über die Auslöser der empfindlichen Haut befragt.

Etwa die Hälfte der aus Brasilien, China, Frankreich, Russland und den USA stammenden Studienteilnehmer hatte unter einer empfindlichen Haut zu leiden, es handelte sich dabei zu 55 % um Frauen und zu 47 % um Männer. Die Forscher erhofften sich von der Studie, die bereits bekannten und möglicherweise auch noch unbekannten Verursacher einer empfindlichen Haut verifizieren zu können.

Mit der Auswertung der Fragebögen stellte sich heraus, dass ein wichtiger Einflussfaktor für die Haut die allgemeine Luftverschmutzung zu sein scheint. 63 % der hautempfindlichen Personen gaben sie als wichtigen Verursacher an. 58 % von ihnen nannten Kosmetika als Grund dafür, dass sich Pickel, Pusteln oder gar Hautrötungen bildeten.

Interessanterweise brachte die Befragung aber auch anderweitige Faktoren, die eine empfindliche Haut triggern, zum Vorschein: So erwähnten 65 % der ersten Teilnehmergruppe eine empfindliche Hautreaktion auf Müdigkeit, 58 % auf Staub, 54 % auf Körperschweiß, 44 % auf einzelne Nahrungsmittel und 40 % auf Zigarettenrauch.

Weiterhin konnten als mögliche Verursacher hormonelle Veränderungen in einer Schwangerschaft oder während der Periode genannt werden. Frauen in der Menopause scheinen jedoch keine zunehmend empfindliche Haut zu verspüren. Etwa die Hälfte der Studienteilnehmer wies darauf hin, dass ihre Haut bei stärker ausgeprägten Schlafstörungen sehr viel empfindlicher reagiere. Und über 65 % gaben an, dass eine allgemeine Müdigkeit die Hautempfindlichkeit in die Höhe schnellen ließe. Damit scheint dieser Einflussfaktor häufiger zuzutreffen als der Gebrauch bestimmter Kosmetika.

Die Wissenschaftler nehmen an, dass es bei schlechtem Schlaf und der daraus resultierenden Müdigkeit zu einer Störung bestimmter Nervenfasern kommt, welche sich direkt unter der Haut befinden. Dieses führe dazu, dass sich die Empfindlichkeit der Haut steigere und zu den unangenehmen Reaktionen führen könnte.

Misery, L. et al.
Relationship between sensitive skin and sleep disorders, fatigue, dust, sweating, food, tobacco consumption or female hormonal changes: Results from a worldwide survey of 10 743 individuals
JEADV 2/2021

Man sieht sie überall, die Spender mit Desinfektionsmitteln. In Zeiten der Covid-19-Pandemie hat diese alkoholische Lösung nicht nur im öffentlichen Leben Hochsaison, sondern sollte auch in die häusliche Körperpflege integriert sein.

Wissenschaftler aus Frankreich haben nun feststellen können, dass dieses häufige Alltagsutensil nicht immer dorthin gelangt, wo es benötigt wird. Leider wird es insbesondere bei Kindern nicht nur auf der Hautoberfläche der Hände verrieben, sondern landet unbeabsichtigt auch in Kinderaugen.

Aus einer Nachverfolgung von dokumentierten Augenverletzungen in dem Zeitraum von April bis August letzten Jahres geht hervor, dass sich die Zahl der Augenverletzungen durch alkoholhaltige Handdesinfektionsmittel um das Siebenfache erhöhte. Grund dafür sei es vor allem, dass die Desinfektionsspender häufig in Kinderaugenhöhe angeboten werden.

Die auf diese Weise hervorgerufenen Verletzungen äußerten sich in Form von Kribbeln, Schmerz, Bindehautrötung und in schwerwiegenderen Fällen durch Hornhautentzündungen. Um diese unnötigen Beeinträchtigungen und Augenverletzungen zu vermeiden, sollten entsprechende Spender mit Desinfektionsmitteln auf Alkoholbasis nicht auf Kinderaugenhöhe platziert und im privaten Bereich den Kindern unbedingt unzugänglich aufbewahrt werden.

Martin, G.C. et al.
Pediatric Eye Injuries by Hydroalcoholic Gel in the Context of the Coronavirus Disease 2019 Pandemic
JAMA Ophthalmol. 1/2021; 139(3): 348-351.

Rötliche oder hautfarbene rauhe Flächen auf der Haut können auf eine aktinische Keratose hinweisen, bei der es sich um eine Vorstufe von Hautkrebs handelt. Es gibt einige Ansätze zur frühzeitigen Therapie dieser Hautveränderung, die durch zu viel UV-Licht hervorgerufen werden kann.

Wissenschaftler aus Schottland haben nun herausgefunden, dass eine sogenannte Mikrowellentherapie erfolgreich sein kann. Die energiereichen Mikrowellen können in die Haut eindringen und damit die betroffenen Hautzellen zum Positiven verändern. Die Mikrowellentherapie findet auch bereits ihren Einsatz bei der Behandlung von Warzen und einigen anderen Krebserkrankungen.

Im Rahmen der Studie wurden Patienten einer aktinischen Keratose zunächst für drei Sekunden in einer 3er-Folge mit Mikrowellen bestrahlt. Dabei wurde die Stärke der Mikrowellen bei einzelnen Patienten unterschiedlich dosiert. Alle Patienten wiesen an mehreren Stellen eine aktinische Keratose auf, die auch bereits mit anderen Therapieansätzen wie Kältetherapie und dem Einsatz unterschiedlicher Cremes behandelt wurde. Die Mikrowellentherapie wurde nach etwa einem Monat wiederholt.

Bei der Auswertung zeigte sich eine sehr hohe Erfolgsquote der Mikrowellentherapie. Bei 87 % der Studienteilnehmer war bereits am Ende der Studie ein Erfolg zu erkennen. Diese Quote nahm nach 120 Tagen sogar zu, sodass dann sogar 90 % von der Therapie profitierten. Für weitere therapeutische Ansätze sind vergleichende Studien notwendig, um diesen alternativen Therapieansatz zukünftig erfolgreich einsetzen zu können.

Jackson, D.N. et al.
A feasibility study of microwave therapy for precancerous actinic keratosis.
Br J Dermatol 8/2020; 183: 222-30.

Viele Teenager finden in den sozialen Netzwerken Mitbetroffene einer Akne und folgen Hilfe suchend Bloggern auf YouTube, Instagram & Co. Wie eine US-amerikanische Studie jedoch herausgefunden hat, sind die Ratschläge, die dort von den oftmals selbsternannten Fachleuten gegeben werden, alles andere als hilfreich und entsprechen vor allem nicht den gültigen medizinischen Leitlinien.

Im Rahmen einer Studie wurden Patienten, die bereits in einer Klinik behandelt wurden, über die Nutzung von sozialen Medien befragt. Besonderes Interesse wurde in dem Fragebogen auf die Nutzung von sozialen Medien gelegt, im Speziellen, wie häufig entsprechende Plattformen und Blogger zum Thema „Hautunreinheiten“ aufgerufen wurden.

Schon schnell zeigte sich, dass fast die Hälfte der Studienteilnehmer, bei denen es sich vorrangig um Jugendliche mit intensiv ausgeprägter Akne handelte, bereits häufiger Rat in entsprechenden Social-Media-Kanälen gesucht hatten, und zwar am häufigsten bei YouTube und Instagram. Junge Frauen nutzen diese Plattform weitaus häufiger als junge Männer.

Die Wissenschaftler nahmen die Ratschläge, die den Betroffenen online gegeben wurden, näher unter die Lupe und stellten fest, dass nur etwa 30 % der Empfehlungen den offiziellen Leitlinien zur Behandlung einer Akne entsprachen. Entsprechend besorgniserregend sei es, dass etwa 80 % der Empfänger die Online-Tipps tatsächlich umgesetzt hätten, so die Studienverantwortlichen, obwohl es keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege dafür gab, dass die Maßnahmen eine Akne erfolgreich behandeln könnten.

Vor diesem Hintergrund war es dann auch nicht verwunderlich, dass die Online-Ratschläge bei lediglich 7 % der Ratsuchenden zum gewünschten Erfolg führten und die Hautunreinheiten reduzierten. Die Wissenschaftler räumen ein, dass die Erfolgsquote von entsprechenden Blogger-Tipps bei einer eher leicht ausgeprägten Akne möglicherweise etwas höher sein könnte. Dennoch sprechen sie eine Warnung darüber aus, die oftmals unvollständigen und unkorrekten Empfehlungen unkritisch umzusetzen. Ein realer Besuch beim Haus- oder Hautarzt sei den Online-Angeboten unbedingt vorzuziehen.

Yousaf, A. et al.
The influence of social media on acne treatment: A cross‐sectional survey.
Pediatric Dermatology 1/2020

Das Bundesministerium für Risikobewertung (BfR) hat die regelmäßige Nutzung von Deodorants mit Aluminiumsalzen aus der Diskussion bezüglich einer möglichen gesundheitlichen Beeinträchtigung genommen, weil sie laut dem Ergebnis einer neueren Studie den Körper offensichtlich nicht so sehr belastet, wie man es bisher angenommen hatte.

Die Wirkung der Aluminiumsalze beruht darauf, dass sie die Hautporen zur Verminderung der Schweißbildung verschließen und zusätzlich eine Verbindung mit den Eiweißen im Schweiß eingehen, um die Bildung des unangenehmen Geruchs zu reduzieren. Aluminiumhaltige Deos standen bisher stark unter Beschuss, weil angenommen wurde, dass sich durch ihre Anwendung zu große Aluminiummengen im Körper ansammeln.

Im Rahmen einer Studie, bei der unter anderem die Blut- und Urinkonzentrationen an Aluminium im Zusammenhang mit der Verwendung von aluminiumhaltigen Deos gemessen wurde, zeigte sich nun, dass über die Haut bei Weitem nicht so viel Aluminium aufgenommen wird, wie bisher angenommen. Von der Menge, die äußerlich aufgetragen wurde, analysierten die Wissenschaftler im Körper lediglich 0,00192 %.

Vor diesem Hintergrund bewertete das BfR das gesundheitliche Risiko neu und begründete damit seine aktuelle Entwarnung. Auch wenn Deo-Sprays angewendet würden, führe die zusätzlich möglicherweise eingeatmete Menge nicht zu bedenklichen Werten im Körper. Neben dem Einsatz von Aluminiumsalzen in Kosmetika müsse man auch andere Quellen wie beispielsweise Lebensmittel mit möglicherweise enthaltenen aluminiumreichen Zusatzstoffen oder das Trinkwasser im Blick behalten, so das BfR.

Neue Studien zu aluminiumhaltigen Antitranspirantien: Gesundheitliche Beeinträchtigungen durch Aluminium-Aufnahme über die Haut sind unwahrscheinlich
BfR-Stellungnahme 7/2020

Die Diagnose eines bösartigen Hauttumors hat für den Patienten in der Regel einen operativen Eingriff zur Folge. Eine US-amerikanische Studie hat ergeben, dass es in manchen Fällen sinnvoll ist, sich eine zweite Diagnose einzuholen, denn in jedem zehnten Fall der teilnehmenden Probanden konnte eine weitere Untersuchung die Erstdiagnose nicht bestätigen, sodass eine Operation doch nicht notwendig war. 

Im Rahmen der Studie wurden die Erstbefunde, die durch eine Biopsie ermittelt wurden, von über 350 Patienten eines vermeintlichen Melanoms durch eine weitere Gewebeprobe begutachtet. Diese beiden Befunde wurden miteinander verglichen. Bei der Auswertung zeigte sich, dass bei 10,3 % der Studienteilnehmer die erste Diagnose nicht bestätigt werden konnte.

Außerdem wies die Studie auf, dass bei 31,6 % der Patienten mittels Zweitdiagnose eine abweichende Art von Hautkrebs diagnostiziert wurde. Diese abweichenden Befunde führten dazu, dass bei 8,9 % eine veränderte Therapie ausgewählt wurde. Bei 87,5 % kamen die Ärzte aufgrund des Zweitbefundes zu dem Entschluss, auf einen operativen Eingriff zu verzichten.

In einigen wenigen Fällen fiel der Zweitbefund schlechter aus, sodass die betroffenen Hautpartien großzügiger entfernt werden mussten als zuvor ermittelt.

Lohmann, M.E. et al.
Impact of second-opinion dermatopathology reviews on surgical management of malignant neoplasms
J. Am. Journal of Dermatol. 12/2020

Die Empfehlung, sich mindestens 20 Sekunden die Hände zu waschen, um sich effektiv vor unerwünschten Krankheitserregern und insbesondere aktuell vor dem Covid-19-Virus zu schützen, scheinen die meisten Bundesbürger zu beherzigen und auch in die Tat umzusetzen.
Zu diesem Ergebnis kam eine Erhebung der Universität Erfurt in Kooperation mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA), die anlässlich des „Welthändewaschtages“ im Oktober letzten Jahres veröffentlicht wurde.

Demnach sind 92 % der Menschen hierzulande darüber informiert, wie wichtig diese Schutzmaßnahme ist und 81 % seifen und spülen ihre Hände mindestens 20 Sekunden lang. Somit kann bei einem Großteil der Bevölkerung grundsätzlich angenommen werden, dass die ungewaschenen Hände offensichtlich über ihren Kontakt mit Gesicht und Schleimhäuten eher nicht für die Ausbreitung der Pandemie verantwortlich gemacht werden können.
Es sei besonders wichtig, dass die Bundesbürger dieses hygienebewusste Verhalten beibehalten und unbedingt mehrmals täglich durchführen, weil es im Alltag zu zahlreichen eher unbewussten Situationen kommt, wie beispielsweise am Ampel-Drückknopf oder an der Bus-Stop-Taste, in denen es die möglichen Krankheitserreger ohne das Händewaschen besonders leicht hätten, sich von Wirt zu Wirt zu übertragen.

Die meisten Bürger waschen Hände 20 Sekunden lang wie empfohlen
Ärztezeitung 10/2020

In den vergangenen Monaten der COVID-19-Pandemie sah man sie immer häufiger in den Gesichtern von vielen Menschen als Alternative zu den unbequemen und unpraktischen Stoff- bzw. Einwegmasken. Viele Anhänger derartiger Klarsichtmasken entschieden sich auch aus ästhetischen und modebewussten Gründen dafür, um dem Gegenüber freien Blick auf das eigene Erscheinungsbild bieten zu können.

Wie Untersuchungen von Medizintechnikern jedoch nun ergeben haben, bieten die Klarsichtmasken in Sachen Infektionsschutz keine gleichwertige Alternative zu den konventionellen Masken.

Gegenstand der Untersuchung war eine Maske, die am häufigsten zum Einsatz kommt. Mit Hilfe von Tests zur Aerosolausbreitung konnte dabei ganz klar aufgezeigt werden, dass sich die Ausbreitung der Aerosole beim Ausatmen oder Husten als sehr grenzwertig erwies. Insbesondere in geschlossenen Räumen wie auch in öffentlichen Verkehrsmitteln geben sie den Trägern keinen ausreichenden Schutz, so wie es die konventionellen Masken tun. Tatsächlich konnte in den Versuchen bewiesen werden, dass die Ausatmungsluft nicht nur entlang des Körpers abwärts, sondern nach kurzer Zeit vor allem in den Bereich vor der Maske strömt. Das hat zur Folge, dass die Person gegenüber diese Luft schnell „vorgesetzt“ bekommt. Entsprechend folgenschwer wäre auch der Aufenthalt in einem geschlossenen Raum, in dem sich diese Aerosolwolke noch leichter verbreiten kann.

Vor diesem Hintergrund wird seit Ende letzten Jahres ausdrücklich von dem Tragen dieser Klarsichtmasken abgeraten. Auch wenn sich hinter ihnen ein schönes Gesicht oder freundliches Lächeln zu erkennen gibt, sollte ihnen keinesfalls der Vorzug gewährt werden.

Fürst, M.
Eignen sich Klarsichtmasken für den Infektionsschutz?
Pressemitteilung Hochschule München 12/2020

Ein regelmäßiger Besuch von Sonnenbänken ist für die Hautgesundheit bekanntermaßen risikobehaftet. Eine aktuelle US-amerikanische Studie liefert erneut wichtige Hinweise auf ein entsprechend erhöhtes Hautkrebsrisiko.

Im Rahmen der Untersuchungen wurden die Daten von 110 Patienten analysiert, die zwischen den Jahren 1996 und 2019 aufgrund mehrerer primärer Melanome behandelt worden waren. Diese Analysen wurden mit den Daten von 220 Patienten verglichen, die bis zu diesem Zeitraum aufgrund „nur“ eines Melanoms therapiert wurden.

Fokussierten sich die Wissenschaftler auf die Frage der Häufigkeit eines Solariums-Besuches, so stellten sie fest, dass etwa 33 % derjenigen Studienteilnehmer, die bereits aufgrund mehrerer Hauttumore in Behandlung waren, häufiger als zehnmal Solarien besucht hatten, während es bei den Betroffenen eines Primärmelanoms lediglich 10 % waren.

Um genauere Werte zu erhalten, die Auskunft über das gesundheitliche Risiko von Sonnenbänken geben, wurden die übrigen Risikofaktoren wie Alter, familiäre Vorbelastung, Sonnenbäder im Freien oder das Vorhandensein untypischer Muttermale bewertet und in die Berechnung einbezogen. Im Ergebnis zeigte sich, dass das Risiko für die Ausbildung mehrerer Melanome bei über zehn Solarien-Besuchen um das Vierfache erhöht war.

Sicherlich müssten weitere Studien klären, ob das Klientel von Solarien nicht grundsätzlich auch zu den Sonnenanbetern gehörten und sich entsprechend zuvor bereits häufiger im Freien Sonnenbrände zugezogen hatten. Dennoch weisen die Studienverantwortlichen darauf hin, dass sich Risikopatienten bezüglich der (künstlichen) Sonnenbräunung zurückhalten und grundsätzlich auf ausreichenden Sonnenschutz achten sollten.

Karapetyan, L. et al.
Indoor tanning exposure in association with multiple primary melanoma
ACS Journals 11/2020

Die Covid-19-Pandemie beansprucht den Einsatz von medizinischem Personal enorm. Nicht nur physisch und psychisch wird viel abverlangt, sondern auch äußerlich hinterlässt die Arbeit gegen das Virus seine Spuren. Im Rahmen einer Studie wurde festgestellt, dass die Haut unter den strengen Hygienevorschriften stark leidet, vor allem durch das häufige Einseifen und Desinfizieren der Hände. Auch das Tragen einer permanenten Schutzausrüstung im Beruf trägt dazu bei, dass vermehrt Hautprobleme zu verzeichnen sind. 

An 11 Gesundheitszentren wurden die Daten von über 330 Menschen, die zwischen April und August aufgrund von aufgetretenen Problemen mit der Haut behandelt wurden, näher unter die Lupe genommen. Bei den meisten der Studienteilnehmer handelte es sich um Personal im Medizinbereich, die in regelmäßigem Kontakt mit Patienten standen und somit den verstärkten Hygienevorschriften unterlagen.

Bei der Auswertung zeigte sich, dass nahezu alle Hautveränderungen bei den Studienteilnehmern auf deren berufliche Tätigkeit zurückzuführen war: Fast 60 % litten unter Hautreizungen an den Händen, der sogenannten irritativen Kontaktdermatitis. Bei 12 % hatte sich ein atopisches Ekzem ausgebildet, und bei 7 % konnte man sogar von allergisch bedingten Reizungen der Haut sprechen. Interessanterweise blieb auch das permanente Tragen von Schutzmasken nicht ohne Folgen für die Haut. Fast 14 % der untersuchten Teilnehmer zeigten als Folge eine Akne und bei etwa 3 % entwickelte sich eine Rosazea-Erkrankung im Gesicht.

Die Studienverantwortlichen nehmen an, dass die warme hohe Luftfeuchtigkeit unter der Maske das Wachstum von Bakterien fördere. Die Forscher bestätigten zudem Ergebnisse vorheriger Studien, wonach das Händewaschen mit Seife das Hautbefinden mehr reize als die Verwendung von Desinfektionsmitteln mit alkoholischen Gelen.

O’Neill, H. et al.
Occupational dermatoses during the Covid-19 pandemic: a multicentre audit in the UK and Ireland.
BJD 10/2020

Immer wieder wird diskutiert, ob und welche Lebensmittel die Entstehung einer Akne fördern. Seitens der Ernährungswissenschaft wurden im Rahmen einer Fortbildungswoche für praktische Dermatologie und Venerologie Angaben zur tatsächlichen Faktenlage gemacht. Teilweise werden bislang Ernährungsempfehlungen gegeben, die wissenschaftlich nicht eindeutig gesichert sind.

Fest steht, dass Lebensmittel mit einem hohen Gehalt an überzuckerten Kohlenhydraten zu einer Verschlimmerung einer Akne-Erkrankung führen. Denn ihr Verzehr fördert überhöhte Blutzuckerwerte und verstärkt über das Stoffwechselhormon Insulin die Funktion spezieller Eiweißkomplexe, die sich nachteilig auf eine Akne auswirken.

Aus wissenschaftlicher Sicht wird auch ein hoher Milchkonsum mit einem größeren Akne-Risiko in Verbindung gebracht. Der Empfehlung, möglichst auf den Verzehr von fettreduzierter Milch zu verzichten, liegen hingegen keine Studienbelege zugrunde. Von Molkenprotein-Konzentrationen, die beispielsweise auch zum Muskelaufbau im Bereich des Kraftsports verzehrt werden, wird aufgrund der Faktenlage bei einer Akne abgeraten. Diese Eiweißverbindungen triggern nachweislich die Aktivität der Talgdrüse und verschlechtern damit eine Akne zusätzlich.

Zur geltenden Empfehlung, das allgemeine Hautbild durch Omega-3-Fettsäuren verbessern zu können, ist die Beweislage noch etwas lückenhaft. Ebenso beim Verzehr von Alkohol gibt es nach wie vor die Diskussion, dass dieser zum Anstieg bestimmter Hormone führt und auch das Auftreten von speziellen Bakterien in der Hautflora fördert. Beide Prozesse könnten sich nachteilig auf eine Akne-Erkrankung auswirken.

Beim Kaffee- und Schokoladenkonsum gibt es ebenso Verzichtsempfehlungen, die nicht ausreichend wissenschaftlich belegt sind. In Maßen genossen scheint sein negativer Einfluss auf die Entstehung von aknebedingten Pickeln und Pusteln nicht so groß zu sein wie bisher angenommen.
Lux, S.
Mythen und Fakten. Welche Ernährung Akne verschlimmert
Ärztezeitung 7/2020

Immer mehr Menschen ab 65 sind von einer Psoriasis-Erkrankung betroffen. Offensichtlich gibt es jedoch bei diesen Senioren bezüglich der Therapie andere Probleme als bei jüngeren Patienten einer Schuppenflechte. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse von über 31 Studien mit beinahe insgesamt 40.000 Studienteilnehmern.

Demnach scheinen weitere Krankheiten, die im Alter häufiger auftreten, sowie die damit verbundene Medikamenteneinnahme Einfluss auf die Therapie einer Schuppenflechte zu haben und diese damit komplizierter zu gestalten. Hinzu kommt, dass im höheren Alter einzelne Organe nicht mehr so funktionieren wie in jüngeren Lebensjahren. Auch diese Beeinträchtigung könnte sich nachteilig auf eine Psoriasis-Therapie auswirken.

Die Studienverantwortlichen weisen darauf hin, dass es bei einem Großteil der Psoriasis-Medikamente keine signifikanten Wirksamkeitsunterschiede bei den jüngeren und älteren Patienten gäbe. Bei einigen Medikamenten sei es häufiger zu Nebenwirkungen wie Übelkeit oder ungünstigere Leberwerte gekommen. Der Therapieerfolg und die Sicherheit des Medikaments seien dadurch jedoch weniger gefährdet. Vereinzelt wurde bei den Über-65-Jährigen infolge einer Medikamenteneinnahme die Funktion der Niere beeinträchtigt oder es wurden höhere Blutfettwerte gemessen.


Trotz dieser vereinzelten Nebenwirkungen einer Psoriasis-Therapie im höheren Alter sollte nicht von einer entsprechenden Behandlung abgesehen werden. Es sei jedoch wichtig, diese begleitenden möglichen Gesundheitseinschränkungen bei der Therapie im Blick zu haben, um individuelle Therapieempfehlungen geben zu können. Da die Datenlage diesbezüglich aber noch sehr unzureichend ist, seien zudem weitere Studien für diese Altersgruppe notwendig.
van Winden, M. et al.


Effectiveness and Safety of Systemic Therapy for Psoriasis in Older Adults: A Systematic Review.
JAMA Dermatol 8/2020

Viele Menschen, die unter freiem Himmel arbeiten wie beispielsweise Landwirte, Bauarbeiter, Gartenbauer, Straßenreiniger oder Sicherheitspersonal haben ein nachweislich erhöhtes Risiko, am Basalzellkarzinom zu erkranken. Laut Ergebnis einer aktuellen Studie bleibt eine beruflich bedingte erhöhte UV-Strahlenexposition nicht ohne Folgen für die „Outdoor Worker“.

Ihr Risiko für einen Basaliom sei demnach um das Doppelte erhöht im Vergleich zu den Arbeitnehmern, die in Innenbereichen tätig sind. Vor dem Hintergrund dieses Studienergebnisses wird nun gefordert, diese Krebsart als entsprechende Berufskrankheit anerkennen zu lassen. Wichtig für die Aufnahme in einen derartigen Katalog ist die Voraussetzung, dass die jeweilige Erkrankung, um die es geht, bei den entsprechenden Berufstätigen doppelt so häufig eintritt wie in den anderen Bevölkerungsgruppen.

Ausschlaggebend für das stark erhöhte Krebserkrankungsrisiko ist es wohl, dass die Outdoor-Worker innerhalb von 15 Jahren bereits so hohen UV-Dosen ausgesetzt sind, die andere Menschen erst in durchschnittlich 60-70 Jahren erreichen.

Jährlich gibt es hierzulande laut Aussagen des Robert-Koch-Institutes etwa 230.000 Neuerkrankungen an hellem Hautkrebs. Zeitgleich gehen etwa 8.000 Fälle bei der gesetzlichen Unfallversicherung ein, bei denen als Ursache eine beruflich bedingte erhöhte UV-Belastung angenommen wird.

Bauer, A. et al.
Basal cell carcinoma risk and solar UV exposure in occupationally relevant anatomic sites: do histological subtype, tumor localization and Fitzpatrick phototype play a role? A population-based case-control study
Journal of Occupational Medicine and Toxicology 9/2020

Dass Friseure, die regelmäßig mit Haarfärbemitteln in Kontakt kommen, möglicherweise einem erhöhten Risiko für Krebserkrankungen ausgesetzt sind, konnte in der Vergangenheit bestätigt werden. Deshalb hat die International Agency for Research on Cancer (IARC) einen ständigen beruflichen Kontakt mit oxidativen Haarfärbemitteln als „möglicherweise karzinogen“ eingestuft. Wie sieht es aber für die Personen selbst aus, bei denen die Haarfarbe aufgetragen wird? Hierzu wird laut IARC die Datenlage bisher für „nicht klassifizierbar“ eingestuft.

Vor diesem Hintergrund haben Wissenschaftler aus Boston im Rahmen einer Langzeitstudie die Daten von fast 120.000 Frauen bezüglich derer Nutzung von Haarfärbemitteln über einen Zeitraum von 36 Jahren dokumentiert und ausgewertet, um mögliche Zusammenhänge zwischen einer Krebserkrankung und dem Gebrauch von Haarfärbemitteln aufzuspüren.

Insgesamt traten bei etwa 23.000 der Studienteilnehmerinnen innerhalb des Studienzeitraums Krebserkrankungen auf. Es zeigte sich jedoch, dass diese Tumore nicht auf die Nutzung von Haarfärbemitteln basierten. Wie oft, wie lange und ob überhaupt die Haare gefärbt wurden, waren demnach für das Auftreten einer Krebserkrankung nicht erheblich.

Eine minimale Verbindung zur Entstehung eines Mammakarzinoms und Eierstockkarzinomen konnten die Forscher jedoch feststellen, denn je häufiger die Haarfärbemittel angewendet wurden, desto geringfügig höher war das Risiko, an diesen beiden Krebsarten zu erkranken: Pro 50 Anwendungen von entsprechenden Haarfärbemitteln stieg das Erkrankungsrisiko um maximal 2 % an.

Bei den hellhaarigen Teilnehmerinnen war ein leicht erhöhtes Risiko für Basalzellkarzinome festgestellt worden, und eine bestimmte Form einer Krebserkrankung an den Lymphen häufte sich bei dunkelhaarigen Frauen. Grundsätzlich waren diese Werte jedoch minimal gering. Zudem konnten die Wissenschaftler keinen Einfluss auf andere Krebsarten feststellen, so dass derzeit für die Anwenderinnen Entwarnung bezüglich der Kanzerogenität von Haarfärbemitteln gegeben werden kann.

Die Studienverantwortlichen weisen darauf hin, dass heutige angebotene Haarfärbemittel außerdem im Vergleich zu früher rezepturmäßig überarbeitet seien und bestimmte Färbemittel, die noch vor 30 Jahren erlaubt waren, heute aufgrund einer möglichen Kanzerogenität verboten seien. Auch vor diesem Hintergrund könne zunächst Entwarnung gegeben werden, auch wenn in diesem Bereich weiterer Forschungsbedarf besteht.

Zhang, Y. et al.
Personal use of permanent hair dyes and cancer risk and mortality in US women: prospective cohort study.
BmJ 9/2020

Immer wieder wird diskutiert, ob der Verzehr von hohen Mengen an Fett und Zucker das Auftreten einer Akne im Erwachsenenalter begünstigt. Eine französische Studie, in der die Ernährungsgewohnheiten von etwa 25.000 Personen diesbezüglich näher untersucht wurden, deutet auf einen direkten Zusammenhang zwischen einem Fett- beziehungsweise Zuckerkonsum und einer Akne-Entstehung hin.

Demnach steige das Risiko für die Pusteln mit jeder fett- und zuckerhaltigen Essensportion sogar um etwa 50 %. Lebensmittel mit einem hohen Kaloriengehalt sowie einem hohen Anteil an Kohlenhydraten und gesättigten Fetten lassen das Akne-Risiko nachweislich in die Höhe schnellen. Dieses Ergebnis lehnt sich an frühere Studien zu diesem Thema an.


Somit kann die westliche Ernährung, die durch die Kennzeichen wie „zuckerreich“, „fettreich“ und „besonders kuhmilchlastig“ beschrieben wird, mit dem häufigen Auftreten einer Akne im Erwachsenenalter in Verbindung gebracht werden. Für spezielle Ernährungsempfehlungen bei einer entsprechenden Akne sind weitere Studien notwendig, so die Wissenschaftler.


Penso L. et al.
Association Between Adult Acne and Dietary Behaviors Findings From the NutriNet-Santé Prospective Cohort Study.
JAMA Dermatol. 6/2020; 156(8): 854-8.

Wie wichtig ein täglicher Sonnenschutz unter anderem durch das Cremen von Sonnencremes ist, bedarf keiner weiteren Erklärungen. Insbesondere für Personen mit sonnenempfindlicher Haut sind diverse Sonnenschutzmaßnahmen unabdingbar, um sich vor die UV-Strahlen und dementsprechend vor Hautkrebs zu schützen. Laut Ergebnis einer aktuellen Studie führt ein intensiver Sonnenschutz nicht dazu, dass als Folge ein Mangel an Vitamin-D entwickelt wird. Für die körpereigene Produktion von Vitamin-D ist bekanntlich die UV-B-Strahlung von Nutzen.


Die Daten von fast 2.400 hellhäutigen Menschen im Alter zwischen 20 und 59 Jahren flossen in die Studie ein. Die Sonnenempfindlichkeit von 424 Studienteilnehmern wurde als besonders sonnenempfindlich eingestuft. Anhand der Blutwerte wurde bei allen Teilnehmern der Vitamin-D-Status bestimmt.
Die Auswertung ergab, dass sich sowohl bei den sonnenunempfindlicheren als auch bei den empfindlicheren Teilnehmern zu 16 beziehungsweise 19 % ein Vitamin-D-Mangel zeigte. Dieser Mangel sei jedoch nicht auf das häufigere Auftragen von Sonnencreme oder die Nutzung weiterer Sonnenschutzmaßnahmen, wie beispielsweise das Aufhalten im Schatten, zurückzuzuführen.


Die sonnenempfindlichen Personen hatten sich nachweislich mehr vor der Sonne geschützt, dennoch lag ihr Vitamin-D-Wert nicht signifikant unter dem Wert der eher ungeschützten sonnenunempfindlichen Gruppe. Auch weitergehende Analysen bestätigen, dass bei beiden Gruppen die Werte bezüglich des Vitamin-D-Status nahezu identisch waren.


Die Wissenschaftler betonen daher, dass keinesfalls auf einen Sonnenschutz verzichtet werden sollte, um einem Vitamin-D-Mangel vorzubeugen. Es gäbe sogar Studienhinweise, dass eine sonnenempfindliche Haut mit weniger UV-Strahlung auskommt, um ausreichend Vitamin-D zu bilden.


Kim, S. et al.
Prevalence and correlates of sun protections with sunburn and vitamin D deficiency in sun-sensitive individuals.
J Eur Acad Dermatol Venerol 5/2020

Auch wer täglich draußen arbeitet, unterliegt einem erhöhten Risiko für Hautkrebs, sofern kein geeigneter Sonnenschutz aufgetragen und weitere schützende Maßnahmen eingesetzt werden. Oftmals wird angenommen, dass auch der Aufenthalt im Schatten vor einem Sonnenbrand und dessen schädlichen Folgen schützt. Im Rahmen einer Studie, an der insbesondere Förster teilgenommen haben, konnte dieser Annahme eindeutig widersprochen werden. Demnach erhöht sich das Hautkrebsrisiko nicht nur durch direkte Sonneneinstrahlung, sondern auch bei längerem Aufenthalt im Schatten.
Förster arbeiten hauptsächlich in bewaldeten und damit schattenreichen Gegenden. Sie boten sich daher als Studienteilnehmer sehr gut an. Etwa 200 von ihnen im durchschnittlichen Alter von 47 Jahren nahmen zusammen mit einer gleichen Anzahl an Freiluftarbeitern wie Landwirten, Bauarbeitern und Gärtnern an der Studie teil. Als Vergleichsgruppe dienten Personen, die ihren beruflichen Alltag im Büro verbrachten. Alle Teilnehmer wurden hinsichtlich ihres Lebensstils und ihrer regelmäßigen Hautkrebsvorsorgeuntersuchungen befragt. Zudem fand eine Hautdiagnose statt.


Im Ergebnis zeigte sich, dass 72 % der Förster im Jahr zuvor einen Sonnenbrand hatten und dieser bei der Hälfte von ihnen durch ihre Arbeit im Freien verursacht wurde. Lediglich 29 % schützten sich durch geeignete Kleidung, nur etwa 30 % hielten sich auch mittags im Schatten auf. Verglich man diese Daten mit denen der beiden anderen Studiengruppen, so zeigte sich bei den Förstern ein stark erhöhtes Sonnenbrand-Risiko.


Sehr viele der vornehmlich draußen arbeitenden Menschen gaben an, noch nie an einer Hautkrebsvorsorgeuntersuchung teilgenommen zu haben, weil sie ihr Hautkrebsrisiko offensichtlich unterschätzten. Tatsächlich lag daher die Zahl der diagnostizierten Hauterkrankungen um ein Vierfaches höher als von den Befragten selbst eingeschätzt.


Die Studienverantwortlichen vermuten, dass bei den meisten Förstern die Annahme vorherrscht, dass die schattenspendenden Bäume einen Schutz vor der schädlichen UV-Strahlung bieten würden. Dem sei jedoch nicht so: Auch die im Wald vorherrschenden Strukturen der Schatten lassen so viel UV-Strahlung durch, dass den Bäumen keine Hautkrebs-Schutzwirkung zugesprochen werden könne, so die Wissenschaftler. Daher ist es auch bei Aufenthalten im Schatten besonders wichtig, die Haut durch die bekannten Maßnahmen wie Eincremen etc. zu schützen.


Tizek, L. et al.
Skin cancer risk and shade: comparing the risk of foresters with other outdoor workers.
JEADV 5/2020

Immer wieder kursiert die Empfehlung, die Haut von Säuglingen durch die tägliche Anwendung von Pflegecremes vor Ausschlägen und Ekzemen zu schützen. Vergangene Studienergebnisse haben diese Prophylaxemaßnahme als hoffnungsvoll tituliert. Man war davon ausgegangen, dass sich Ekzeme dann entwickeln, wenn die natürliche Hautbarriere nicht ausreichend funktioniert. Ein zusätzlicher Schutz vor Ekzemen durch das tägliche Eincremen war daher ein Hoffnungsträger.


Im Rahmen einer aktuellen britischen Studie sollte diese These überprüft werden. Genetisch vorbelastete Familien, denen ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines Hautekzems zugesprochen wurde, nahmen an der Studie teil. Für die Dauer von einem Jahr wurde die Haut von etwa 700 Neugeborenen täglich mit Pflegecremes behandelt, um den Flüssigkeitsverlust zu begrenzen und damit eine Austrocknung der Haut zu verhindern. Bei weiteren 700 entsprechenden Säuglingen wurde nicht gecremt, um damit eine Kontrollgruppe zu bilden. In Anlehnung an die gängigen Kriterien wurde nach zwei Jahren untersucht, ob sich ein atopisches Ekzem gebildet hatte.

 

Bei der Auswertung der Untersuchungsergebnisse zeigte sich kein nennenswerter Unterschied bezüglich der Häufigkeit eines eingetretenen Ekzems. In der gecremten Säuglingsgruppe hatten 23 % und in der nicht gecremten Gruppe 25 % einen entsprechenden chronischen Hautausschlag entwickelt. Interessanterweise entwickelte sich bei der ersten Gruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe etwas häufiger eine Allergie gegen Ei und es traten zunehmend Hautinfektionen auf.

Die Wissenschaftler nehmen an, dass die Cremes den Stoffwechsel der äußersten Hautschicht dahingehend verändert hatten, dass Viren und Bakterien auch über das Eincremen selbst die Hautbarriere erfolgreicher passieren konnten. Das tägliche Anwenden einer Hautcreme als Vorsorgemaßnahme sei daher eher fraglich, nicht jedoch als Basistherapie bei einem bereits vorhandenen Ekzem.
Chalmers JR et al.


Daily emollient during infancy for prevention of eczema: the BEEP randomised controlled trial.
Lancet 2/2020; 395: 962-72.

Das sogenannte IFAP-Syndrom beschreibt eine Erkrankung, bei der die Betroffenen seit der Geburt kaum oder gar nicht behaart sind, auch an den Augenbrauen oder den Wimpern. Ihre Haut ist leicht verhornt, und auf Licht reagieren sie sehr überempfindlich durch schmerzende Augen.

Was bisher zu dieser seltenen Krankheit bekannt war, sind ursächliche Veränderungen auf einem X-Chromosom unserer Erbanlagen. Frauen sind daher seltener betroffen als Männer. Jetzt haben Wissenschaftler bei den Untersuchungen von Betroffenen aus unterschiedlichen Ländern ein ganz spezielles Gen identifizieren können, welches die Entstehung des Haarlosigkeit-Syndroms begünstigt.

Da sowohl Mutter als auch Vater von betroffenen Patienten gesund waren, nahmen die Wissenschaftler an, dass es bei den Genen zu einer Mutation beziehungsweise Veränderung gekommen sein muss. Beim Vergleich des Genmaterials stellten sie fest, dass sich ein Gen verändert hatte, und zwar eines, welches die Aktivität vieler weiterer Erbanlagen reguliert. Bei einem entsprechenden Gendefekt können wichtige Erbinformationen nicht in den Zellkern gelangen und richtig umgesetzt werden. Folglich kommt es zu einer Fehlregulation, die sich offensichtlich auf die Ausbildung von Haarwurzeln und Haut auswirkt.

Diese Erkenntnisse zeigen, wie vielfältig und empfindlich das Zusammenspiel zahlreicher Prozesse ist, die für die Gesundheit von Haut und Haaren verantwortlich sind.

Wang, H. et al.
Mutations in SREBF1, Encoding Sterol Regulatory Element Binding Transcription Factor 1, Cause Autosomal Dominant IFAP Syndrome
American Journal of Human Genetics 6/2020

Wir haben den Sommermonat August und sind froh, dass es bezüglich der coronabedingten Reisewarnungen in den letzten Monaten zu Lockerungen gekommen ist. Das Reisen in europäische Länder ist wieder erlaubt. Da bei vielen Menschen verständlicherweise Themen rund um die Pandemie im Vordergrund stehen, um sich vor einer möglichen Ansteckung zu schützen, sieht das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) die aktuelle Gefahr, dass der notwendige Schutz unserer Haut vor UV-Strahlung dabei in Vergessenheit gerät.

Auch wenn dieses Jahr eher keine Fernreise ansteht, sollten die sonnenhungrigen Urlauber bedenken, dass die UV-Belastung auch in Europa sehr hoch ist und man daher nur geschützt und in Maßen die Sonne genießen sollte. Vor Kurzem hat die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) auch für Europa einen trockenen und heißen Sommer vorhergesagt, und das bedeutet auch eine bevorstehende erhöhte UV-Belastung.

Der UV-Index ist bekanntermaßen ein Indikator für die UV-Strahlenbelastung: Wird ein Tagesspitzenwert von UV-Index 3 erwartet, muss die Haut mit Sonnencreme geschützt werden, und ab einem Wert von 8 gilt die Empfehlung, die Sonne zu meiden. Das BfS weist in einer aktuellen Mitteilung darauf hin, dass in den Sommermonaten im Süden Europas durchaus Werte von über 9 und auch im Norden Werte bis 7 erreicht werden.

Vor diesem Hintergrund sind für das Reisegepäck Sonnencremes mit hohem bis sehr hohem Lichtschutzfaktor sowie schützende Kleidung, Sonnenhut und Sonnenbrille unverzichtbar. Bei einer Brille garantiert der Herstellerhinweis „UV400“ einen guten Schutz, sofern die Sonnenbrille gut auf der Nase anliegt und somit möglichst wenig Strahlung durchlässt.

Trotz dieser grundsätzlichen Schutzmaßnahmen gibt es keinen Freibrief für einen uneingeschränkten Sonnengenuss! Ab einer gewissen Dauer und zu bestimmten Tageszeiten, insbesondere in der Mittagssonne, sollten Schattenplätze aufgesucht oder dem Aufenthalt im Freien eine Pause eingeräumt werden.

Meßmer, N.
BfS: Sonnenschutz auch beim Urlaub in Corona-Zeiten nicht vergessen!
idw-Pressemitteilung 6/2020

Vitalstoffe und Ernährung

Eine aktuelle Übersichtsarbeit kommt zu dem Ergebnis, dass der Verzehr von Citrusfrüchten einen positiven Einfluss auf die Gehirngesundheit insbesondere im Alter ausüben kann. Im Rahmen einer umfassenden wissenschaftlichen Recherche wurden hunderte Studien identifiziert, die sich mit der Auswirkung von Citrus-Flavonoiden auf Gehirn- und Nervenzellen beschäftigten. Darunter waren auch 10 Studien, die mit Menschen durchgeführt wurden.

Demnach wirken die Flavonoide auf zellulärer Ebene vor allem antioxidativ und antiinflammatorisch. Beide Wirkungen spielen eine wichtige Rolle beim Zellschutz von Gehirn- und Nervenzellen während des Alterungsprozesses. Eine weitere neue Erkenntnis ist der Einfluss der Flavonoide auf die Funktion der Blut-Hirnschranke. Es wird vermutet, dass Flavonoide auf diese Weise ihre protektiven neuronalen Effekte vermitteln könnten.

In ihrem Fazit stellen die Autoren der Übersichtsarbeit den Citrus-Flavonoiden ein positives Zeugnis aus: Citrus-Flavonoide haben ein vielversprechendes Potenzial zur positiven Beeinflussung kognitiver Alterungsprozesse.

Pontifex MG, Malik MMAH, Connell E, Müller M, Vauzour D.
Citrus Polyphenols in Brain Health and Disease: Current Perspectives.
Front Neurosci. 2/2021

Beim Vergleich der Ernährungsgewohnheiten und des Mikronährstoff-Status von Gesunden mit denen von Alzheimer-Erkrankten kommen interessante Unterschiede zum Vorschein.

Wissenschaftler veröffentlichten nun in einer hoch angesehenen Fachzeitschrift die Ergebnisse ihrer Studie, an der 110 Patienten mit moderater Alzheimererkrankung und 60 gesunde Personen teilnahmen. Die Teilnehmer hatten ein Alter von mindestens 52 Jahren. Patienten mit Alzheimer hatten deutlich geringere Konzentrationen der Mikronährstoffe Selen und Zink im Blutserum sowie eine schlechtere antioxidative Gesamtkapazität.

Auch das Verhältnis von Kupfer zu Zink war bei Alzheimerpatienten deutlich höher. Kupfer gilt als Oxidans, Zink hingegen unterstützt antioxidative Prozesse im Körper. Der Verlauf der Alzheimerkrankheit, gemessen anhand des sogenannten Mini-Mental-Status-Tests, zeigte einen Zusammenhang mit der antioxidativen Gesamtkapazität. Eine hohe Kupferkonzentration über dem Normwert zeigte einen Zusammenhang mit niedrigen Werten des Mini-Mental-Status-Tests.

Patienten mit Alzheimer haben deutlich geringere Konzentrationen wichtiger antioxidativer Mikronährstoffe im Blutserum. Dies könnte ein wichtiger Ansatz in der Alzheimer-Therapie sein, da oxidativer Stress Vorgänge, welche den Verfall des Nervensystems betreffen, vorantreibt.

Laut der Ergebnisse der Nationalen Verzehrsstudie II erreichen 66 % der Männer und 30 % der Frauen im Alter von 35 bis 50 Jahren die empfohlene tägliche Zufuhr von Zink nicht.

Socha K, Klimiuk K, Naliwajko SK, Soroczyńska J, Puścion-Jakubik A, Markiewicz-Żukowska R, Kochanowicz J.
Dietary Habits, Selenium, Copper, Zinc and Total Antioxidant Status in Serum in Relation to Cognitive Functions of Patients with Alzheimer's Disease.
Nutrients 1/2021; 13(2): 287.

Die marinen Omega-3-Fettsäuren Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) könnten den Ergebnissen einer englischen Arbeitsgruppe zufolge eine sinnvolle Unterstützung für die Regenerationsphase nach dem Training sein. Intensive Trainingseinheiten können bei Sportlern kleine Mikroverletzungen am Muskel entstehen lassen und zu vorübergehender Muskelentzündung, Kraftverlust und Muskelkater führen.

In einer Studie untersuchten Wissenschaftler den Einfluss der marinen Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA und deren antiinflammatorische Eigenschaften auf Mikroverletzungen nach dem Sport. 14 gesunde Sportler im Alter von 21 bis 29 Jahren erhielten zu diesem Zweck über vier Wochen täglich 3.000 mg eines EPA- und DHA-Supplements oder ein Placebo. Im Anschluss und zu Beginn wurde ein Downhill-Lauf absolviert.

Im Vergleich zur Placebogruppe war der Muskelkater in der Omega-3-Gruppe signifikant geringer ausgeprägt. Die Interleukin 6-Konzentration, ein Marker für Entzündungen, stieg in der Placebogruppe 24 Stunden nach dem Training deutlich an, nicht jedoch in der Omega-3-Gruppe. Der Unterschied zwischen den Gruppen war dennoch nicht deutlich. Gleiches galt für die maximale Leistungsfähigkeit 24 Stunden nach dem Training.

Die Einnahme von Omega-3-Supplementen über 4 Wochen kann die Auswirkungen kleiner Mikroverletzungen der Muskeln nach dem Training zum Teil kompensieren. In dieser Studie konnte die Leistung jedoch nicht durch Omega-3-Fettsäuren verbessert werden.

Omega-3-Fettsäuren sind wichtiger Bestandteil einer ausgewogenen und gesunden Ernährung. Zwar sind sie sowohl in pflanzlichen als auch in marinen Lebensmitteln zu finden, jedoch besteht zwischen den Omega-3-Fettsäure-Quellen ein Unterschied, der vielen Menschen nicht bekannt ist.

Kyriakidou Y, Wood C, Ferrier C, Dolci A, Elliott B.
The effect of Omega-3 polyunsaturated fatty acid supplementation on exercise-induced muscle damage.
J Int Soc Sports Nutr. 1/2021; 18(1): 9.

Stress am Arbeitsplatz ist ein bedeutender Risikofaktor für viele Folgeerkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck (Hypertonie) oder Depressionen. Einen vielversprechenden Lösungsansatz für Stress am Arbeitsplatz liefert nun eine Studie aus Taiwan. Die Wissenschaftler der Studie identifizierten eine Berufsgruppe, die kontinuierlich einem hohen Stresslevel ausgesetzt ist.

Hierbei handelte es sich um IT-Spezialisten, die laut Angabe eines Stressfragebogens eine besonders hohe Punktzahl erreichten. Die 36 Studienteilnehmer erhielten über 8 Wochen täglich zwei Kapseln eines Probiotikums mit Lactobazillus plantarum oder ein Placebo.

Teilnehmer der Probiotika-Gruppe konnten ihr körperliches und subjektiv empfundenes Stresslevel deutlich reduzieren. Bei ihnen nahmen im Vergleich zur Placebogruppe der wahrgenommene Stress, der allgemeine Arbeitsstress, die Arbeitsbelastung, der Cortisolspiegel, Angst, Depressionen und Schlafstörungen ab. Des Weiteren nahmen die allgemeine und psychische Gesundheit, die Lebensqualität und die positiv empfundenen Emotionen zu.

Probiotika wie Lactobazillus plantarum haben demnach das Potenzial, hohe Stresslevel abzubauen und die mentale Gesundheit zu stärken. Davon profitieren insbesondere Menschen in stressigen Lebenssituationen.

Wu SI, Wu CC, Tsai PJ, Cheng LH, Hsu CC, Shan IK, Chan PY, Lin TW, Ko CJ, Chen WL, Tsai YC.
Psychobiotic Supplementation of PS128TM Improves Stress, Anxiety, and Insomnia in Highly Stressed Information Technology Specialists: A Pilot Study:
Front Nutr. 3/2021

Antioxidantien aus der Nahrung wird immer wieder eine präventive Bedeutung gegen neurodegenerative Erkrankungen zugeschrieben. In einer schwedischen Studie wurde dieser Effekt nun für das Entstehungsrisiko von Parkinson untersucht. Ein Team aus internationalen Wissenschaftlern wertete dazu die Daten von 43.685 Männern und Frauen der „Swedish National March Kohorte“ aus. Die Teilnehmer wiesen ein Alter zwischen 18 und 94 Jahren auf.

Die Wissenschaftler untersuchten einen Zusammenhang zwischen dem Verzehr spezieller Antioxidantien und dem Risiko, im Folgezeitraum von durchschnittlich 17,6 Jahren eine Parkinsonkrankheit zu entwickeln. Der Antioxidantienverzehr wurde aus einer Befragung zu den Verzehrgewohnheiten berechnet.

Insgesamt erkrankten im Beobachtungszeitraum 465 Personen an Parkinson. Ein hoher Verzehr von Vitamin E und Vitamin C senkte das Risiko, an Parkinson zu erkranken, deutlich. Teilnehmer, die viel Vitamin E über Lebensmittel verzehrten, hatten im Vergleich zu Teilnehmern, die wenig Vitamin E aufnahmen, ein um 32 % geringeres Risiko, an Parkinson zu erkranken. Ebenso reduzierte Vitamin C das Risiko um 32 %. Für Beta-Carotin konnte keine deutliche Wirkung festgestellt werden. 

Die Wissenschaftler schlussfolgern, dass der Verzehr von Vitamin C und E das Risiko für die Entwicklung einer Parkinsonkrankheit reduzieren könnten.

Hinweis zum Versorgungszustand von Vitamin E (Nationale Verzehrsstudie II 2008)
In der Altersgruppe vom 19. - 80. LJ. erreichen nur circa 50 % der Frauen und Männer die Zufuhr-Empfehlung. Den am schlechtesten versorgten Männern fehlen durchschnittlich circa 7 mg Vitamin E, den Frauen fehlen entsprechend circa 6 mg.
(DGE-Empfehlungen: m. 19. - 24. LJ 15 mg/Tag, m. 25. - 50. LJ. 14 mg/Tag, m. 51. - 64. LJ. 13 mg/Tag, m. 65 > LJ. 12 mg/Tag, w. 19. - 64. LJ. 12 mg/Tag, w. 65 > LJ. 11 mg/Tag).

Hantikainen E, Lagerros YT, Ye W, Serafini M, Adami HO, Bellocco R, Bonn S.
Dietary antioxidants and the risk of Parkinson Disease: The Swedish National March Cohort.
Neurology 1/2021

Eine chronische bakterielle Prostataentzündung (Prostatitis) wird standardmäßig mit einer langzeitigen Gabe von Antibiotika therapiert. In vielen Fällen kehrt nach erfolgreicher Therapie die Prostatitis zurück, was vermutlich auf eine antibiotikabedingte Zerstörung der Darmflora zurückzuführen ist. Wissenschaftler überprüften diese These in einer Studie. 84 Patienten mit chronisch bakterieller Prostatitis erhielten nach einer Antibiotikabehandlung zusätzlich eine 3-monatige Therapie mit probiotischen Kulturen der Spezies Lactobazillus casei.

72,6 % der Patienten waren nach 6 Monaten vollständig genesen und hatten ihren ursprünglichen Gesundheitszustand erreicht. Die Einnahme von Probiotika im Anschluss an die Antibiotikatherapie hatte das Risiko für ein erneutes Auftreten einer chronisch bakteriellen Prostatitis deutlich reduziert und auch den Einsatz von Antibiotika zu Therapiezwecken gesenkt.

Die Autoren schlussfolgern, dass probiotische Kulturen in der Therapie einer bakteriellen Prostatitis die Lebensqualität verbessern, den Therapieerfolg erhöhen und den Antibiotikaeinsatz reduzieren könnten.

Cai T, Gallelli L, Cione E, Perletti G, Ciarleglio F, Malossini G, De Pretis G, Palmieri A, Mirone V, Bartoletti R, Johansen TEB.
The use of Lactobacillus casei DG® prevents symptomatic episodes and reduces the antibiotic use in patients affected by chronic bacterial prostatitis: results from a phase IV study.
World J Urol. 1/2021

Wissenschaftler der Universität Lübeck haben in einer Versuchsstudie die Wirkung von Rosenwurzwurzel-Extrakten auf die kognitive Leistungsfähigkeit untersucht. Tina Koop und Kollegen rekrutierten für die Interventionsstudie 50 gesunde Erwachsene mit einem durchschnittlichen Alter von 41,2 Jahren. Die Teilnehmer erhielten über einen Zeitraum von 12 Wochen zweimal täglich 200 mg Rosenwurzwurzel-Extrakt. Zu Beginn, nach 6 Wochen und nach 12 Wochen durchliefen alle Teilnehmer mehrere neuropsychologische Tests. 

Die Einnahme des Rosenwurzwurzel-Extraktes verbesserte die Reaktionszeiten, also die Fähigkeit, auf seine Umgebung zu reagieren, die Exekutivfunktionen sowie die Denkgeschwindigkeit und die Fähigkeit, Dinge zu verarbeiten.

Die Wissenschaftler schlussfolgern, dass die Einnahme von Rosenwurzwurzel-Extrakt über 12 Wochen die kognitive Leistung verbessern kann. Da diese Studie ohne eine Placebogruppe durchgeführt wurde, empfehlen die Wissenschaftler weitere placebokontrollierte Studien zur Bestätigung der Ergebnisse.

In der Volksheilkunde der arktischen bzw. nördlichen Regionen von Europa, Asien und Nordamerika wird Rosenwurz bereits seit 3.000 Jahren traditionell bei Erschöpfung, psychischen Erkrankungen, Kopfschmerzen und weiteren Beschwerden und Erkrankungen angewendet.

Koop T, Dienel A, Heldmann M, Münte TF.
Effects of a Rhodiola rosea extract on mental resource allocation and attention: An event-related potential dual task study.
Phytother Res. 12/2020; 34(12): 3287-3297.

Die Ärzte in Krankenhäusern konnten während der letzten Monate zunehmende Erfahrungen im Umgang mit COVID-19 Patienten sammeln. Mit den zunehmenden Erfahrungswerten häufen sich die Erkenntnisse, dass Vitamin D eine wichtige Rolle für den Krankheitsverlauf spielen könnte.

In einer Studie aus Belgien haben Wissenschaftler die Daten von 186 schweren COVID-19-Verläufen zwischen März und April 2020 ausgewertet. Sie untersuchten im Speziellen den Zusammenhang zwischen dem Vitamin D-Status der Patienten nach der Aufnahme ins Krankenhaus, dem Schweregrad der akuten respiratorischen Infektion anhand radiologischer Ergebnisse (CT) sowie der Sterblichkeit.

59 % aller aufgenommenen COVID-19-Patienten hatten einen Vitamin D-Mangel (< 20ng/ml). Bei Männern war der Anteil mit 67 % deutlich höher als bei Frauen. Patienten mit einem zunehmenden Schweregrad der Erkrankung wiesen deutlich häufiger einen Vitamin D-Mangel auf. Im Stadium 1 betraf der Mangel im Durchschnitt 55 %, im Stadium 3 74 % der Patienten. Das Risiko, an einer COVID-19-Infektion zu versterben, war bei Patienten mit einem Vitamin D-Mangel 3,61-fach höher.

Ein Vitamin D-Mangel erhöht bei COVID-19-Patienten im Krankenhaus das Risiko für einen schwere Infektion und die Sterblichkeit.

De Smet D, De Smet K, Herroelen P, Gryspeerdt S, Martens GA.
Serum 25(OH)D Level on Hospital Admission Associated With COVID-19 Stage and Mortality.
Am J Clin Pathol. 11/2020

In vielen Studien beobachten Wissenschaftler regelmäßig einen Zusammenhang zwischen zu geringen Vitamin D-Spiegeln und gesundheitlich ungünstig hohen Blutdruckwerten der Versuchsteilnehmer. Lauren Abderhalden und ihr Team aus Wissenschaftlern der Züricher Universitätsklinik und Wissenschaftlern der Harvard School of Public Health untersuchten, ob durch eine Vitamin D-Gabe der Blutdruck gesenkt werden kann.

Die Daten der Studie entstammten der Züricher Multiple Endpoint Vitamin D Studie zu Kniearthrosen. Es handelte sich um eine experimentelle Studie, bei der ausgewählte Patienten, die sich einer Knieoperation unterzogen, für 24 Monate entweder 20 µg oder 50 µg Vitamin D (800 oder 2.000 Internationale Einheiten = IE) erhielten. Die 273 Teilnehmer waren alle älter als 60 Jahre. 

Die Einnahme von Vitamin D senkte den Blutdruck in beiden Gruppen. Es konnte festgestellt werden, dass der systolische Blutdruck nach zwei Jahren der Vitamin D-Einnahme im Durchschnitt um fast 4 mmHg abgenommen hatte. Zudem konnte beobachtet werden, dass eine höhere Vitamin D-Einnahme tägliche Blutdruckschwankungen stärker reduzierte.

Die Studie von Lauren Abderhalden und Kollegen bestätigt die Beobachtungen aus Studien, dass eine Vitamin D-Einnahme bei älteren Menschen den Blutdruck positiv beeinflussen kann.

Abderhalden LA, Meyer S, Dawson-Hughes B, et al.
Effect of daily 2000 IU versus 800 IU vitamin D on blood pressure among adults age 60 years and older: a randomized clinical trial
Am J Clin Nutr. 6/2020

Extrakte der Schlafbeerenwurzel, auch bekannt als Ashwagandha, werden bereits seit Jahrhunderten wegen ihrer schlaffördernden Wirkung angewendet. Schlafbeerenwurzel-Extrakt gilt daher als komplementärmedizinischer Vitalstoff zur Behandlung einer Schlafstörung. In einer Studie untersuchten Wissenschaftler die Wirkung des Extraktes über acht Wochen sowohl bei 40 gesunden als auch 40 Patienten mit Schlafstörungen. Alle Patienten durchliefen zu Beginn und nach acht Wochen zahlreiche Tests zur Schlafqualität.

In beiden Gruppen, Gesunde und Teilnehmer mit Schlafstörungen, bewirkte die Einnahme des Schlafbeerenwurzel-Extraktes eine Verbesserung der Schlafqualität. Die Wirkung bei Teilnehmern mit einer Schlafstörung war stärker ausgeprägt. Dies äußerte sich in einer kürzeren Einschlafzeit, einer besseren Schlafqualität, einer höheren Schlafeffizienz, einer längeren Schlafgesamtzeit, seltenerem Aufwachen nach Einsetzen des Schlafs und einer am Tage höheren geistigen Wachsamkeit.

Ebenso schnitten Teilnehmer, die Schlafbeerenwurzel-Extrakte eingenommen hatten, besser bei der Hamilton-Angst-Skala ab. Die Hamilton-Angst-Skala ist ein Fragebogen zur Beurteilung der Schwere von Angststörungen. Die aktuelle Studie zeigt, dass Supplemente mit Schlafbeerenwurzelextrakt den Schlaf von Menschen mit und ohne Schlafstörungen verbessern können.

Langade D, Thakare V, Kanchi S, Kelgane S.
Clinical evaluation of the pharmacological impact of ashwagandha root extract on sleep in healthy volunteers and insomnia patients: A double-blind, randomized, parallel-group, placebo-controlled study
J Ethnopharmacol. 8/2020

Vitamin D hat zahlreiche Wirkungen auf Körperzellen und Körpergewebe, die auch an einer Covid-19-Erkrankung beteiligt sind. In einer klinischen Studie untersuchten Ärzte einer spanischen Universitätsklinik die Wirkung von Vitamin D auf den Krankheitsverlauf von Patienten, die aufgrund einer nachgewiesenen Covid-19-Infektion im Krankenhaus waren. Alle 76 behandelten Patienten erhielten eine Standardmedikation. Ein Teil der Patienten erhielt darüber hinaus eine Vitamin D-Supplementation.

Patienten die Vitamin D-Supplemente erhielten, zeigten einen besseren klinischen Verlauf der Krankheit. Von den 50 zusätzlich mit Vitamin D behandelten Patienten musste nur einer auf der Intensivstation weiterbehandelt werden. Dies entsprach einem Anteil von 2 %. In der Nicht-Vitamin D-Gruppe hingegen lag der Anteil an Intensiv-Patienten bei 50 % (13 von 26 Patienten). Dies entsprach einem durchschnittlich geringeren Risiko für die Notwendigkeit einer Behandlung auf der Intensivstation von 96 %. In der Vitamin D-Gruppe kam es zu keinem Todesfall. Bei Patienten der Nicht-Vitamin D-Gruppe verstarben zwei der 13 Intensivpatienten.

Die Studie zeigt, dass die hochdosierte Einnahme von Vitamin D die Notwendigkeit einer Intensivbehandlung verringern kann und den Krankheitsverlauf bei Covid-19-Patienten verbessert. Die Ergebnisse müssen in weiteren größeren Studien überprüft werden.

Hinweis zum Versorgungszustand von Vitamin D (Nationale Verzehrsstudie II 2008)
In der Altersgruppe ab dem 19. LJ. erreichen über die normale Ernährung 0 % der Frauen und Männer die Zufuhr-Empfehlung, weshalb den am schlechtesten Versorgten circa 19,2 µg Vitamin D fehlen. (DGE-Empfehlung: 20 µg/Tag)

Entrenas Castillo M, Entrenas Costa LM, Vaquero Barrios JM, Alcalá Díaz JF, López Miranda J, Bouillon R, Quesada Gomez JM.
Effect of calcifediol treatment and best available therapy versus best available therapy on intensive care unit admission and mortality among patients hospitalized for COVID-19: A pilot randomized clinical study.
J Steroid Biochem Mol Biol. 10/2020

Probiotika interagieren über die Darmflora mit dem Gehirn und beeinflussen die Stimmung und mentale Gesundheit. Studien konnten bereits zeigen, dass spezielle Lactobazillen und Bifidobakterien die Symptome bei Depressionen lindern können.

In einer Studie von Wissenschaftlern aus der Türkei und dem Iran wurde nun ein Beweis erbracht, dass die zuvor auf Symptomebene beobachteten Verbesserungen der Psyche auch auf physiologischer Ebene nachweisbar sind. 78 Patienten mit einer leichten bis moderaten Depression erhielten für acht Wochen entweder ein Probiotikum mit Bifidobakterien und Lactobazillen, Präbiotika oder ein Placebo.

Teilnehmer der Probiotikagruppe wiesen, verglichen mit den Teilnehmern der Präbiotika- und Placebogruppe, acht Wochen nach der ersten Einnahme höhere Konzentrationen des neuronalen Wachstumsfaktors "brain-derived neurotrophic factor" (BDNF) auf. Die BDNF-Konzentration stand im Zusammenhang mit der Ausprägung depressiver Symptome. Präbiotika erhöhten zwar ebenfalls den BDNF-Spiegel, es konnte jedoch kein statistischer Zusammenhang nachgewiesen werden.

Probiotika können die Symptome einer Depression vermutlich über einen Anstieg von BDNF verbessern.

Heidarzadeh-Rad N, Gökmen-Özel H, Kazemi A, Almasi N, Djafarian K.
Effects of a Psychobiotic Supplement on Serum Brain-derived Neurotrophic Factor Levels in Depressive Patients: A Post Hoc Analysis of a Randomized Clinical Trial.
J. Neurogastroenterol Motil. 9/2020; 26(4): 486-495.

Die Ergebnisse einer Studie zur Gewichtsreduktion aus Deutschland demonstrieren auf beeindruckende Weise, dass Mahlzeitenersatz-Shakes eine wichtige Ergänzung zu Fitnessprogrammen sind. Im Rahmen der Studie wurden 463 übergewichtige und adipöse Teilnehmer für 52 Wochen in zwei Gruppen mit verschiedenen Gewichtsreduktionsprogrammen zugeordnet.

In der ersten Gruppe versuchten Teilnehmer, ihr Gewicht durch Lebensstilmaßnahmen zu reduzieren. In der zweiten Gruppe absolvierten die Teilnehmer neben der Lebensstiländerung ebenso ein Ernährungsprogramm. Dazu ersetzten sie für eine Woche täglich 3 Mahlzeiten, anschließend für weitere 2–4 Wochen noch zwei Mahlzeiten und zuletzt bis zur 26. Woche noch eine Mahlzeit durch einen Mahlzeitenersatz-Shake. Ein weiteres halbes Jahr später verglichen die Autoren der Studie das Gewicht der Teilnehmer.

Der zusätzliche Verzehr von Mahlzeitenersatz-Shakes hatte einen deutlichen Einfluss auf die Gewichtsreduktion. Im Vergleich nahmen Teilnehmer, die zusätzlich Mahlzeitenersatz-Shakes eingenommen hatten, nach 26 Wochen im Durchschnitt 3,2 kg mehr Gewicht ab. Der Gewichtsunterschied in der Mahlzeitenersatz-Gruppe war zudem nachhaltiger. Teilnehmer der Mahlzeitenersatz-Gruppe hatten im Durchschnitt auch nach einem Jahr noch 1,8 kg weniger Körpergewicht als die Lebensstil-Gruppe.

Eine Kombination aus Veränderungen des Lebensstils und einem 6-monatigen Ernährungsprogramm mit Mahlzeitenersatz-Shakes ist nach den Ergebnissen der Studie eine optimale Strategie zur Gewichtsreduktion.

Halle M, Röhling M, Banzer W, Braumann KM, Kempf K, McCarthy D, Schaller N, Predel HG, Scholze J, Führer-Sakel D, Toplak H, Berg A; ACOORH study group.
Meal replacement by formula diet reduces weight more than a lifestyle intervention alone in patients with overweight or obesity and accompanied cardiovascular risk factors-the ACOORH trial.
Eur J Clin Nutr. 10/2020

Bei kaum einer Erkrankung wird in einem solchen Tempo geforscht wie bei Covid-19. Täglich werden neue Erkenntnisse veröffentlicht. Nun haben indische Wissenschaftler zu einem Zusammenhang zwischen Covid-19-Erkrankungen und dem Darmmikrobiom geforscht. Als Mikrobiom bezeichnet man die Gesamtheit aller Mikroorganismen im Verdauungstrakt. 

Die Wissenschaftler stellten fest, dass RNA des Virus SARS-CoV-2 im Kot von Covid-19-Erkrankten nachweisbar war. Des Weiteren konnte beobachtet werden, dass auf Darmzellen sogenannte ACE-Rezeptoren zu finden sind, die wie in der Lunge als Eintrittspforte für das Virus SARS-CoV-2 dienen könnten. Eine Beteiligung des Darms bei COVID-19-Erkrankungen scheint daher nicht unwahrscheinlich.

Darüber hinaus ist bereits bekannt, dass Virusinfektionen der Atemwege die Zusammensetzung der Bakterienkulturen im Darm stören können und dass mit zunehmendem Alter auch die Vielfalt der nützlichen sogenannten probiotischen Kulturen im Darm abnimmt. Die Abnahme der im Darm befindlichen Bakterienvielfalt im Alter könnte demnach ein wichtiger Risikofaktor für schwere Verläufe von COVID-19-Erkrankungen sein.

Die Wissenschaftler empfehlen, durch eine zielgerichtete Ernährung und Supplementierung von Probiotika und Präbiotika die Zusammensetzung der Darmflora zu unterstützen, um dadurch das Immunsystem zu stärken. Präbiotika, wie beispielsweise das Kohlenhydrat Inulin, werden über die Nahrung aufgenommen und stellen eine Nahrungsgrundlage für die Darmbakterien dar, wodurch die Zusammensetzung der Darmbakterien beeinflusst werden kann.

Dhar D, Mohanty A.
Gut microbiota and Covid-19- possible link and implications.
Virus Res. 8/2020

Ein Team aus Wissenschaftlern hat eine aussagekräftige Übersichtsarbeit veröffentlicht, die verdeutlicht, dass die Aufnahme großer Mengen mariner Omega-3-Fettsäuren aus Fischöl die Regeneration der Muskeln nach starker körperlicher Anstrengung beschleunigen kann. Es wurde die Studienlage zur Wirkung von marinen Omega-3-Fettsäuren auf verschiedene körperliche Leistungsmerkmale untersucht.

Im Rahmen der Erstellung der Übersichtsarbeit wurden 18 Studien herangezogen, die den Zusammenhang zwischen Omega-3-Fettsäuren und körperlichen Leistungsmerkmalen untersuchten. Alle Studien kamen zu dem Ergebnis, dass die Omega-3-Fettsäuren Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) die Muskelkraft während einer intensiven Tätigkeit erhalten und die Regeneration beschleunigen.

Marine Omega-3-Fettsäuren haben den Ergebnissen der aktuellen Studie nach das Potenzial, die Regenerationskraft des Körpers zu stärken.

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Frischer Seefisch ist der ideale Lieferant für Omega-3-Fettsäuren. Wie viel Fisch pro Woche die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt und was Sie beim Kauf beachten sollten, erfahren Sie hier

Heileson JL, Funderburk LK.
The effect of fish oil supplementation on the promotion and preservation of lean body mass, strength, and recovery from physiological stress in young, healthy adults: a systematic review.
Nutr Rev. 6/2020

Probiotika können über die Darm-Hirn-Achse unmittelbaren Einfluss auf die psychische Gesundheit nehmen. In einer doppelblinden, placebokontrollierten und dem Zufallsprinzip unterliegenden Ernährungsstudie konnten Wissenschaftler diesen Effekt nun bei gestressten Menschen nachweisen. In ihrer Studie erhielten 111 Patienten mit einem hohen Stresslevel entweder ein Probiotikum mit einer Milliarden koloniebildenden Einheiten des Stammes Lactobazillus plantarum oder ein Placebo. Die Dauer der Einnahme betrug 12 Wochen.

Im Vergleich zum Ausgangswert nahmen sowohl die Stress- als auch die Angstsymptome in der Probiotikagruppe ab. Ebenso verbesserte sich die psychische Verfassung. Dies äußerte sich besonders bei den über 30-Jährigen in einer höheren Aufmerksamkeitsfähigkeit, einer besseren emotionalen Auffassungsgabe und einer Verbesserung des assoziativen Lernens. Ebenso verbesserten sich zahlreiche stressassoziierte Blutwerte wie der Cortisolspiegel, Entzündungswerte sowie entzündungshemmende Botenstoffe.

Menschen mit einem hohen Stresslevel können durch die Einnahme von probiotischen Kulturen sowohl kognitiv als auch gesundheitlich profitieren.

Chong HX, Yusoff NAA, Hor YY, Lew LC, Jaafar MH, Choi SB, Yusoff MSB, Wahid N, Abdullah MFIL, Zakaria N, Ong KL, Park YH, Liong MT.
Lactobacillus plantarum DR7 alleviates stress and anxiety in adults: a randomised, double-blind, placebo-controlled study.
Benef Microbes. 4/2019; 10(4): 355-73

Eine aktuelle Studie des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) zeigt, dass viele Menschen in Deutschland über die Nahrung zu wenig Jod zu sich nehmen. Besonders ausgeprägt ist ein Jodmangel bei Menschen mit einer veganen Ernährungsweise. Jod reguliert über die Schilddrüse und deren Hormone den Stoffwechsel und das Herzkreislaufsystem. In der Studie wurde die Nährstoffaufnahme sowie der Status wichtiger Laborparameter, Vitamine und Spurenelemente von 36 Veganern und 36 Mischköstlern im Alter zwischen 30–60 Jahren untersucht.

Um die Jod-Versorgung beurteilen zu können, muss der Urin über 24 Stunden gesammelt und untersucht werden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat festgelegt, dass ab einem Wert von unter 100µg/L von einer Jod-Unterversorgung gesprochen werden kann. Bei drei Vierteln der Mischköstler und nahezu allen Veganern lag der gemessene Jod-Wert unter 100µg/L und damit im Bereich der Unterversorgung. Bei einem Drittel der Veganer betrug er sogar weniger als 20 µg/L. Diese Menschen waren somit laut Definition schwer unterversorgt.

Die Autoren schlussfolgern aus den vorliegenden Ergebnissen, dass auf die Jodversorgung insbesondere bei veganer Ernährungsweise zu achten sei. Eine Supplementierung könnte in Einzelfällen sinnvoll sein.

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Damit Sie Ihren täglichen Jod-Bedarf einfacher decken können, haben wir eine übersichtliche Tabelle erarbeitet, die Lebensmittel mit einem besonders hohen Jod-Gehalt aufführt. Diese Tabelle finden Sie hier

Weikert C, Trefflich I, Menzel J, Obeid R, Longree A, Dierkes J, Meyer K, Herter-Aeberli I, Mai K, Stangl GI, Müller SM, Schwerdtle T, Lampen A, Abraham K.
Vitamin and mineral status in a vegan diet.
Dtsch Arztebl Int 8/2020; 117: 575-82.

Die Erkrankung Keratokonjunktivitis sicca, auch trockene Augen genannt, ist eine multifaktorielle Erkrankung der Augenoberfläche. Die Ursache liegt beispielsweise in einer fehlerhaften Zusammensetzung des Tränenfilms, Entzündungen oder Schäden, die die oberste Schicht der Haut oder Schleimhaut betreffen. Ein aktueller Artikel einer italienischer Wissenschaftler hat die Bedeutung der Ernährung für diese Erkrankung genauer untersucht.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass Omega-3-Fettsäuren einen wichtigen Beitrag zur Therapie leisten können. Demnach gibt es eine verlässliche Datengrundlage für die Therapie von Omega-3-Fettsäuren bei trockenem Augen.

Eine Einnahme von Omega-3-Fettsäuren kann, laut den Studienergebnissen, die Anzeichen und Symptome trockener Augen lindern.

Pellegrini M, Senni C, Bernabei F, et al.
The Role of Nutrition and Nutritional Supplements in Ocular Surface Diseases.
Nutrients 3/2020; 12(4): 952.

Profisportler stellen ihren Körper vor große Herausforderungen. Umso wichtiger ist es, dem Körper bei regelmäßigem Leistungssport eine optimale Ernährung zukommen lassen. Eine Verzehrsstudie aus den USA zeigt nun, dass auf dem Ernährungsplan von Profisportlern vor allem ein lebenswichtiger Nährstoff (Vitalstoff) zu kurz kommt.


Die National Collegiate Athletic Association (NCAA) untersuchte in einer großen Beobachtungsstudie die Ernährung von 1.528 Athleten unterschiedlicher Sportarten. Mittels der Auswertung von Fragebögen, die die Häufigkeit verzehrter Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel erfassten, berechneten die Wissenschaftler die Nährstoffversorgung der Athleten.


Die Studie aus den USA zeigte, dass lediglich 6 % der Athleten eine ausreichende Zufuhr an lebensnotwendigen Omega-3-Fettsäuren erreichten. Daraus kann abgeleitet werden, dass der Verzehr und damit die Versorgung mit lebensnotwendigen Omega-3-Fettsäuren der meisten Leistungssportler dieser Sportarten nicht ausreichend ist.


Omega-3-Fettsäuren spielen bei regelmäßigen Sporteinheiten auf Leistungsniveau eine wichtige Rolle bei Entzündungs- und Regenerationsprozessen, der Gehirn- und Herzgesundheit sowie weiteren physiologischen Aufgaben.


Ritz PP, Rogers MB, Zabinsky JS, et al.
Dietary and Biological Assessment of the Omega-3 Status of Collegiate Athletes: A Cross-Sectional Analysis.
PLoS One 4/2020

Britische Wissenschaftler haben eine Übersicht zu möglichen Mikronährstoffen erstellt, die im Zusammenhang mit COVID-19-Infektionen von Bedeutung sein könnten. Dabei betrachteten sie vor allem Risikogruppen für schwere Infektionsverläufe, da insbesondere diese Menschen aufgrund von Vorerkrankungen oder medikamentöser Therapien häufiger einen Vitalstoff- bzw. Mikronährstoffmangel aufweisen.


Die Wissenschaftler kamen zu dem Ergebnis, dass die Vitamine A, C, D und E auch in diesem Zusammenhang bedeutende Vitalstoffe sind. Darüber hinaus schrieben sie den Spurenelementen Selen und Zink eine übergeordnete Rolle für die Funktion des Immunsystems zu. Demnach könnte schon die Verbesserung nicht optimaler Konzentrationen dieser Mikronährstoffe im Blut das Risiko für COVID-19-Infektionen senken.


Daraus lässt sich schlussfolgern, dass eine ausreichende Zufuhr und ein optimaler Versorgungsstatus der für das Immunsystem relevanten Vitalstoffe das Risiko für COVID-19-Infektionen und schwere Verläufe insbesondere von Risikogruppen senken könnte.


Hinweis zum Versorgungszustand von Vitamin D (Nationale Verzehrsstudie II 2008)
In der Altersgruppe ab dem 19. LJ. erreichen über die normale Ernährung 0 % der Frauen und Männer die Zufuhr-Empfehlung, weshalb den am schlechtesten Versorgten circa 19,2 µg Vitamin D pro Tag fehlen. (DGE-Empfehlung: 20 µg/Tag)


Hinweis zum Versorgungszustand von Vitamin E (Nationale Verzehrsstudie II 2008)
In der Altersgruppe vom 19. - 80. LJ. erreichen nur circa 50 % der Frauen und Männer die Zufuhr-Empfehlung. Den am schlechtesten versorgten Männern fehlen durchschnittlich circa 7 mg Vitamin E täglich, den Frauen fehlen entsprechend circa 6 mg am Tag.


(DGE-Empfehlungen: m. 19. - 24. LJ 15 mg/Tag, m. 25. - 50. LJ. 14 mg/Tag, m. 51. - 64. LJ. 13 mg/Tag, m. 65 > LJ. 12 mg/Tag, w. 19. - 64. LJ. 12 mg/Tag, w. 65 > LJ. 11 mg/Tag).


McAuliffe S, Ray S, Fallon E, et al.
Dietary micronutrients in the wake of COVID-19: an appraisal of evidence with a focus on high-risk groups and preventativehealthcare.
BMJ Nutrition, Prevention & Health 6/2020

Studien zufolge wirken sich Omega-3-Fettsäuren in vielerlei Hinsicht positiv auf die Gesundheit aus. Besonders geschätzt ist der positive Effekt auf die Entzündungsregulation. Es wird vermutet, dass die Wirkung der langkettigen, mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren über oxidative Zwischenprodukte vermittelt wird. Dazu zählen sogenannte Eicosanoide oder Oxylipine. Wissenschaftler von der Universität Wuppertal untersuchten in einer Ernährungsstudie den Einfluss von marinen Omega-3-Fettsäuren auf die Plasmaspiegel von Oxylipinen.


121 gesunde Erwachsene mit einem geringen Fischkonsum erhielten über 12 Monate entweder die marinen Omega-3-Fettsäuren Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) oder ein Placebo. Die Dosierung der Omega-3-Fettsäuren war so gewählt, dass sie dem Verzehr von einer, zwei oder vier Portionen Fisch pro Woche entsprach.

 

Nach 3 und 12 Monaten wurden insgesamt 73 Oxylipine im Plasma der Teilnehmer identifiziert. Die Oxylipinkonzentration stieg in Abhängigkeit der Omega-3-Fettsäurezufuhr linear an. Dieser Effekt war nach drei und nach 12 Monaten für alle EPA- und DHA-Oxylipin-Zwischenprodukte zu beobachten.

Der Oxylipinspiegel scheint unmittelbar mit der Zufuhr von marinen Omega-3-Fettsäuren zusammenzuhängen und könnte die positive Wirkung auf die Entzündungsreaktionen erklären.


Ostermann AI, West AL, Schoenfeld K, Browning LM, Walker CG, Jebb SA, Calder PC, Schebb NH.
Plasma oxylipins respond in a linear dose-response manner with increased intake of EPA and DHA: results from a randomized controlled trial in healthy humans.
Am J Clin Nutr. 5/2019; 109(5): 1251-63.

Mit zunehmendem Alter nimmt die Funktion des Insulinstoffwechsels ab und das Risiko für Diabetes mellitus steigt. In einer hochqualitativen Studie haben US-Wissenschaftler nun eine bemerkenswerte Beobachtung gemacht. Während einer 90-tägigen experimentellen Studie erhielten 93 gesunde Personen mittleren bis hohen Alters entweder ein Placebo oder ein Probiotikum ("gesunde" Darmbakterien) namens Lactobacillus rhamnosus (Milchsäurebakterium).
Um möglichst jegliche Fehlerquellen ausschließen zu können, wussten die Teilnehmer nicht, ob sie das Probiotikum oder das Placebo einnahmen und auch den in die Studie involvierten Ärzten wurde diese Information vorenthalten. Im Rahmen der Erhebung der Studiendaten wurde bei allen Teilnehmern zu Beginn und im Verlauf der Studie unter anderem der Langzeit-Blutzuckerwert (HbA1c-Wert) gemessen.

 

Die Auswertung der Daten offenbarte, dass die Einnahme der Probiotika den Langzeit-Blutzuckerwert über die Zeit konstant hielt. In der Placebo-Gruppe hingegen stieg dieser Langzeit-Blutzuckerwert über die Studiendauer an. Die Wissenschaftler schlussfolgern, dass die Einnahme des Milchsäurebakteriums vor einer Verschlechterung des Blutzucker-Stoffwechsels und dementsprechend den damit verbundenen gesundheitlichen Risiken im Alter schützen könnte.
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Der Darm nimmt großen Einfluss auf unser Wohlbefinden. Funktioniert er nicht optimal, fühlen wir uns schnell unwohl. Erfahren Sie mehr darüber, welche Ernährung dem Darm gut tut und welche nicht.


Sanborn VE, Azcarate-Peril MA, Gunstad J.
Lactobacillus rhamnosus GG and HbA1c in middle age and older adults without type 2 diabetes mellitus: A preliminary randomized study
Diabetes Metab Syndr. 5/2020; 14(5): 907-909.

Bereits eine geringe Zufuhr des sekundären Pflanzenstoffs Lutein kann die Gedächtnisfunktion von gesunden Menschen verbessern. Seit längerer Zeit gibt es Hinweise, dass Gemüse und Früchte mit einem hohen Gehalt antioxidativer Inhaltsstoffe einen positiven Einfluss auf die kognitiven Fähigkeiten (Auffassungsgabe und Erinnerung) nehmen können.

Studien führten jedoch immer wieder zu uneinheitlichen Ergebnissen. In einer Übersichtsarbeit wurde daher das Carotinoid Lutein genauer unter die Lupe genommen. Ein Team aus japanischen Wissenschaftlern suchte in zahlreichen wissenschaftlichen Literaturdatenbanken nach Studien mit gesunden Menschen jeden Alters, bei denen der Einfluss einer Lutein-Einnahme auf die kognitiven Fähigkeiten untersucht wurde.

Insgesamt fünf Studien hatten einen solchen Zusammenhang zwischen Lutein und den kognitiven Fähigkeiten untersucht. Es zeigte sich, dass Lutein durch alle Studien hinweg eine positive Wirkung auf die visuelle Merkfähigkeit von gesunden, jungen und mittelalten Menschen ausübte. Bereits 10 mg pro Tag konnten bei einer Einnahme über 12 Monate positive Effekte erzielen.

Lutein kann die visuelle Gedächtnisfunktion von jungen und mittelalten Menschen verbessern.

Nouchi R, Suiko T, Kimura E, Takenaka H, Murakoshi M, Uchiyama A, Aono M, Kawashima R.
Effects of Lutein and Astaxanthin Intake on the Improvement of Cognitive Functions among Healthy Adults: A Systematic Review of Randomized Controlled Trials.
Nutrients. 2/2020

Entscheidend für das Voranschreiten des geistigen Abbaus im Alter ist die Abnahme der Durchblutung kleinster Blutgefäße im Gehirn. Ein prominenter Pflanzenstoff gilt, den Erkenntnissen einer klinischen Studie nach, als aussichtsreicher Kandidat, um dem Abbau entgegenzusteuern. Australische Wissenschaftler hatten bereits in einer 14-tägigen Studie die Wirkung des sekundären Pflanzenstoffs Resveratrol auf verschiedene Marker mit Erfolg getestet.

In einer länger angelegten Studie testeten sie nun die 12-monatige Gabe von zweimal täglich 75 mg Resveratrol im Vergleich zu einem Placebo. An der Studie nahmen 129 postmenopausale Frauen teil. Im Vergleich zur Placebo-Gruppe verbesserte sich in der Resveratrol-Gruppe die kognitive Leistungsfähigkeit deutlich über den Studienzeitraum.

Ebenso konnte die Abnahme der zerebrovaskulären Reaktionsfähigkeit (betrifft die Blutversorgung im Gehirn) abgeschwächt werden. Die Verzögerung der zerebrovaskulären Reaktionsgeschwindigkeit stand ebenfalls in Zusammenhang mit der Abnahme des Nüchtern-Blutzuckerspiegels.

Der sekundäre Pflanzenstoff Resveratrol zeigte in der aktuellen Studie eine positive Wirkung auf die kognitive Leistungsfähigkeit und die Blutversorgung im Gehirn von postmenopausalen Frauen.

Thaung Zaw JJ, Howe PRC, Wong RHX.
Sustained Cerebrovascular and Cognitive Benefits of Resveratrol in Postmenopausal Women.
Nutrients. 3/2020

Anti-Aging - Alt werden, jung bleiben

Patienten mit einer Krebserkrankung gehören bekanntermaßen zu den Risikogruppen, für die eine Covid-19-Erkrankung besonders gefährlich sein könnte. Ihnen wird daher angeraten, ihr Impfangebot auch zeitnah anzunehmen und nicht aufzuschieben, so die Aussagen der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO).

Werden Krebskranke mit dem SARS-CoV-2-Virus infiziert, so ist eher mit einem schlimmen Verlauf der Covid-Erkrankung zu rechnen und die Gefahr, daran frühzeitig zu sterben, ist nachweislich erhöht. Das zeigen mittlerweile zahlreiche Untersuchungen und Datenbank-Auswertungen von internationalen onkologischen Fachgesellschaften.

Vor diesem Hintergrund und als wichtige Vorbedingung für die Durchführung einer anstehenden Krebstherapie sollten Betroffene das Impfangebot kurzfristig auch annehmen. Rückmeldungen in den vergangenen Monaten haben leider gezeigt, dass Krebspatienten zum einen ihre notwendige Therapie aus Angst vor einer Corona-Infektion nicht begonnen haben und andererseits aber sich den dafür wichtigen Schutz mittels einer Impfung aus Furcht vor einer möglichen Nebenwirkung nicht gewährten.

Die Empfehlung seitens der Mediziner geht jedoch eindeutig in die Richtung, sich unmittelbar impfen zu lassen, um dann mit der Krebsbehandlung zu beginnen beziehungsweise fortzufahren. Wer sich nicht impfen lasse, riskiere im Falle einer doch eintretenden Covid-19-Erkrankung, die Krebstherapie zu unterbrechen, wodurch deren Erfolgschance eindeutig gesenkt werde.

Je früher die Impfung daher durchgeführt werde, desto besser, so die Aussage der Wissenschaftler der DEGRO. Auch wenn man bereits an Corona erkrankt war, sollten Krebspatienten ein halbes Jahr später eine Impfung durchführen lassen.

Menschen mit einer Krebserkrankung profitieren von einer Impfung gegen das Corona-Virus in besonderem Maße
Pressemitteilung 5/2021

Immer häufiger wird in den Industrieländern die Diagnose „Darmkrebs“ gestellt. Auf der Suche nach den Ursachen für diese besorgniserregende Entwicklung haben Forscher verständlicherweise das Ernährungsverhalten betroffener Patienten untersucht und sind dabei auf einen wichtigen Einflussfaktor gestoßen, der sich ganz einfach zugunsten der Gesundheit verändern ließe.

Wer zuckerreiche Getränke bevorzugt, sollte diese möglichst selten konsumieren. Bereits zwei Gläser solcher gezuckerter Getränke pro Tag führen dazu, dass das Darmkrebsrisiko um das Doppelte erhöht ist im Vergleich zu Gleichaltrigen, die lediglich auf den Verzehr von einem Glas pro Woche kommen. Zu diesem Ergebnis kam eine US-amerikanische Studie mit Frauen im Alter von unter 50 Jahren.

Die Daten von über 95.000 Krankenschwestern flossen in die Beobachtungsstudie, der sogenannten Nurses Health Studie II, ein. Über 20 Jahre lang wurden die Frauen alle vier Jahre bezüglich ihrer Ernährungsgewohnheiten befragt. Unter anderem wurden die Verzehrgewohnheiten von gezuckerten Limonaden, Erfrischungsgetränken und Eistees ermittelt. Teilweise konnte zusätzlich auf entsprechende Daten während derer Jugend zurückgegriffen werden.

Demnach gehen erwachsene Liebhaberinnen von gezuckerten Getränken ein um mindestens 50 % erhöhtes Erkrankungsrisiko für einen Darmkrebs ein. Jedes weitere Glas entsprechender Getränke pro Tag führt dazu, dass das Darmkrebsrisiko um weitere 16 % ansteigt.

Je jünger die Erwachsenen und je höher ihr Verzehr an gezuckerten Getränken, desto höher das Risiko, in späteren Jahren an Darmkrebs zu erkranken, so das Ergebnis der Studie. Bedenkt man also den sehr hohen Verzehr bei den 16- bis 18-Jährigen, so sollte man vor allem bei Ihnen ansetzen, um die stetige ansteigende Darmkrebsrate nachhaltig einzudämmen.

Denn das erhöhte Risiko ließe sich im Gegenzug ebenso wieder herabsetzen, wenn die Betroffenen ihren hohen Konsum von gesüßten Getränke wieder reduzieren würden! Die Studienverantwortlichen weisen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass sich Getränke mit künstlichen Süßstoffen sowie Fruchtsäfte nicht negativ auf die Entstehung von Darmkrebs auswirken.

Die Forscher geben mehrere mögliche Erklärungen für diesen ungünstigen Einfluss zuckerhaltiger Getränke auf das Darmkrebsrisiko an. Zum einen könnte ein durch den Zucker unterdrücktes Sättigungsgefühl und eine dadurch herbeigeführte zu hohe Kalorienaufnahme die Ursache sein. Erkrankungen wie Adipositas und Diabetes-Typ-2 könnten folgen und sich damit nachteilig auf das Darmkrebsrisiko auswirken.

Zum anderen könnte auch der hohe Gehalt an Fruktose die Darmfunktion nachteilig beeinflussen, was die Ausbildung einer Darmkrebserkrankung begünstigen könnte.

Hur, J. et al.
Sugar-sweetened beverage intake in adulthood and adolescence and risk of early-onset colorectal cancer among women
Gut, online first 5/2021

Typische Symptome einer Parkinson-Erkrankung sind bekanntermaßen Bewegungsstörungen, versteifte Muskulatur, Zittern oder ein gekrümmter Gang der Betroffenen. Treten diese Kennzeichen auf, so ist die Erkrankung des Gehirns durch das Absterben spezieller Nervenzellen bereits fortgeschritten und die Diagnose kann eindeutig gestellt werden. Wissenschaftler haben jetzt in einer aktuellen Veröffentlichung zusammengetragen, dass es bereits viele Jahre vorher zu Vorboten kommt, die einen möglichen Hinweis auf die typische Nervenzellschädigung einer Parkinson-Erkrankung erlauben.

Wenn demnach häufig Verstopfungen in Kombination mit Schlafstörungen, einer eingeschränkten Geruchswahrnehmung sowie Depressionen auftreten, sollten Betroffene die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass bei Ihnen in späteren Jahren eine Parkinson-Erkrankung diagnostiziert wird. Die Wissenschaftler geben beispielsweise an, dass eine gewisse Schlaf-Verhaltensstörung bei über 50-Jährigen, bei denen andere gängige Ursachen wie beispielsweise der Konsum von Drogen ausgeschlossen wurden, mit einer Wahrscheinlichkeit von 80 % auf eine spätere Parkinson-Erkrankung hinweist.

Ursache für die typischen Nervenzell-Veränderungen bei Parkinson ist die Veränderung eines bestimmten Proteins, welches sich entweder vom Gehirn auf den Körper oder umgekehrt vom Darm, also vom Körper, bis zu den Gehirnregionen ausbreitet. Je nachdem, um welchen Typ der Erkrankung es sich handelt, sind die ersten Vorboten beim „Brain-first-Typ“ eher im Bereich der Gehirnleistung, wie zum Beispiel in Form einer Riechstörung zu finden. Beim „Body-first-Typ“ hingegen zeigen sie sich zunächst in Form einer Verstopfung.

Die Forscher haben ein Frühwarnsystem entwickelt, bei dem neben den Vorboten auch eine erbliche Vorbelastung und weitere Risikofaktoren eingebunden sind und aus dem sich die Wahrscheinlichkeit errechnen lässt, mit der sich in späteren Jahren gegebenenfalls eine Parkinson-Erkrankung ausbilden wird.

Bei Menschen mit entsprechenden Vorboten kann ein veränderter Lebensstil helfen, um den Krankheitsverlauf zu beeinflussen. Ausreichende körperliche Bewegung sowie eine mediterrane Ernährungsweise spielen dabei eine sehr wichtige Rolle, um das Risiko für eine Parkinson-Erkrankung zu reduzieren.

Berg, D. et al.
Prodromal Parkinson disease subtypes – a key to understanding heterogeneity.
Nature Reviews Neurology 4/2021

Das Risiko für eine Erkrankung des Herzens oder der Gefäße scheint für Angehörige ersten Grades, also für Eltern und Geschwister einer bereits erkrankten Person, erhöht zu sein. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler in Italien, nachdem sie sich die Familienanamnese von Betroffenen einer sogenannten kardiovaskulären Krankheit wie beispielsweise einem Herzinfarkt, einer Angina pectoris oder einer arteriellen Verschlusskrankheit näher ansahen.

230 Betroffene einer entsprechenden Krankheit im Alter von 50 bis 55 Jahren nahmen an der Studie teil. Eine Vergleichsgruppe war ebenfalls unter den Probanden. Zusätzlich wurden die gesundheitlichen Daten von über 1.125 Angehörigen ersten Grades unter die Lupe genommen, um mögliche Zusammenhänge innerhalb der Familien zu erkennen.

Bei der Auswertung zeigte sich, dass bei den Angehörigen von Herzinfarkt- und von Angina-pectoris-Patienten das eigene Erkrankungsrisiko ebenfalls um etwa 14 % erhöht war. Bei einer arteriellen Verschlusskrankheit nahm das Erkrankungsrisiko der Eltern und Geschwister um 8 % zu. Vor allem scheinen Herzinfarkte einen entsprechenden ungünstigen Einfluss auf die Herzgesundheit der direkten Angehörigen zu haben. Vor diesem Hintergrund ist es also wichtig, bei der Risikoeinschätzung eine mögliche genetische Vorbelastung sowie die Lebensstilfaktoren, die in der Regel bei den Familienangehörigen ersten Grades ähnlich sind, zu berücksichtigen.

Andreotti F. et al.
Family history in first degree relatives of patients with premature cardiovascular disease.
Int J Cardiol 3/2021

Im Laufe unseres Lebens finden tagtäglich nicht umkehrbare Prozesse statt, die unseren Körper langsam altern lassen. Je älter wir werden, desto mehr können wir diesen natürlichen Verschleiß wahrnehmen, da im Laufe der Zeit unter anderem unsere Stoffwechselaktivität und die Funktion unserer Nervenzellen nachlassen und sich zunehmend auch pathologische Veränderungen einstellen können.

Wissenschaftler der Medizinischen Hochschule in Hannover konnten jetzt belegen, dass eine bestimmte Substanz, das sogenannte Spermidin, Abhilfe bei einigen altersbedingten Veränderungen im menschlichen Körper schaffen könnte. Seinen Namen hat  das Spermidin daher, dass es zunächst in der Samenflüssigkeit des Mannes nachgewiesen wurde.

Jetzt weiß man aber, dass diese Substanz in all unseren Zellen vorzufinden ist und dass sie auch als Stoffwechselprodukt unserer Darmflora entsteht. Einen beachtlichen und unbedingt notwendigen Anteil nehmen wir zudem über bestimmte Lebensmittel wie Weizenkeime, Käse, Produkte aus Soja und über Hülsenfrüchte auf.

Das Forscherteam konnte nun im Rahmen einer Studie belegen, dass die Aufnahme dieses Spermidins zusätzlich helfen könnte, um die altersbedingten Veränderungen in unseren Zellen zu reduzieren. Die täglich in unseren Körper freigesetzten defekten und damit nicht mehr brauchbaren Zellbestandteile werden durch eine Art Recycling-System verwertet. Dieser natürliche Reinigungsprozess ist notwendig, um die Zellen zu schützen und auch um altersbedingten Krankheiten vorzubeugen.

Das Spermidin besitzt gemäß dem aktuellen Forschungsergebnis die Fähigkeit, diesen wichtigen Recyclingprozess auf Trab zu halten. Über diese Funktion hinaus hat es eine unterstützende Wirkung für unsere Herzgesundheit und wohl auch gegen den altersbedingten Haarausfall. Weitere Studien sind notwendig, um zu klären, ob eine zusätzliche Ergänzung mit dem Spermidin sinnvoll sein könnte, um altersbedingten Krankheiten vorbeugen zu können. Fest steht jedoch bereits heute, dass eine Ernährung, die eine regelmäßige Zufuhr der spermidinhaltigen Lebensmittel garantiert, im Rahmen der Anti-Aging- Maßnahmen empfehlenswert ist.

Wirth, A. et al.
Novel aspects of age-protection by spermidine supplementation are associated with preserved telomere length
Geroscience 1/2021

Dass das Rauchen der gesamten Gesundheit des Menschen schadet, ist allen bekannt. Viele Funktionen unseres Körpers werden dadurch stark beeinträchtigt und krankhaft verändert. Das Rauchen erhöht erwiesenermaßen das Risiko, vorzeitig an dessen gesundheitlichen Folgen zu sterben. Dass eine erfolgreiche Raucherentwöhnung sich nicht nur auf diverse Organfunktionen, sondern auch auf die Psyche der Betroffenen positiv auswirkt, zeigt eine aktuelle Studie, in der entsprechende Daten von 170.000 Personen analysiert wurden. Wissenschaftler nahmen zu diesem Zweck die Ergebnisse von über 100 Beobachtungsstudien näher unter die Lupe.

Im Ergebnis zeigte sich, dass durch einen Rauchstopp psychische Probleme wie Angstempfinden, depressive Verstimmungen und auch Stress-Symptome relativ schnell abgebaut werden können. Bisher wurde von den Nikotinsüchtigen eher angenommen, dass das Rauchen zur seelischen Beruhigung beitrage und sie fürchteten daher erhöhte Stressanfälligkeit, innere Unruhe und Reizbarkeit infolge eines Nikotinverzichts.

Doch laut Studienergebnis wendete sich das psychische Wohlbefinden bereits nach sechs Wochen ins Positive. Die Studienteilnehmer berichteten nach dieser kurzen Zeit, sich mental ausgeglichener zu fühlen als während der Zeit ihrer Nikotinsucht. Demnach besteht nun eher die Annahme, dass das Rauchen zur Verstärkung einer psychischen Belastung führt.

Die Wissenschaftler betonen vor diesem Hintergrund, dass allein der Suchtstatus der Betroffenen zu zwanghaftem psychischen Stress führe. Nach einer kurzen Zeit mit Entzugserscheinungen, in der das psychische Wohlbefinden vorübergehend stark auf die Probe gestellt wird, zeigen sich die Entwöhnten mit einer eindeutig besseren Psyche und Stressanfälligkeit als während ihrer Sucht. Auch vor dem aktuellen Hintergrund, dass Raucher eher einen schlimmen Verlauf einer Covid-19-Erkrankung zeigen, sollten Betroffene nicht länger warten, um sich ihrer Sucht mit professioneller Unterstützung abzuwenden.

Taylor, G. et al.
Smoking cessation for improving mental health
Cochrane library 3/2021

Obwohl die Darmspiegelung eine optimale Vorsorgeuntersuchung darstellt, um nicht nur Karzinome, sondern auch deren Vorstufen frühzeitig zu erkennen, tun sich viele Menschen hierzulande schwer damit, sich einer solchen Untersuchung zu unterziehen. Dabei kann eine aktuelle Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums ganz klar belegen, dass eine Darmspiegelung zu einem um 60 % reduzierten Darmkrebsrisiko und einer um 70 % herabgesetzten Sterbewahrscheinlichkeit infolge einer Darmkrebserkrankung beitragen kann. Ein klarer wissenschaftlicher Beleg für die hohe Wirksamkeit der Darmspiegelung als wichtiges Instrument in der Darmkrebsvorsorge ist damit eindeutig gegeben.

Im Rahmen einer Studie wurden 9.200 Teilnehmer im Alter zwischen 50 und 75 Jahren zunächst bezüglich ihres Gesundheitszustandes und ihres Lebensstils befragt. Im Rahmen des 17-jährigen Studienzeitraums wurde ebenfalls dokumentiert, inwiefern sie an einer Darmkrebsvorsorge mittels Darmspiegelung teilgenommen hatten.

Auf diese Weise konnten zum einen Rückschlüsse über den Zusammenhang zwischen dem Lebensstil und dem Auftreten einer entsprechenden Krebserkrankung festgestellt werden. Zum anderen war es möglich herauszufinden, welchen quantitativen Einfluss die Darmspiegelung als Vorsorgemaßnahme auf die Entstehung und den Verlauf der Krebserkrankung hatte.

Trotz dieser wertvollen Methode zur Krebsvorsorge wird sie von nur 40 % unserer Bevölkerung in Anspruch genommen. Männer ab dem Alter von 50 und Frauen ab 55 haben einen regelmäßigen Anspruch auf diese Vorsorgeuntersuchung. Es ist vor allem die Untersuchung selber, von der sich viele Menschen abschrecken lassen, obwohl die Vorstellung bei Weitem unangenehmer ist als die Durchführung, die auch mit leichter Narkose vollzogen werden kann. Die im Vorfeld erforderliche Darmentleerung lässt sich ebenfalls unproblematisch überstehen, so die Mediziner.

Vor dem Hintergrund also, dass Darmkrebs bei den Frauen zur zweithäufigsten und bei den Männern zur dritthäufigsten Krebserkrankung zählt, sollte das Angebot zur Vorsorgeuntersuchung unbedingt wahrgenommen werden. Auf diese Weise ließen sich die hohen Erkrankungszahlen von 58.000 pro Jahr sowie die hohe Zahl der Menschen, die in Deutschland daran sterben, in Höhe von 26.000 erfolgreich reduzieren.

Guo, F. et al.
Strong Reduction of Colorectal Cancer Incidence and Mortality After Screening Colonoscopy
The American Journal of Gastroenterology 1/2021

Das Hörvermögen nimmt ab einem Alter von 35 Jahren ab. Nach Überschreitung des 60. Lebensjahres ist die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten einer Altersschwerhörigkeit erhöht. Leider werden die ersten Anzeichen eines nachlassenden Hörvermögens nicht immer frühzeitig behandelt. Die Betroffenen ignorieren sie zunächst häufig und riskieren damit dauerhafte Folgeschäden.

Ein möglicher Hörverlust schleicht sich langsam ein. Am Anfang sind es die leisen Geräusche, denen nicht mehr gelauscht werden kann und später kann hinzukommen, dass das Gesprochene nicht mehr verstanden wird. Die ersten ernst zu nehmenden Anzeichen einer altersbedingten Schwerhörigkeit sind damit gegeben und sollten frühzeitig behandelt werden.

Anlässlich des „Welttages des Hörens“ am vergangenen 3. März weisen immer mehr Ärzte darauf hin, dass auch Betroffene eines zunächst einseitigen Hörverlustes riskieren, dass es zu weiteren Hörschäden kommt und damit das gesamte Kommunikationsverhalten beeinträchtigt wird. Auch Menschen, die bereits ein Hörgerät tragen und sich dennoch zunehmend nicht mehr verständigen können, sollten frühzeitig reagieren und sich Hilfe suchen, so die Aussagen von Spezialisten der Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde.

Dank regelmäßiger Fortschritte in der Hörtechnik gibt es auch hier wirkungsvolle Alternativen, wie beispielsweise spezielle Implantate, mit deren Hilfe verbesserte Höreindrücke und das grundsätzliche Hörvermögen nach und nach wieder vermittelt werden können. Bei dem Prinzip eines entsprechenden Implantates geht es beispielsweise darum, dass das Gehirn bestimmte Klänge neu kombiniert und daraus wieder erkennbare Geräusche wahrgenommen werden.

Auch vor dem Hintergrund einer Zunahme von Demenzerkrankungen im Alter ist es wichtig, frühzeitig auf die Vorboten eines eingeschränkten Hörvermögens zu reagieren, statt sie zu ignorieren. Denn mit einem Hörverlust riskiert man auch die Intellektualität und ein gut funktionierendes Denkvermögen, so die Wissenschaftler.

Ostermeyer, H.
„Ignorieren Sie eine Hörstörung nicht “, warnen Experten am Welttag des Hörens
idw-Informationsdienst Wissenschaft 3/2021

Eine Infektion mit dem Covid-19-Virus schnell zu erkennen, das ist das Ziel des Gesundheitswesens, um den Patienten unverzüglich und optimal betreuen zu können und eine unentdeckte Ausbreitung des Virus zu vermeiden. Eine Studie aus Großbritannien konnte aufzeigen, dass sich vor allem bei betagteren Menschen eine Corona-Infektion nicht immer durch die typischen Symptome wie beispielsweise Hals- und Kopfschmerzen ankündigt, sondern sich auch durch das untypische Symptom der Verwirrtheit bemerkbar macht.

Der Zusammenhang einer entsprechenden geistigen Verwirrung, einer Orientierungslosigkeit und Benommenheit mit einer möglichen Covid-19-Erkrankung ist vielen Menschen nicht geläufig, so dass die Infektion teilweise zu spät erkannt wird. Das trage laut Aussagen der Wissenschaftler dazu bei, dass ältere Menschen häufig einen schlimmeren Verlauf der Erkrankung haben und eher daran sterben als jüngere Generationen. Auch könnte eine vor diesem Hintergrund unerkannte Corona-Infektion mitverantwortlich sein für eine schnellere Ausbreitung des Virus in Pflege- und Altenheimen.

Vor dem Hintergrund dieses Studienergebnisses weisen die Verantwortlichen darauf hin, dass man vor allem bei Menschen ab einem Alter von 65 Jahren bei einer plötzlich eintretenden geistigen Verwirrtheit nicht nur an die herkömmlichen Ursachen wie beispielsweise psychischer Stress, mangelhafte Flüssigkeitsversorgung oder die Einnahme von Medikamenten denken sollte, sondern auch die Möglichkeit in Betracht ziehen müsse, dass sich damit eine Covid-19-Erkrankung ankündigen könnte.

Maria Beatrice Zazzara et al.
Probable delirium is a presenting symptom of COVID-19 in frail, older adults: a cohort study of 322 hospitalised and 535 community-based older adults
Age and Ageing 1/21

Die sogenannte Herzinsuffizienz (Herzschwäche) tritt im höheren Alter zunehmend auf. 10 % der über 70-Jährigen und 1-3 % der 40- bis 50-Jährigen sind von einer entsprechenden unzureichenden Funktion des Herzens betroffen. Diese Patienten scheinen häufig auch Störungen in ihrer Gedächtnisleistung und Defizite bezüglich ihrer Aufmerksamkeit zu haben. Interessanterweise kann eine Therapie der Herzinsuffizienz eine weitere Verschlechterung dieser kognitiven Beeinträchtigungen aufhalten. Ein direkter Zusammenhang zwischen einem gesunden Herzen und einer stabilen geistigen Aktivität ist somit deutlich zu erkennen.

Ein Forscherteam aus Würzburg nahm 148 Männer und Frauen mittleren Alters, die von einer Herzschwäche betroffen waren, über einen Studienzeitraum von drei Jahren unter die Lupe, indem sie die Erkrankung optimal therapierten und zeitgleich die Veränderungen der kognitiven Leistungsfähigkeit mittels spezieller Untersuchungen dokumentierten. Die anfänglich gemessenen kognitiven Einschränkungen blieben mit zunehmender Genesung des kranken Herzens stabil beziehungsweise verbesserten sich teilweise. In einigen Fällen kam es während des Studienzeitraums lediglich zu leichten weiteren Verschlechterungen der Aufmerksamkeit.

Die Wissenschaftler konnten belegen, dass bei den Herzpatienten eine bestimmte Region im Gehirn, die insbesondere für die Gedächtnisleistung und Informationsverarbeitung verantwortlich ist, kleiner war als bei herzgesunden Patienten. Dieser spezielle Zusammenhang konnte in der dreijährigen Studie mithilfe neuer Analysetechniken eindeutig belegt werden. Denn diese Messungen ermöglichen es, die entsprechenden Hirnregionen im zeitlichen Verlauf präzise zu vermessen und mit den vorhandenen Normalwerten von herzgesunden Menschen zu vergleichen.

Frey, a: et al.
Temporal changes in total and hippocampal brain volume and cogniti-ve function in patients with chronic heart failure—the COGNITION.MATTERS-HF cohort study,
European Heart Journal 1/2021

Viele Wechseljahresbeschwerden wie die häufig auftretenden Schlafstörungen, Hitzewallungen, Schweißausbrüche und Schwindel sind umfangreich erforscht. Wie eine US-amerikanische Untersuchung zeigt, leiden jedoch 25 % der klimakterisch betroffenen Frauen auch unter Herzrasen und starkem Herzklopfen. Hier hinkt die Forschung jedoch etwas hinterher, denn zu diesen Wechseljahresbeschwerden, auch „Palpitationen“ genannt, lassen sich kaum Studien ausfindig machen.

Laut Untersuchungsergebnis war jede vierte der nahezu 760 Studienteilnehmerinnen im Alter von 42 bis 62 Jahren derart von den unangenehmen Symptomen wie Herzrasen und Herzpochen betroffen, dass es ihnen Anlass zur Sorge gab. Viele von ihnen empfanden diese Symptome als „unbehaglich“, einige sogar als „ziemlich stark“, „extrem“ und somit äußerst unangenehm. Dieses Missempfinden wirke sich nachweislich negativ auf die Lebensqualität der Betroffenen aus, zudem setzte es sie auf diese Weise zusätzlich unter Stress.

Möglicherweise wurde bisher der Leidensdruck durch diese Herzsymptome unterschätzt. Vor diesem Hintergrund müsse zukünftig aus medizinischer Sicht verstärkt darauf eingegangen werden, um der eingeschränkten Lebensqualität und den damit verbundenen Ängsten therapeutisch entgegenwirken zu können.

Carpenter, J. S. et al.
A Menopause Strategies–Finding Lasting Answers for Symptoms and Health (MsFLASH) Investigation of Self-Reported Menopausal Palpitation Distress.
Journal ofWomen´s Health 11/2020

Um uns herum hören wir immer mehr Geräusche, die unser Hörorgan beschallen. Dass sich starke und akute Lärmbelästigungen auch auf unsere Gehirnfunktion auswirken können und diese aus neurologischer Sicht möglicherweise vorzeitig altern lässt, zeigt das Untersuchungsergebnis eines deutschen Forscherteams.

Bisher war bekannt, dass starker Lärm direkt im Ohr zu Schädigungen führt: Durch überhöhte Geräuschpegel werden die Haarsinneszellen der Hörschnecke beeinträchtigt. Dies gilt als Hauptursache für kurzfristige Hörstörungen. Etwa 20 % der deutschen Bevölkerung ist von einem entsprechend eingeschränkten Hörvermögen betroffen.

Die Wissenschaftler fanden jetzt heraus, dass die Lärmbelästigung auch eine langfristige Auswirkung auf die Aktivität der Nervenzellen im Gehirn hat, die sich auch Wochen später noch zusätzlich verstärkt. Sie könnte damit eine weitere wichtige Ursache für einen im Alter zunehmenden Tinnitus und dauerhafte Hörschäden sein.

Die Studienverantwortlichen erklären den Einfluss eines Schalltraumas auf die Nervenzellen des Gehirns wie folgt: Die Schädigung der Haarsinneszellen in der Hörrinde führt zu einer geschwächten Reizweiterleitung, so dass bestimmte Töne nicht richtig verarbeitet werden. Betroffene merken in diesem Fall einen Hörverlust.

Bestimmte Nervenzellen im Gehirn versuchen nun, diesen Schaden im Ohr abzufangen beziehungsweise auszugleichen, wodurch es zu unkoordinierten Aktivitäten der Nervenbahnen sowie zu dauerhaften Veränderungen in den Nervenschaltkreisen kommt. Nicht nur ein vorzeitig eingeschränktes Hörvermögen, sondern auch permanente Phantomgeräusche in Form eines Tinnitus könnten auf diese lärmbedingten neurologischen Veränderungen zurückzuführen sein, so die Wissenschaftler.

Jeschle, M. et al.
Acute and Long-Term Circuit-Level Effects in the Auditory Cortex After Sound Trauma
Front. Neurosci 1/2021

Häufige Stimmungstiefs, Niedergeschlagenheit, abnehmende soziale Kontakte und weniger Interesse an Freizeitaktivitäten, das sind Symptome einer unterschwelligen Depression, die ältere Menschen offensichtlich zu häufig hinnehmen, ohne etwas dagegen zu tun.

Laut Ergebnis einer US-amerikanischen Studie ordnen zu viele Menschen depressive Verstimmungen den normalen Alterserscheinungen zu und glauben, dass sie als fester Bestandteil schicksalshaft zum Altern dazugehören. Mit dieser Annahme liegen sie aber nicht richtig, denn auch in höheren Lebensjahren lässt sich eine Depression erfolgreich therapieren.

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass sich bei mindestens 5 % der befragten Über-65-Jährigen Symptome einer Depression zeigten. Zwei Drittel von ihnen suchte sich jedoch keine professionelle Hilfe. Über die Hälfte tat dieses nicht, weil sie ihre depressiven Beschwerden nicht als therapiebedürftig empfanden, und fast 40 % waren der Überzeugung, alleine damit fertig zu werden.

Depressionen scheinen in der älteren Generation nach wie vor ein Tabuthema zu sein. Dabei ist es so wichtig und auch nie zu spät, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Eine Depression sollte niemals nur als ein vorübergehendes Empfinden wahrgenommen werden, sondern lässt sich ganz eindeutig als Krankheit definieren, für die es eine Therapiemöglichkeit gibt. Hierzulande sind etwa 6 % der Menschen ab einem Alter von 70 Jahren an einer Depression erkrankt. Im Vergleich dazu liegt die Depressionsrate bei den jüngeren Erwachsenen bei 8,1 %.

Laut Aussage der Deutschen Depressionshilfe ist es auffällig, dass bei den Betagteren eine sogenannte „subklinische Depression“, also eine leichtere Depression mit nicht allen bekannten Symptomen beobachtet wird, und zwar doppelt bis dreimal so häufig wie bei der jüngeren Generationen. Eine unbehandelte Depression beeinträchtigt nicht nur das allgemeine Lebensgefühl, sondern verstärkt auch andere Beschwerden des Körpers.

Deutsche Depressionshilfe, www.deutsche-depressionshilfe.de, Suffering in silence: two-thirds of older adults say they won't treat their depression
GeneSight Mental Health Monitor 11/2020

Das Risiko unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen, Selbstmord zu begehen, beschäftigt verständlicherweise Wissenschaftler, um diesem erfolgreich durch entsprechende Vorsorgemaßnahmen entgegenwirken zu können. Ein Forscherteam der Universität Leipzig untersuchte vor diesem Hintergrund die Suizidrate der Deutschen sowie die der Migranten, die vorzugsweise aus europäischen Ländern nach Deutschland gekommen waren.

Der Untersuchungszeitraum belief sich auf sieben Jahre zwischen 2000 und 2007. In dieser Zeit begangen etwa 200.000 Menschen hierzulande Selbstmord, etwa 9.000 davon konnten der Migrantengruppe zugeordnet werden. Insgesamt sind Männer dreimal so häufig betroffen wie Frauen. Die Auswertung ergab auch, dass die Selbstmordrate der Deutschen etwa doppelt so hoch ausfiel wie die der Migranten.

Die Wissenschaftler folgern daraus, dass sich insbesondere psychisch und körperlich gesunde Ausländer der Herausforderung stellen, um in einem fremden Land die neuen und oftmals erschwerten Anforderungen zu meistern. Interessanterweise waren die Suizidraten der einzelnen Migranten mit denen ihrer Herkunftsländer vergleichbar. Junge erwachsene Migranten begangen häufiger Selbstmord als ältere, und je höher das Lebensalter der Migranten, desto geringer war die Suizidrate.

Auch scheint das Klima sowie der sozioökonomische Status des Herkunftslandes im eindeutigen Zusammenhang mit dem Wunsch nach einem vorzeitigen Beenden des eigenen Lebens zu stehen. Bei den russischen Migranten beispielsweise lag das Suizidrisiko um das 3,7-fache höher als bei den griechischen Einwanderern.

Ein wichtiger Faktor, der den Selbstmordgedanken ansteigen lässt, scheint sozioökonomischer Herkunft zu sein. Demnach wirken eine gute Berufsintegration, ein gutes Einkommen sowie eine längere Arbeitszeit einem erhöhten Suizidrisiko entgegen.

Brenneke, G. et a.
Suicide among immigrants in Germany
J Affect Disord . 9/2020; 274: 435-443.

Immer mehr Menschen fühlen sich am Arbeitsplatz gestresst und überbelastet. Der steigende Druck führt dazu, dass die Zahl der Burnout-Patienten zunimmt. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass sich entgegen aller Vermutungen eine Burnout-Erkrankung stärker auf den Arbeitsstress auswirkt als umgekehrt.


Mit anderen Worten bedeutet das: Je ausgeprägter der Burnout ist, desto mehr lassen sich die Betroffenen aufgrund ihrer geringeren Belastbarkeit von der Arbeit stressen. Die Menge an Arbeit erscheint schnell zu viel und die Arbeitszeit zu gering, insgesamt nimmt der Stress im Job damit ungebremst zu.

48 vorhandene Studien zum Thema Burnout mit insgesamt über 26.000 Teilnehmern im durchschnittlichen Alter von 42 Jahren wurden entsprechend ausgewertet. Eine Burnout-Erkrankung kann sich demnach schnell in Form eines Teufelskreises aufschaukeln und die Betroffenen am Arbeitsplatz unerwartet intensiv stressen. Umso wichtiger sei somit eine frühzeitige Therapie eines Burnouts, damit die bedrohliche Stress-Spirale erst gar nicht weiter ins Drehen gerät und auf Dauer wertvolle Lebensjahre negativ beeinflusst

Zudem sei es wichtig, auch seitens der Vorgesetzten, den Druck am Arbeitsplatz durch beispielsweise mehr Wertschätzung und häufigere Erholungsphasen zu reduzieren, um dadurch auch zu besseren Rahmenbedingungen für ein zufriedenes und gesundes langes Leben beizutragen..


Guthier, C. et al
Reciprocal Effects Between Job Stressors and Burnout: A Continuous Time Meta-Analysis of Longitudinal Studies
Psychological Bulletin 10/2020

Beinahe 50 Millionen Menschen sind weltweit von der derzeit noch unheilbaren Alzheimer- oder ähnlichen Demenz-Erkrankung betroffen, und innerhalb der nächsten 20 Jahre wird nahezu eine Verdoppelung dieser Betroffenenzahl erwartet. Vor diesem Hintergrund suchen Wissenschaftler dringend nach Präventions- und Therapieansätzen, damit die Erkrankten möglichst lange ein selbstbestimmtes Leben führen können.


Im Rahmen einer europäischen Studie erhielten 311 Alzheimer-Patienten im frühen Erkrankungsstadium für eine längere Zeit ein spezielles medizinisches Nahrungsmittel, in dem essentielle Fettsäuren, Vitamine und weitere Nährstoffe enthalten waren, denen bereits eine positive Eigenschaft auf die alzheimertypischen Hirnveränderungen zugesprochen worden war. Eine Teilgruppe nahm zum Vergleich ein entsprechendes Placebomittel ein.
Nach einer dreijährigen Einnahme zeigten sich eindeutige Unterschiede bezüglich der Hirnveränderungen der Studienteilnehmer. Aufgrund des Nährstoffcocktails reduzierten sich die betroffenen Gehirnareale um etwa 20 % weniger als bei der Kontrollgruppe. Dementsprechend konnte auch die Abnahme der Hirnleistung bei der ersten Gruppe um bis zu 70 % verlangsamt werden.


Die Studienverantwortlichen weisen darauf hin, dass sich diese positiven Effekte vor allem bei Alzheimer-Patienten im äußerst frühen Stadium zeigten. Bei einem Behandlungszeitraum von mehr als drei Jahren profitierten zudem auch weitere kognitive Bereiche, die den Alltag der Betroffenen maßgeblich erleichterten und ihnen auch weiterhin zu ihrer uneingeschränkten Selbstständigkeit verhalfen.


Soininen, H. et al
36‐month LipiDiDiet multinutrient clinical trial in prodromal Alzheimer's diseaseAlzheimer's disease:
Alzheimer and Dementia 9/2020

Ein Gläschen Wein, das früher gut bekommen ist, zeigt im höheren Alter plötzlich eine unangenehme Wirkung. Wie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zum Anlass des „Tages der älteren Menschen“ im Oktober dieses Jahres berichtet, gibt es zahlreiche Ursachen dafür, dass Alkohol plötzlich nicht mehr vertragen wird.

Zum einen büßt die Leber mit zunehmenden Jahren einzelne Funktionen ein, so dass der Alkohol nicht so schnell wie gewohnt abgebaut wird und damit eine längere Zeit im Blut verweilt. Hinzu kommt, dass der Alkohol im Blut weniger verdünnt wird, da der Anteil an Körperflüssigkeit im Alter grundsätzlich abnimmt. Der Alkohol ist somit nicht nur länger, sondern auch in einer höheren Konzentration im Blut und lässt es somit den älteren Menschen eher spüren. So ist es nicht verwunderlich, dass Alkoholmengen, die früher ohne Nebenwirkungen getrunken wurden, plötzlich unangemessen sind.

Auch bereiten mögliche Wechselwirkungen des Alkohols mit einzunehmenden Medikamenten Probleme, wie beispielsweise Medikamente, die bei Bluthochdruck oder Diabetes eingenommen werden. Bei antidepressiv wirkenden Medikamenten ist unbedingt auf den Alkoholkonsum zu verzichten.
Ältere Menschen sind zudem nicht mehr so sicher auf den Beinen unterwegs. Auch hierbei gilt es, beim Öffnen der Weinflasche oder Ähnlichem zu bedenken, dass Alkohol nicht förderlich ist für den Gleichgewichtssinn und die Reaktionszeit. Eine höhere Sturzgefahr wäre also vorprogrammiert.

Alkoholkonsum im Alter birgt besondere Risiken https://www.bzga.de/presse/pressemitteilungen/2020-09-29-alkoholkonsum-im-alter-birgt-besondere-risiken/
Pressemitteilung BZgA 9/2020

Die Demenzerkrankung ist weltweit auf dem Vormarsch. Derzeit sind bereits etwa 50 Millionen Menschen betroffen, in Deutschland liegt diese Zahl bei 1,6 Millionen. Allein aufgrund der Tatsache, dass die Bevölkerung immer älter wird, ist mit einem weiteren Anstieg von Demenzkranken zu rechnen.

Umso wichtiger ist es, frühzeitig etwas für die Prävention und Früherkennung dieser derzeit nicht heilbaren Erkrankung zu tun, um nicht zuletzt auch deren Verlauf abzuschwächen. Zahlreiche Einflussfaktoren sind schon länger bekannt. Dazu gehören beispielsweise die Schwerhörigkeit, geringer Bildungsstand, Nikotin, zu wenig Sozialkontakte, Erkrankungen wie eine Depression, Bluthochdruck und Diabetes, sowie Übergewicht und mangelnde körperliche Aktivität.

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse lassen nun den Schluss zu, dass auch ein Schädel-Hirn-Trauma das Demenzrisiko erhöht. Auch eine hohe Luftverschmutzung hat einen negativen Einfluss sowie ein hoher Konsum an Alkohol.

Wie die Deutsche Gesellschaft für Neurologie berichtet, wären diese Risikofaktoren vermeidbar. Würden sich die Menschen entsprechend verhalten und beispielsweise beim Radfahren Fahrradhelme tragen oder auf Alkohol zunehmend verzichten, sich regelmäßig sportlich betätigen und sich so verhalten, um die weiteren genannten Risiken zu vermeiden, so würde die Zahl der Demenzfälle um etwa ein Drittel gesenkt werden können.

Um diesem möglichen Ziel näherzukommen, sollen nun spezielle Gesundheitsprogramme ausgearbeitet werden, denn für Vorbeugemaßnahmen ist es nie zu spät. Die Ansatzpunkte, um das gesundheitliche und gesamtgesellschaftliche Problem der Demenzerkrankung einzudämmen, sind also vorhanden. Sie sollen nun im Rahmen einer sogenannten „Nationalen Demenzstrategie“ von über 70 im Gesundheitswesen tätigen Organisationen bis 2026 koordiniert umgesetzt werden.

Livingston, G. et al.
Dementia prevention, intervention, and care: 2020 report of the Lancet Commission.
The Lancet 8/2020; 396: 413-446.

In der nationalen Rangliste für die häufigste Todesursache steht der Schlaganfall (Apoplex) nach Herzerkrankungen und Krebs leider an dritter Stelle. Ein deutsches Forscherteam ging diesen Aussagen nach und suchte nach Angaben bezüglich zu erwartender Überlebenschancen und des Risikos für einen Folge-Schlaganfall.


Sie werteten entsprechende Daten von fast 3.400 Schlaganfall-Patienten aus, die über einen 20-jährigen Zeitraum gesammelt wurden, und erhielten somit wichtige Angaben bezüglich der Behandlung, Prävention, der Genesung und möglicher Spätfolgen eines Schlaganfalls. Bei der Auswertung konnten die Wissenschaftler belegen, dass ein Schlaganfall bei etwa jedem zweiten Betroffenen innerhalb der folgenden fünf Jahre zum Tod führt.


Diese Sterbewahrscheinlichkeit liegt bei den Frauen bei 49,6 und bei den Männern bei 41,8 %. Bei diesen Zahlen müsse man jedoch unterscheiden, welche Ursache zum Schlaganfall geführt hat, so die Studienverantwortlichen. Patienten, bei denen ein Arterienverschluss die Ursache war, haben eine höhere Überlebenswahrscheinlichkeit als solche, bei denen ein Vorhofflimmern vorangegangen war.


Auch die Gefahr eines wiederholten Schlaganfalls variiert je nach Ursache: Bestand sie in verengten kleinen Gefäßen im Gehirn oder in Ablagerungen in anderen wichtigen Hirngefäßen, so war die Wiederholungsgefahr innerhalb der folgenden fünf Jahre geringer als bei anderen Ursachen. Grundsätzlich weisen die Wissenschaftler darauf hin, dass sich innerhalb der letzten Jahrzehnte die Wahrscheinlichkeit, einen sogenannten Schlaganfall zu überleben, eindeutig erhöht hat.


Rücker, V. et al.
Twenty-Year Time Trends in Long-Term Case-Fatality and Recurrence Rates After Ischemic Stroke Stratified by Etiology
Stroke 8/2020

Es steht außer Frage, dass ein Vater, der an einem Prostatakrebs (Prostatakarzinom) erkrankt, ein entsprechendes Risiko auch an seinen Sohn weitervererbt. Wie verhält es sich aber, wenn beim Elternteil eine Vorstufe der Krebserkrankung festgestellt wurde. Hat das Kind dann ebenfalls ein erhöhtes Risiko für diese Krebsart?


Dieser Frage gingen Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) und des Nationalen Zentrums für Tumorerkrankungen (NCT) nach und werteten die Daten von über sechs Millionen Männern aus Schweden aus, deren Geburtsdatum nach 1931 lag. Im Laufe des Studienzeitraums (1958 bis 2015) erhielten 238.196 Männer (3,8 Prozent) die Diagnose eines invasiven Prostatakarzinoms und 5.756 Männer (0,09 Prozent) waren von einer Vorstufe des Prostatakrebs betroffen. Auch die Daten der Elternteile flossen in die Untersuchungen ein.

 

Im Ergebnis dieser außerordentlich groß angelegten Studie zeigte sich, dass eine invasive Prostatakrebserkrankung bei einem Verwandten ersten Grades, das heißt beim Vater oder Bruder, dazu führt, dass betroffene Männer ein 2-fach erhöhtes Krebserkrankungsrisiko haben. Auch wenn der Vater oder Bruder „lediglich“ von einer Krebsvorstufe betroffen ist, erhöht sich das Krebserkrankungsrisiko der verwandten Männer noch um das 1,7-Fache im Vergleich zu Männern ohne entsprechender Familiengeschichte.


Je jünger die Väter bei der Diagnose der Vorstufe waren, desto höher ist das Krebserkrankungsrisiko der Männer in der folgenden Generation, so die Wissenschaftler. Es ist also beinahe irrelevant, ob in der Familie bereits eine invasive Form des Prostatakrebs aufgetreten ist, oder dessen Vorstufe, denn in beiden Fällen wird ein vergleichbar hohes Erkrankungsrisiko weitervererbt.

 

Hierzulande stellt der Prostatakrebs die am häufigsten auftretende Krebsart beim Mann dar. Nach Lungen- und Darmkrebs ist er damit die dritthäufigste Krebstodesursache. Jährlich gibt es etwa 58.000 entsprechende Krebsneuerkrankungen, und bei über 14.000 führt dieser Krebs zum Tod. In den häufigsten Fällen sind die Erkrankten über 60 Jahre alt, Männer unter 45 Jahren sind sehr selten betroffen. Auch andere Studien in diesem Zusammenhang konnten bereits belegen, dass der bedeutendste Risikofaktor bei Prostatakrebs die Familiengeschichte ist.


X. Xu, M. Fallah et al.
Risk of invasive prostate cancer and prostate cancer death in relatives of patients with prostatic borderline or in situ neoplasia: A nationwide cohort study.
Cancer 7/2020

Kann es sein, dass sich eine Alzheimer-Erkrankung bei manchen Betroffenen schon lange Zeit vorher durch langsam eintretende Gedächtnisstörungen ankündigt und sie eine mögliche Erkrankung bereits früh „fühlen“ können?

 

Schon lange suchen Wissenschaftler nach möglichen Vorboten einer Alzheimer-Erkrankung. Aktuell wurde dazu eine Studie bei 449 Erwachsenen im durchschnittlichen Alter von 70 Jahren durchgeführt. Die Hälfte von ihnen hatte darüber berichtet, dass ihr Gedächtnis nach eigenem Empfinden nachlasse. Bei der anderen Hälfte der Teilnehmer handelte es sich um eine Vergleichsgruppe, die als kognitiv gesund eingestuft wurde. Beide Gruppen nahmen an umfangreichen Tests teil, um nachweisbare Indizien und Erkenntnisse zur geistigen Leistungsfähigkeit zu ermitteln.

 

Im Ergebnis zeigte sich, dass bei denjenigen Studienteilnehmern, die ihren Arzt aufgesucht hatten, weil sie ein Nachlassen ihrer geistigen Fähigkeiten gespürt hatten, auch tatsächlich entsprechende kognitive Defizite zu messen waren. Bei den Teilnehmern der zweiten „unvorbelasteten“ Gruppe hingegen fielen die Messungen bezüglich ihrer Gedächtnisleistung besser aus.
Zusätzlich zu diesen Tests wurden von einzelnen Personen beider Teilnehmergruppen Proben des Nervenwassers aus Gehirn und Rückenmark entnommen, um das Vorhandensein spezieller Eiweißverbindungen zu analysieren. Dabei handelt es sich um Biomarker, die auf mögliche Nervenschädigungen und Reaktionseinbußen und somit auf Alzheimer-Prozesse hindeuten.


Hierbei fanden die Forscher heraus, dass bei den Teilnehmern, die über das subjektiv empfundene Nachlassen ihrer Gedächtnisleistung berichteten, auch tatsächlich entsprechende Biomarker im Nervenwasser vorzufinden waren. Die Studienverantwortlichen weisen darauf hin, dass aus diesem Studienergebnis keinesfalls der Schluss gezogen werden darf, dass empfundene kognitive Einschränkungen grundsätzlich auf eine sich ankündigende Alzheimer-Erkrankung hindeuten.


Gedächtnisstörungen könnten neben einer Alzheimer-Erkrankung viele Ursachen haben. Dennoch kann das eigene Empfinden diesbezüglich sehr hilfreich sein, um mit anschließenden Tests ein mögliches Alzheimer-Risiko zu ermitteln und frühzeitig mit passenden Behandlungsmethoden reagieren zu können.


Wolfsgruber, S. et al.
Minor neuropsychological deficits in patients with subjective cognitive decline
Neurology 7/2020

Bestimmte Symptome kündigen einen möglichen Herzinfarkt an. Dennoch scheinen diese Anzeichen oftmals nicht ernst genommen oder richtig gedeutet zu werden, sodass der Anruf beim Notarzt nicht frühzeitig erfolgt. Wissenschaftler aus den USA weisen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die ersten Symptome eines Herzinfarktes abhängig vom Alter der Betroffenen teilweise unterschiedlich sind. Das macht die Deutung entsprechend schwieriger.

 

Bei der Auswertung von Untersuchungen, die von etwa 2.600 Patienten mit einem ersten Herzinfarkt gesammelt wurden, stellte man fest, dass sich bei jüngeren Herzinfarkt-Patienten eher typische Symptome wie Schmerzen, Druck, Engegefühl oder Missempfinden im Brustkorb bemerkbar gemacht hatten. Etwa 80 % dieser Generation klagten über Schmerzen im Brustkorb.


In der älteren Generation hingegen wurde derartigen unangenehmen Empfindungen in der Brustkorbgegend als Vorbote weniger Bedeutung zugesprochen, entsprechende Schmerzen hatten nur 45 % von ihnen angegeben.
In der höheren Altersgruppe kündigte sich der Infarkt vorwiegend durch atypische Symptome wie Kurzatmigkeit, Schmerzen im linken Arm oder durch einen Kreislaufkollaps an.


Während die Studienteilnehmer im Alter unter 55 Jahren nur zu 11 % entsprechende atypische Symptome hatten, traten diese mit zunehmendem Alter verstärkt ein: bei den 55- bis 64-Jährigen zu 17 %, bei den 65- bis 74-Jährigen zu 28 % bis hin zu den über 85-Jährigen zu 51 %.

 

Die Wissenschaftler merken vor dem Hintergrund dieses Studienergebnisses an, dass solche atypischen Symptome einen Hinweis auf einen Herzinfarkt erschweren und darin auch ein Grund zu sehen ist, weshalb die Notärzte teilweise verspätet alarmiert werden.


Tisminetzky, M. et al.
Age Differences in the Chief Complaint Associated With a First Acute Myocardial Infarction and Patient's Care-Seeking Behavior
Am J Med 3/2020

Bisher nahm man an, dass das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, zu einem großen Teil erblich bedingt ist. Wie Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungsinstitutes jetzt berichten, sind die vererbten Gene in den meisten Fällen nicht für eine Darmkrebserkrankung verantwortlich und haben also einen geringen Stellenwert.

Was den Forschern hingegen aufgefallen ist, sind die ungünstigen Lebensgewohnheiten der Eltern, die häufig vom Nachwuchs übernommen werden und damit auch bei ihnen das Krebsrisiko ansteigen lassen. Ein schlechter Lebensstil, in dem viel geraucht, sich wenig körperlich bewegt und sich unausgewogen ernährt wird, ist ein schlechtes Vorbild innerhalb der Familie.

Das führt zu einem familiär bedingten erhöhten Darmkrebsrisiko und darf keinesfalls mit einem genetisch bedingten Risiko verwechselt werden. Mit anderen Worten: Jeder Mensch hat es selbst in der Hand hat, sein Krebserkrankungsrisiko zu minimieren, indem er auf seinen gesunden Lebensstil achtet und nicht die möglicherweise schlechten Gewohnheiten seiner Eltern übernimmt.

Im Rahmen einer Studie wurden das Erbmaterial sowie die Lebensgewohnheiten von etwa 4.500 Darmkrebspatienten mit denen von rund 3.500 gesunden Personen verglichen. Es wurde unter anderem untersucht, ob bei den erkrankten Personen bestimmte Gene vorrangig waren, zu denen ein Einfluss auf die Entstehung von Darmkrebs bekannt ist.

Bei der Auswertung der Untersuchungen zeigte sich, dass diese Gene am Ende tatsächlich nur zu maximal 14 % für den Darmkrebs verantwortlich sind und nicht wie bisher angenommen zu maximal 23 %. Demnach hatten durchaus auch gesunde Personen diese genetische Vorbelastung, waren aber nicht am Darmkrebs erkrankt. Auch andere Studien deuten darauf hin, dass sehr viel ausschlaggebender als die genetische Vorbelastung ein ungesunder Lebensstil ist.

Diesem wird damit mehr Bedeutung zugesprochen und sollte unbedingt in gesunde Bahnen gelenkt werden, um einer Darmkrebserkrankung vorzubeugen. Ungesunden Ernährungsgewohnheiten, Rauchen und mangelhafter körperlicher Bewegung werden als Risikofaktoren eine deutlich größere Bedeutung zugesprochen als zuvor angenommen, so die Wissenschaftler.

Weigl K et al.
Establishing a valid approach for estimating familial risk of cancer explained by common genetic variants.
Int J Cancer 1/2019; 146(1): 68-75.

Damit wir uns zielsicher durch einen Raum lotsen können, verarbeiten wir unzählige Sinneseindrücke, die den Weg über die Augen, über die Muskulatur bis hin zum Gehirn gehen. Eine besondere Bedeutung nimmt dabei eine bestimmte Hirnregion ein, in der über bestimmte Nervenzellen ein Abbild der jeweiligen Umgebung erzeugt und zur Weiterverarbeitung an das Gehirn gesendet wird.

Wissenschaftler sprechen dabei vom menschlichen Navigationssystem, das unterschiedlich gut funktioniert und für das Orientierungsvermögen verantwortlich ist. Es ist auch bekannt, dass es im Alter nachlässt. Im Rahmen einer Studie fanden Forscher heraus, dass der häufig nachlassende Orientierungssinn insbesondere darauf zurückzuführen ist, dass die Verarbeitung und Weiterleitung der Eindrücke und Sinneswahrnehmungen durch unterschiedliche Störfaktoren beeinflusst wird, ähnlich wie das störende Rauschen eines Radios, welches die akustische Wahrnehmung beeinträchtigt.

Die Forscher stellten fest, dass vor allem die Wahrnehmungen bezüglich der Fortbewegungsgeschwindigkeit beim Gehen ungenauer werden und im Gehirn zu einer fehlerhaften Abschätzung der Position im Raum führen. Diese auftretenden Schwankungen führen zu Einbußen bezüglich der Orientierung der Betroffenen.

Die Forscher weisen abschließend darauf hin, dass diese Fehlerquelle im Alter nachweislich zunehme. Weitere Untersuchung stehen an, um die Ursache dieses gestörten Informationsflusses zu finden und diesem dann therapeutisch entgegenwirken zu können.

Matthias Stangl et al.
Sources of path integration error in young and aging humans
Nature Communcations 5/2020